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Flughafen Blankensee Segelflug in Blankensee weiter möglich — mit Einschränkungen
Thema F Flughafen Blankensee Segelflug in Blankensee weiter möglich — mit Einschränkungen
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20:10 18.02.2015
Ob Florian Mösch vom Aero Club auch in Zukunft von Blankensee aus in die Luft steigen wird, ist höchst ungewiss. Quelle: Fotos: Christian Wese, dpa
St. Jürgen

Die Segelflieger können den Airport auch nach dem 31. März nutzen — so wie jeder andere auch. Das versichert die Flughafen-Geschäftsführung nach einem Gespräch mit den Fraktionen des Rathauses. „Wir sind eine öffentliche Infrastruktur, die auch den Mitgliedern des Aero Clubs offensteht“, erklärt Airport-Chef Markus Matthießen auf Anfrage.

Was wie die überfällige Lösung eines seit Monaten schwelenden Konflikts klingt, birgt für den Aero Club aus dessen Sicht allerdings unzumutbare Härten. Denn die Vereinsmitglieder sollen sich künftig bei jedem Betreten des Flughafens den Sicherheitsauflagen der Landesbehörden beugen. Auch die Möglichkeit, den Airport außerhalb der Öffnungszeiten von 8 bis 22 Uhr zu betreten, fällt weg. Für die Benutzung der Start- und Landebahn werden die üblichen Entgelte fällig. Bislang bezahlt der Aero Club eine Pauschale. Schließlich besteht die Flughafen-Geschäftsführung darauf, dass der Aero Club sein Gelände im Süden des Airports räumt. Diese Flächen und Hallen braucht der Betreiber PuRen für seine eigene Flugschule sowie für Servicebetriebe.

„Wir bangen weiter, wo wir ab dem 1. April mit unseren Flugzeugen, der Werkstatt, dem Ausbildungsraum und dem Clubheim bleiben werden“, sagt Florian Mösch, zweiter Vorsitzender des Clubs. Auf dem Airport gebe es keine anderen Hallen und Werkstätten, die der Verein mieten könnte. Der Flughafen habe bisher nichts angeboten. „Außerdem haben wir unsere Hallen ehrenamtlich selbst aufgebaut“, erklärt Mösch, „aber nicht, damit PuRen die jetzt übernimmt und kommerziell nutzt.“ Dass die Vereinsmitglieder ihr abgegrenztes Areal nicht mehr frei betreten können, sei eine „grobe Änderung“, beklagt der zweite Vorsitzende. „Wir wollen uns nicht bei jedem Betreten vom Sicherheitspersonal filzen lassen.“

Die Segelflieger ein ganz normaler Kunde — das verfängt bei den Politikern nicht. „Laut Pachtvertrag zwischen PuRen und Hansestadt ist der Segelflug etwas Besonderes, das angemessen berücksichtigt werden muss“, sagt Ragnar Lüttke (Linke), „eine Behandlung der Segelflieger wie normale Nutzer deckt sich nicht mit dem Vertrag.“ Fliegen zu können allein reiche nicht, erklärt Thorsten Fürter (Grüne), „der Verein braucht auch Gebäude für seine Flugzeuge und sein Material.“

Die Vereinsmitglieder „können ihre Flugzeuge ja nicht unter den Arm nehmen und damit nach Hause gehen“, sagt Peter Reinhardt. Der SPD-Politiker fordert eine klare Aussage der Verwaltung, ob die Interessen des Aero Clubs durch den Pachtvertrag gesichert sind oder nicht. Die Politiker hätten sich darauf verlassen, dass der Segelflugsport gesichert sei, als sie die Hände für den Einstieg von PuRen hoben, sagt Reinhardt. Der Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft hat nach Angaben der BfL dafür gestimmt, dass die Stadt ein Rechtsgutachten in Auftrag gibt.

Der Aero Club hat bereits ein Gutachten eingeholt — von einem Berliner Experten, der die Rechte und Pflichten beider Seiten aus dem Pachtvertrag und dem Planfeststellungsbeschluss überprüfte. Fazit, so der 2. Vorsitzende Mösch: „Laut Planfeststellungsbeschluss ist der Segelflug Teil des Flughafens.“ Die von PuRen angekündigte Flugschule sei dagegen kein Bestandteil des Planfeststellungsbeschlusses.

Der Flughafen wehrt sich unterdessen gegen öffentliche Darstellungen, er habe dem Aero Club gekündigt. Der Pachtvertrag des Clubs sei bereits vor Übernahme durch PuRen ausgelaufen. PuRen habe die Nutzungsvereinbarung dann bis Jahresende 2014 verlängert und eine neue Vereinbarung bis 31. März 2015 abgeschlossen. Eine weitere Verlängerung werde es nicht geben. In noch unbestimmter Zukunft werde die Antenne des Instrumentenlandesystems ILS-CAT II nach Süden verlegt. Dann, und erst dann, sei endgültig Feierabend mit dem Segelflug auf dem Airport.

Kai Dordowsky