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Flughafen Blankensee Zahl der Fluggäste sinkt weiter: Was wird aus Blankensee?
Thema F Flughafen Blankensee Zahl der Fluggäste sinkt weiter: Was wird aus Blankensee?
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15:10 24.06.2015
Quelle: Markus Scholz/dpa
Lübeck

Mit großen Vorschusslorbeeren und einem Strauß an Versprechungen ist ein chinesischer Investor vor knapp einem Jahr auf dem Lübecker Flughafen angetreten. Doch der Airport befindet sich weiter im Sinkflug. In Lübeck gestartet und gelandet sind im vergangenen Jahr gerade noch 169 000 Passagiere. Das sind etwa halb so viele wie 2013. Der Flughafen Sylt-Westerland fertigte zuletzt eine beinahe genauso große Zahl an Fluggästen ab. Das teilte das Statistikamt Nord gestern mit.

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Zwar schlagen sich die Zahlen für die neuen Flugziele Skopje (ab Juli) und Riga (seit April) in der Vorjahresstatistik nicht nieder. Zugleich aber sind die Flüge des Billigfliegers Ryanair noch berücksichtigt. Die Iren hatten Lübeck im Sommer verlassen. Die ungarische Linie Wizz Air ist inzwischen die einzige Fluggesellschaft, die vom Lübecker Airport abhebt. „Wir sind natürlich nicht glücklich über die Entwicklung“, sagt Airport-Sprecherin Jana Bahrenhop. Durch den Weggang von Ryanair seien diese Zahlen aber erwartet worden. Man freue sich jetzt über neue Linienverbindungen. Das verspreche „eine baldige Trend umkehr“.

Kommentar zum Thema: Eine windige Sache?

„Die Airlines brauchen Lübeck offensichtlich nicht“, urteilt der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. „Lübeck muss deshalb einen neuen Weg finden.“ Im Schatten von Fuhlsbüttel (15 Millionen Passagiere) zu überleben, sei nicht einfach, aber möglich. Schellenberg sieht vor allem Potenzial für Städtereisen in Europa, gerade solche, die nicht von Hamburg aus angeboten werden. „Da ist noch Luft nach oben.“ Dafür brauche der Airport Lübeck aber populäre Reiseziele in Süd- und Westeuropa.
31 900 Menschen reisten im vergangenen Jahr von Lübeck nach Polen, 19 100 nach Italien, 14 800 in die Ukraine und 12 900 nach Spanien. Die übrigen Passagiere entfielen auf Ziele in Portugal (3500), Schweden (460), der Türkei (120) und im Inland (1200).

Das Aufkommen abfliegender Passagiere auf Schleswig-Holsteins größtem Flughafen machte in der Summe 84 000 Menschen aus. Sylt (76 600) ist Lübeck dicht auf den Fersen. Sorge um die 90 Arbeitsplätze besteht in der Belegschaft nicht. „Die Jobs sind unserer Einschätzung nach ungefährdet“, sagt Betriebsrat Christian Kagel. Eine Job-Garantie hätten die Chinesen im August 2014 jedoch nicht abgegeben, berichtet der damalige Insolvenzverwalter des Flughafens, Klaus Pannen.

Fest steht: Aus den Plänen von PuRen, in Lübeck eine Flugschule für Chinesen aufzubauen, ist bislang nichts geworden. Nach Recherchen von „Panorama“ und „Zeit“ liegen beim Luftfahrtbundesamt keine Anträge auf Ausbildungslizenzen vor. Auch sollten zahlungskräftige Chinesen zur medizinischen Behandlung nach Lübeck geflogen werden. Offenbar hat es darüber aber nie Gespräche zwischen dem Investor Chen Yongqiang und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gegeben.

Dem Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) ist angesichts der Zahlen wichtig, dass PuRen nun schnell ein schlüssiges Konzept für den Flughafen an den Start bringe. Unterdessen steht eine Entscheidung des OVG Schleswig zum Ausbau des Flughafens weiterhin aus. Das Verkehrsministerium rechnet mit einem Termin für die mündliche Verhandlung vermutlich erst im Winter.

Curd Tönnemann