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VfL Lübeck-Schwartau VfL Lübeck-Schwartau: Papa „Podde“ geht nach zehn Jahren in Handball-Rente
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22:01 02.03.2019
Toni Podpolinski (32) legt im Juni nach zehn VfL-Jahren den Ball aus der Hand... Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Bad Schwartau, Kurparksee. Sanft säuselt der Wind in den Zweigen, Vögelchen zwitschern in den kahlen Bäumen. Betagtere Damen drehen gemächlichen Schrittes ihre Runde. Ein Fleckchen Idylle zum Abschalten, zum Runterkommen. Der ideale Ort zum Spaziergang mit Toni Podpolinski. Auch für seine Botschaft. „Podde“ will zum Saisonende den Ball aus der Hand legen. Am 8. Juni ist Schluss. Endgültig. Nach zehn Schwartauer Profi-Jahren.

„Podde“: Mehr Zeit für die Familie

„Der Gedanke steckt schon seit dem Vorjahr in mir drin. Jetzt ist es soweit“, erzählt der 32-Jährige. „Ich möchte gern mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, das ist der Hauptgrund.“ Training, Spiele und Reisen am Wochenende, plus BWL-Studium – der zeitliche Aufwand ist hoch, lässt kaum Platz für Freiräume. Doch seit die „Podde-Twins“ Jon und Elin (4 Monate) da sind, haben sich die Prioritäten verschoben. „Ich will sie Aufwachsen sehen, nichts verpassen. Die Zeit kann mir keiner wiedergeben.“ Und da ist auch noch der Krebs. Im Frühjahr 2015 hatte er seine Lymphdrüsen befallen. Ein halbes Jahr später, im Oktober, hatte er ihn besiegt, auch die Momente, „wo ich nah am Verzweifeln war“. Daran hat sich nichts geändert. Alles ist gut. „Doch ich höre seitdem anders in meinen Körper hinein, lebe bewusster.“ Er weiß auch, dass er anfälliger ist, kleine Infekte schon mal zwei, drei Wochen dauern. Die Rückkehr aufs Parkett, sie fällt immer schwerer . . .

 

Rückblick auf zehn Jahre beim VfL Lübeck-Schwartau

Trainer Greve bewundert Podpolinski

Mit zehn Jahren hat „Klein-Podde“ die Handball-Welt entdeckt. In Cottbus. Talent, Größe, Linkshänder – alles passte, führte ihn in der Lausitz an die Sportschule und ins Männerteam des LHC. Mit 20 war er da schon Top-Torjäger im Regionalliga-Team, auch Junioren-Nationalspieler. 2008 holte ihn Zweitliga-Aufsteiger Schwartau. „Ich hatte ihn lange beobachtet, und dann geholt, obwohl er sich einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Jetzt kann ich sagen, ich habe es keinen Moment bereut und bin stolz, dass er uns so lange die Treue gehalten hat“, betont Geschäftsführer Michael Friedrichs.

„Als ich noch Spieler war, habe ich ,Podde’ schon bewundert“, schwärmt sein Trainer Torge Greve. „Er war für mich bis zu seiner Krankheit der beste Linkshänder der zweiten Liga, der komplette Spieler, wurfstark und spielintelligent.“ Jetzt schätzt er ihn als „besonnenen Kämpfertypen. Ich habe die Zeit mit ihm genossen“, sagt Greve. Doch noch ist sie nicht vorbei, noch sind es 14 Spiele.

„Durch den Handball habe ich meine wundervolle Frau kennengelernt“

Mehr als 300 werden es nach zehn VfL-Jahren sein. „Die Zeit hat mir unheimlich viel gebracht, der Handball hat mein Leben bestimmt.“ Die Siege, „gerade die im DHB-Pokal, wo wir dreimal knapp am Final Four vorbeigeschrammt sind“, wird er nicht vergessen. Auch die Niederlagen. „Doch das Schönste ist, dass ich durch den Handball meine wundervolle Frau kennengelernt habe.“ Beim Verkuppeln mit seiner Jana (spielte in Schwartau und dann beim Erstligisten Buxtehude) hatte im übrigen sein Kumpel Jan Schult kräftig mitgeholfen. „Wir haben bisher unsere komplette Handball-Karriere zusammen verbracht.“ Wenn er mit „Podde“ auf dem Feld ist, verstehen sich beide blind. „Das macht noch immer Spaß.“

Toni Podpolinski hat den Krebs besiegt, feiert im Februar 2017 sein Comeback im Spiel gegen Leutershausen. Quelle: Agentur 54°

Auch für Schult ist Podpolinski bis 2015 der beste Linkshänder der 2. Liga gewesen. „Schwartau kann sich glücklich schätzen, dass er dem Werben der ersten Liga widerstanden hat.“ Und was war sein schönster Moment mit ihm? „Ganz klar Poddes Comeback. Tiefster Respekt, dass er das geschafft hat.“ Im Februar 2017, nach 663 Tagen, war die Nummer 8 zurück in seinem Revier. Und die Hansehalle stand auf. „Wenn ich daran denke, bekomme ich noch immer Gänsehaut“, gesteht Schult.

Hausbau in Pansdorf und ein Job im Gesundheitsbereich

Und wie geht’s nach dem Handball weiter? Mit Handball? „Nur als Zuschauer, mehr nicht“, wehrt Podpolinski mögliche Trainer-Ambitionen ab. Neben der Familie zählt dann der Job. Mit seinem BWL-Studium, Schwerpunkt Gesundheitswirtschaft, ist er mit einem Praktikum in der Asklepios-Klinik derzeit in den letzen Bachelor-Zügen. Im Gesundheitsbereich will der gelernte Physiotherapeut später gern arbeiten. Am künftigen Haus in Pansdorf tut er das schon jetzt. Mal wieder Angeln, am Golfhandicap arbeiten („das liegt immer noch bei 46“), steht auf seiner To-Do-Liste für später – auf der für die nächsten drei Monate noch der Handball weit oben rangiert. Podde: „Ich will bis Juni jedes Spiel genießen. Und schön wäre es, wenn die Zwillinge bei einem Spiel dabei wären. Das wäre ziemlich cool.“

Zur Person

Toni Podpolinski, geboren am 16. Dezember 1986 in Cottbus, kam 2008 zum VfL Bad Schwartau, ist nach Jan Schult somit der dienstälteste VfLer. Das Handball-Abc hat er in Cottbus erlernt, feierte mit dem LHC 2007 den Zweitliga-Aufsteig. Mit dem VfL stand er dreimal im Viertelfinale des DHB-Pokals, wurde 2014 von den LN-Lesern zum „Sportler des Jahres“ gewählt. „Podde“ ist verheiratet mit Jana, gebürtige Stapelfeldt, Vater von Zwillingen (Jon und Elin).

Jens Kürbis

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