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Flughafen Blankensee Gefährden alte Tanks das Grundwasser?
Thema F Flughafen Blankensee Gefährden alte Tanks das Grundwasser?
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12:12 25.05.2006
Hier befinden sich die drei größten Betankungsanlagen.
Lübeck

Im Auftrag von Umweltsenator Thorsten Geißler (CDU) untersuchte die Lübecker Firma URS das Flughafengelände, den Übungsplatz der Bundespolizei sowie den Verkehrsübungsplatz. Von September 2005 bis März dieses Jahres wertete URS Dokumente seit 1934 aus, befragte Zeitzeugen und Anwohner. Das Ergebnis erschreckt sogar die Grünen, die von einem "beachtlichen Trinkwasser-Gefährdungspotenzial" sprechen.

"Es gibt bisher nur Verdachtsflächen und keinen Hinweis auf eine Gefährdung", sagt dagegen Umweltsenator Geißler. URS hat allerdings weitergehende Untersuchungen empfohlen. Vor allem zu den drei riesigen Tanklagern unter dem Vorfeld, die ein Fassungsvermögen von jeweils 100 000 Litern Flugzeugbenzin haben.

Unklar ist, ob die Tanks noch gefüllt oder bereits leer sind. Das können nur Bohrungen ans Tageslicht befördern. Unklar ist auch, ob die Behälter dicht oder leck sind und womöglich Flugbenzin in den Boden sickert. Um das festzustellen, müssten Messstellen eingerichtet und Bodenproben entnommen werden.

Das gesamte Gelände scheint mit Tanklagern verschiedener Größe geradezu übersät. Auf dem Flughafengelände wurden 37 unterirdische Behälter ausgemacht. Auf dem Übungsgelände der Bundespolizei weitere zehn. Für Flugbenzin, Heizöl und Altöl. Außerdem definierten die Umweltgutachter frühere Reparaturwerkstätten, Munitionsdepots und Müllablagerungen als Verdachtsflächen.

Ausgelöst wurde die Recherche durch eine Einwohnerfrage in der Bürgerschaft vom letzten August. Das Umweltamt reagierte prompt. "Wir wollen einen Überblick über die Altlasten gewinnen, um die mögliche Gefährdung von Schutzgütern auszuschließen und das bevorstehende Planfeststellungsverfahren sicherzustellen", erklärt Geißler.

Denn der Mehrheitseigner des Flughafens, Infratil, will 60 Millionen Euro in den Ausbau des Airports stecken. Warum haben Stadt und Flughafen nicht schon beim letzten Planfeststellungsverfahren in den Untergrund geguckt? Damals sei es nur um die Verlängerung der Start- und Landebahn und eines Rollweges gegangen, so Geißler. In dem Bereich gebe es keine Altlasten. Vom Flughafen gab es gestern keinen Kommentar.

Die Grünen verlangen eine Sanierung der Tankanlagen. "Belasteter Boden muss ausgekoffert und mit unbelastetem Material aufgefüllt werden", sagt Umweltexperte Hans-Jürgen Schubert. Sie misstrauen der Zusicherung, dass für den unteren Grundwasserleiter keine Gefahr besteht. Der Senator spricht von einem mächtigen Geschiebemergel zwischen Grundwasser und Tanks. Schubert: "Laut Gutachter ist der Mergel streckenweise dünn und mit Sand durchzogen."

Von Kai Dordowsky