Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Flughafen Blankensee Airport: Chinesen fliegen auf Lübeck
Thema F Flughafen Blankensee Airport: Chinesen fliegen auf Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:32 11.06.2015
Ein Modell des ersten in China entwickelten Jets wird von Min Tian (l.) von Comac an Senator Sven Schindler (SPD) überreicht. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Kooperationen mit dem Flughafen Lübeck loten die Vertreter der chinesischen Flugzeughersteller Commercial Aircraft Corporation of China (Comac) und der Regionalfluggesellschaft Chengdu Airlines aus. „Wir hoffen, dass wir die Gelegenheit finden, in Lübeck Geschäfte zu machen“, sagt Min Tian, der kaufmännische Geschäftsführer von Comac. Er sei „fest überzeugt, ein gutes Geschäft“ in der Hansestadt machen zu können. Eingeladen hat die chinesische Delegation der Airport-Inhaber Yongqiang Chen. „Ich möchte ihnen den Flughafen zeigen“, erklärt Chen knapp. „Es geht um ein erstes Kennenlernen“, sagt Flughafen-Chef Peter Steppe. „Und außerdem soll die Hansestadt der Delegation präsentiert werden.“

Die chinesischen Besucher gehören zum Kreis der eng verflochtenen zivilen Luftfahrt-Branche Chinas. So hat ein Firmenzusammenschluss — das ACAC-Konsortium — das Flugzeug ARJ 21 entwickelt. Nach eigenen Angaben ist es das erste in China nach internationalen Standards entwickelte Jet-Flugzeug. Die Chengdu Airline wiederum gehört mit zum Konsortium, Vertreter der Airline sind mit nach Lübeck gereist. 2009 wurde das ACAC Konsortium in den Comac-Konzern eingegliedert — eine Gesellschaft, die von der chinesischen Regierung und der Regionalregierung Shanghai mitgegründet wurde. Sie besteht seit 2008. Der kaufmännische Geschäftsführer Tian ist ebenfalls Teil der Delegation.

Er hat eine Mini-Version des Flugzeugs Comac ARJ 21 mitgebracht. In der Maschine können je nach Modell 70 bis 80 beziehungsweise 90 bis 100 Passagiere Platz finden. Der Jet hat wegen technischer Probleme erst mit mehrjähriger Verspätung die Zulassung von der Civil Aviation Administration of China (CAC) erhalten — am 30. Dezember 2014. Die erste Maschine soll im Herbst an die Chengdu Airline geliefert werden. Die Fluggesellschaft hat 30 Maschinen bestellt. Ihre Flotte umfasst bislang 16 Flugzeuge — allesamt von Airbus.

„Ich gehe nicht davon aus, dass in Lübeck demnächst Flugzeuge gebaut werden“, sagt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD). Er könne sich aber vorstellen, dass durchaus Flugzeugteile in Blankensee produziert würden. Wesentlich konkreter sind indes Chens Pläne einer Flugschule auf dem Airport- Gelände. „Im Herbst werden 500 Flugschüler aus China erwartet“, so Schindler. Sie sollen in Lübeck ihren privaten Pilotenschein machen. Nach Angaben von Schindler liegen bereits Bauvoranfragen bei der Stadt vor für die Errichtung von Unterkünften und Schulungsräumen. Sie sollen im Süden des Geländes gebaut werden, daher hätten auch die Segelflieger das Areal räumen müssen. Bis Herbst wird Chen allerdings noch keine Gebäude fertigstellen können. Daher werden die Flugschüler zunächst provisorisch am Flughafen untergebracht. Die private Fliegerei steckt in China in den Kinderschuhen. Denn der Luftraum über dem Reich der Mitte wurde erst im November 2013 für private Fliegerei geöffnet. Daher fehlt es in dem Land dafür bisher an Infrastruktur.

Der Lübecker Flughafen ist seit August 2014 in chinesischer Hand. Chen hat den Airport aus der Insolvenz gekauft. Die von ihm gegründete PuRen Germany GmbH betreibt den Flughafen seither.

Flüge, Passagierzahlen und Eigentümer
4 Flugziele werden nur noch ab Lübeck Airport angeboten — alle von der ungarischen Fluggesellschaft Wizzair. Derzeit wird vier Mal die Woche von der Hansestadt aus ins polnische Danzig geflogen — ab 25. Juni fünf Mal. Zwei Mal pro Woche geht es in die Ukraine nach Kiew, und seit 7. Juni wird von Blankensee aus zwei Mal in der Woche Riga in Lettland angeflogen. Ab 1. Juli steht dann auch erstmals Skopje auf dem Programm — in die mazedonische Hauptstadt geht es zwei Mal pro Woche.
2013 wurden laut Statistik der Stadt in Blankensee knapp 360 000 Passagiere abgefertigt. Im Jahr 2000 waren es nur knapp 185000 Fluggäste, die Zahl stieg 2005 auf mehr als 715000 Passagiere.
4 Eigentümer hat der Flughafen Lübeck in den letzten 15 Jahren gehabt. Er gehörte zunächst der Hansestadt, dann der neuseeländischen Firma Infratil, später dem Deutsch-Ägypter Mohamad Rady Amar und nun dem Chinesen Yongqiang Chen.

Josephine von Zastrow