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VfL Lübeck-Schwartau VfL Lübeck-Schwartau in der Krise: Wo sind die Leitwölfe?
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20:34 04.02.2020
Martin Waschul (seit 2012 beim VfL) ist Abwehrchef und Käptn der Mannschaft, vorn nur sporadisch im Einsatz. Gegen Hüttenberg fordert er „Feuer im Team – von Beginn an“. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Piotr Przybecki ist kein Mann der harten, der lauten Worte. Ein Trainer-Vulkan ist der 47-Jährige schon gar nicht. Auch in seinen 17 Jahren als Bundesliga-Profi ließ er lieber Tore und Taten sprechen. Doch die Demütigung von Gummersbach (12:27) war auch für ihn zu viel. Vor allem das Wie brachte den Trainer der Schwartauer Zweitliga-Handballer auf die Palme. Am Tag der Männer-Worte, an dem Team und Trainer Tacheles redeten, wurde er so beim Training zum ersten Mal laut.

„Slowmotion-Handball, Schönwetter-Mannschaft“

Es waren nicht nur die 21 Fehlwürfe und die 19 technischen Fehler, die Przybecki so aufgeregt hatten. Es war der Auftritt, die Körpersprache insgesamt. „Slowmotion-Handball“, „Schönwetter-Mannschaft“, lauteten seine Vorwürfe schon vorab im LN-Gespräch. Vor allem monierte er die „fehlenden Leitwölfe“ in der Offensive, „die, die das Heft in die Hand nehmen, wenn es eng wird, wenn es nicht läuft. Wo sind sie?“, fragte Przybecki. Das fragt sich auch die Mannschaft, die noch vor einem Jahr in nahezu identischer Besetzung oben mitspielte, sich auch durch den Trainerwechsel (Greve nach Gummersbach; Claasen/Engelhardt übernahmen) mitten in der Saison nicht aus dem Rhythmus bringen ließ. Vom einstigen Hoch ist lediglich die Abwehrstärke geblieben. Mit im Schnitt knapp 25 Gegentoren stellt der VfL immer noch die viertbeste Abwehr der Liga.

Alle Spiele, alle Ergebnisse und die Toptorschützen – die Saison 2019/20 des VfL Lübeck-Schwartau bis zur Corona-Krise

Waschul: „Es gibt keinen Graben zwischen Trainer und Mannschaft“

„Keine Ahnung, wie wir in die Abwärtsspirale hinein geraten sind“, rätselt auch Käptn und Abwehrchef Martin Waschul (31), „die Verunsicherung im Team sieht doch jeder.“ Denn nach der überzeugenden Vorbereitung mit vier Testspielsiegen habe keiner mit diesem Einbruch gerechnet. „Es ist ja auch nicht so, dass wir nach Gummersbach fahren und es mal locker runterspielen. Verlieren will da keiner“, sagt Waschul und stellt klar: „Und bevor die Frage kommt: Es gibt keinen Graben zwischen Trainer und Mannschaft.“ Dass die Stimmung jetzt etwas frostiger sei, man vieles hinterfrage, sei normal. „Das hatten wir bei Torge Greve auch.“ Waschul betont: „Wir wollen da unten raus – mit dem Trainer.“

Drei Endspiele im Februar

Abstiegsangst, Ergebniskrise, Fehlentscheidungen. Der Druck wächst. Gerade im Februar. Denn der wird zum Monat der Wahrheit. Für den VfL, der mit 15:23-Punkten nur noch zwei Zähler Luft zum Relegationsrang 16 hat, geht es gegen die direkte Konkurrenz im Abstiegskampf. Am Samstag kommt Hüttenberg (16:22-Punkte), dann geht es nach Dresden (16:22) und anschließend im Heimspiel gegen den Tabellen-16. Konstanz (13:25). Drei Endspiele für den Klassenerhalt. „Für uns ist jedes Spiel ein Knackspiel“, sagt Waschul und gibt zu: „Klar schaut man jetzt öfter auf die Tabelle. Das lässt keinen kalt.“

Ist jetzt als einer der offensiven Führungsspieler gefragt: Markus Hansen. Quelle: Mathias M. Lehmann

Verunsicherung hausgemacht?

Ist aber nicht ein Grund für die Verunsicherung hausgemacht? Immerhin wissen neun Spieler (Mallwitz, Gonschor, Schult, Hansen, Runarsson, Claasen, Bruhn, Potic, Genda) immer noch nicht, wie und ob es für sie aufgrund auslaufender Verträge beim VfL überhaupt weitergeht. „Vordergründig ist das sicher kein Thema, eine Entschuldigung schon gar nicht“, sagt Waschul und schickt ein Aber hinterher: „Ausblenden kann es sicher keiner der Jungs. Fakt ist, dass Planungsgewissheit jedem Spieler Sicherheit gibt. Das lässt sich nun mal nicht wegdiskutieren.“ Ganz nebenbei geht es für die „Langfristvertragler“ auch um den Erhalt des (Zweit)- Arbeitsplatzes. Denn bei Abstieg würde das Gros der Verträge automatisch auslaufen.

Hüttenberg-Spiel: „Keine Ausreden mehr“

Für Waschul wird das Hüttenberg-Spiel ganz entscheidend: „Da muss von der ersten Minute an Feuer drin sein.“ Das fordert auch Coach Przybecki: „Wir müssen jetzt Hüttenberg aus der Halle fegen, egal mit welchen Mitteln. Ich will keine Ausreden mehr hören.“

Familiäre Gründe: Greve verlässt Gummersbach

Das Spiel gegen seinen Ex-Verein wollte Torge Greve noch abwarten. Doch der Entschluss stand schon vorher fest: Der Trainer verlässt den VfL Gummersbach am Saisonende. Die räumliche Distanz zu seiner Familie hat den 44-Jährigen zu diesem „schweren Entschluss“ gebracht. Als er vor gut einem Jahr vom VfL Lübeck-Schwartau zum damaligen Erstligisten wechselte, entschied sich die Familie (Janina und die Söhne Fynn und Emil), in Kiel-Neumeimersdorf wohnen zu bleiben. Vom Job als Gemeinschaftsschullehrer (Sport/Mathe) war Greve ohnehin beurlaubt. Jetzt folgt im Sommer der Schritt zurück, bleibt der Traum, mit dem VfL in der Sparkassen-Arena zu spielen, unerfüllt. Gummersbach-Geschäftsführer Christoph Schindler bedauert die Entscheidung, hat aber Verständnis: „Im Leben gibt es manchmal wichtigere Dinge als Handball, und da steht die Familie an erster Stelle.“

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Von Jens Kürbis

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