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Flughafen Blankensee Segelflieger müssen bleiben: SPD droht Flughafeninvestor mit Kündigung
Thema F Flughafen Blankensee Segelflieger müssen bleiben: SPD droht Flughafeninvestor mit Kündigung
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09:30 11.02.2015
Senator Sven Schindler (2.v.l.), PuRen-Chef Yongqiang Cheng (3.v.l.) und Airport-Chef Markus Matthießen (2.v.r.). Quelle: Flughafen
Lübeck

SPD-Fraktionsvize Peter Reinhardt hat dem chinesischen Flughafenbetreiber PuRen gestern im Hauptausschuss der Bürgerschaft mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, sollten die Chinesen die Segelflieger des Aero Clubs nicht auf dem Gelände belassen. „Wir sind nicht Bittsteller, sondern Verpächter“, sagte Reinhardt, „wenn das mit den Segelfliegern nicht anders wird, heben wir den ganzen Vertrag aus den Angeln.“ Der Aero Club muss den Flughafen bis Ende März verlassen — aus betriebsbedingten Gründen.

Reinhardt erinnerte an einen Passus im Pachtvertrag, der PuRen auffordert, die Interessen der Segelflieger angemessen zu berücksichtigen. „Eine Kündigung ist keine angemessene Berücksichtigung“, sagte der SPD-Politiker. Während die Verwaltung den Passus als Appell an die Chinesen interpretiert, verstehen weite Teile der Kommunalpolitik ihn als Auftrag. „Wir wollen nicht als Lügner dastehen“, so Reinhardt, „so können wir mit Sportvereinen nicht umgehen.“

Die SPD steht mit ihrer Haltung nicht alleine. Die Linke hatte von Anfang an Bedenken gegen das Vertragswerk und fühlt sich durch den Rausschmiss der Segelflieger bestätigt. Auch Partei-Piraten und Grüne unterstützen die harte Haltung gegenüber PuRen. „Das sind große Worte von Reinhardt“, erklärte Michelle Akyurt (Grüne), „wir sind froh, dass wir jetzt auch die SPD an unserer Seite haben.“ Die Genossen haben weitere Ungereimtheiten aufgedeckt. „Die Segelflugschule Lübeck bietet Kurse zwischen Mai und Oktober 2015 an“, sagte Jörg Hundertmark, wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion.

Die einen müssen weg, die anderen bleiben? Hundertmark: „Hier wird ganz offenkundig mit zweierlei Maß gemessen.“

Bürgermeister Bernd Saxe und Wirtschaftssenator Sven Schindler (beide SPD) bemühen PuRen um Aufklärung. Schindler versuchte es direkt bei Flughafen-Geschäftsführer Markus Matthießen während einer Peking-Reise am Wochenende. Schindler: „PuRen weicht nicht von seiner Haltung ab.“

Die Chinesen haben am Wochenende auf einer Konferenz in Peking vor 220 Vertretern von Luftfahrtbehörden und Presse ihre Pläne für die Flugschule in Lübeck vorgestellt. Der Wirtschaftssenator war überrascht, dass die Hansestadt vielen Chinesen ein Begriff ist. „Lübeck kommt gut an in der Welt und in China.“ Die mehrtägige Reise des Senators wurde von PuRen bezahlt.

dor