Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Flughafen Blankensee Airport: Chinesen sollen in Lübeck das Fliegen lernen
Thema F Flughafen Blankensee Airport: Chinesen sollen in Lübeck das Fliegen lernen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:53 14.01.2015
Der chinesische Investor und Chef der PuRen-Group Chen Yongqiang besuchte die Hansestadt Anfang August anlässlich des Kaufs des Flughafens Lübeck.  Quelle: Markus Scholz/dpa
Blankensee

Neue Perspektiven für den Airport: Jetzt sollen Chinesen am Flughafen in Blankensee einen privaten Pilotenschein machen können. Die ersten Flugschüler werden bereits diesen Sommer erwartet. Außerdem gibt es eine neue Wartungsfirma, die kleine Flugzeuge repariert.

Damit will Flughafen-Eigentümer Yongqiang Chen sein Geschäftsmodell erweitern. Das Investitionsvolumen beträgt eine Million Euro. Dazu wurde am Freitag eine Flugschule gegründet, die PuRen International Flight Academy GmbH.

Dort können sich Interessierte ausbilden lassen und die PPL (private pilot license) erhalten. Zudem wurde eine weitere Firma gegründet, die PuRen International Aviation Maintenance GmbH. Sie wartet Flugzeuge.

Kommentar: Flugziel, wo bist du?

„2015 wird der Start und Anlauf für konkrete neue Projekte sein“, erklärt Airport-Chef Markus Matthießen. „Das sind neue Puzzlesteine für den Airport“, sagt der Flughafenleiter Peter Steppe. Für die beiden neuen Unternehmen braucht Chen allerdings noch Genehmigungen. Das dauert etwa drei bis vier Monate. Über die neue Flugschule muss die Luftfahrtbehörde des Landes entscheiden. Die Unterlagen dafür reicht Steppe demnächst ein.

Es gibt bereits ein Team aus fünf bis sechs Leuten, die an der Flugschule unterrichten sollen. Für den Betrieb sollen zehn kleinmotorige Maschinen gekauft werden, mit zwei und vier Sitzen. Das Unterrichtsmaterial werde es nur auf Englisch geben, so Steppe, da man sich auf den chinesischen Markt konzentriere. Die Ausbildung kostet 15000 bis 18000 Euro.

Die Flugschüler gibt es bereits. „Nach Aussagen von Herrn Chen stehen sie Gewehr bei Fuß“, sagt Steppe. So viele könne die Flugschule gar nicht ausbilden.

Deshalb will Steppe mit den zwei Flugschulen kooperieren, die bereits am Airport ansässig sind. Die Chinesen sollen drei bis sechs Monate in Lübeck bleiben. Chen hat bereits den Sandkrughof in Schnakenbek im Lauenburgischen gekauft. Dort könnten 29 Schüler wohnen. „Wir sind aber auch auf der Suche nach einer Unterkunft in Lübeck“, sagt Steppe.

Warum wollen Chinesen gerade in Lübeck das Fliegen lernen? Der Luftraum über China ist erst im November 2013 geöffnet worden, deshalb ist dort kaum Infrastruktur für die private Fliegerei vorhanden. Es gibt einen Bedarf an Wartungseinrichtungen und Flugschulen nach Angaben der Germany Trade & Invest, einer 100-prozentigen Tochter des Bundeswirtschaftsministeriums. Sie kümmert sich um Außenwirtschaft und Standortmarketing. Außerdem habe die Ausbildung in Deutschland einen sehr guten Ruf im Reich der Mitte, so ein Sprecher.

Die neu gegründete Wartungsfirma für Flugzeuge muss indes noch von der Bundesluftfahrtbehörde genehmigt werden. Dort sollen drei bis vier neue Mitarbeiter angestellt werden, so Steppe. In Halle H wird die Werkstatt eingerichtet. Die Mechaniker könnten auch die Maschinen der Flugschule reparieren sowie 80 Privatflieger, die in Blankensee stehen. „Derzeit müssen sie dafür nach Parchim oder Itzehoe fliegen“, so Steppe.

Zudem soll die Firma auch kleinere Arbeiten wie Öl- oder Reifenwechsel bei den Linien- und Chartermaschinen auf dem Vorfeld erledigen. „Wenn wir diesen Service anbieten können, macht uns das attraktiver.“

Mit den beiden neuen Firmen hat Chen insgesamt vier deutsche Unternehmen rund um den Airport: Die PuRen Germany GmbH betreibt den Flughafen seit August 2014, zudem gibt es seit September 2014 die PuRen Airlines, die Personen, Gepäck und Güter im Linienverkehr befördern soll. Jetzt sind Flugschule und Wartungsfirma dazu gekommen.

Unterdessen versucht der Airport auch, neue Fluglinien nach Lübeck zu holen. Derzeit werden nur zwei Ziele von Wizz Air angeflogen: Danzig und Kiew. Ab April 2015 geht es auch in die lettische Hauptstadt Riga.

jvz