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News TV-Hochzeit mit einem Fremden: Wir wagen es
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11:20 06.12.2015
Glückliche Gesichter nach der Trauung: Michelle Blischke hat Kalman Weiß aus Stade geheiratet — die Kameras waren immer mit dabei.
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Ratekau

Michelle Blischke trägt ein wunderschönes weißes Spitzenkleid. Ihre blonden Haare sind aufwendig hochgesteckt. Im Standesamt wird sie gleich ihren Ehemann treffen — zum ersten Mal. Die 26-Jährige hat ihren Zukünftigen noch nie gesehen, noch nicht einmal auf einem Foto. Sie kennt weder seinen Namen noch sein Alter oder seinen Beruf. „Ich wusste nur, dass er 60 Kilometer von mir entfernt wohnt“, erzählt Blischke hinterher lachend. Trotzdem wird die Norderstedterin ihm das Jawort geben. Die Kinderkrankenschwester nimmt an dem Fernseh-Experiment „Hochzeit auf den ersten Blick“ teil.

Vier Experten suchen in der Sendung das perfekte Paar. Acht Singles, darunter David Schünemann aus Ratekau, vertrauen darauf, dass aus Wissenschaft Liebe werden kann. Grundlage dafür sind verschiedene Untersuchungen und Tests. 4500 Kandidaten bewarben sich. Das TV-Format „Hochzeit auf den ersten Blick“, das sonntags um 17.45 Uhr auf Sat.1 läuft, begleitet die Paare auf ihrem Weg von Fremden zu Ehepartnern. Nach sechs Wochen werden sie vor die Entscheidung gestellt: zusammenbleiben oder scheiden lassen?

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„Ich habe lange gesucht und hatte keinen Erfolg“, sagt Blischke. „Ich hatte die erste Staffel gesehen, in der Bea und Tim das Paradepaar waren und dachte, das probiere ich aus.“ Der Ratekauer Schünemann konnte nachts nicht schlafen und sah im Fernsehen den Aufruf für die Sendung. „Ich kannte ein bisschen von der ersten Staffel und dachte, ich melde mich einfach mal an“, erzählt der 34-Jährige. „Ich hatte nichts zu verlieren.“ Aus der spontanen Idee wird Ernst. Die Experten finden tatsächlich die perfekte Ehefrau für den Ostholsteiner, der einmal geschieden ist. Während die Hochzeit von Michelle und Kalman bereits in der ersten Folge zu sehen war, wird die Trauung von David und seiner Frau Vanessa am heutigen Sonntag im Fernsehen gezeigt.

„Vor der Hochzeit war ich eigentlich ganz entspannt“, sagt Schünemann. Natürlich hatte er Angst, dass seine Frau Nein sagt. Denn die Kandidaten müssen nicht heiraten, es ist ihre Entscheidung, ob sie diesen Schritt wagen. „Als die Musik erklang, rutschte mir das Herz in die Hose“, gesteht der 34-Jährige. Beim Anblick seiner Zukünftigen ist die Aufregung wie weggeblasen. „Ich war begeistert“, sagt Schünemann. „Ich habe nur gedacht, dass ich eine super Frau habe.“ Auch Michelle Blischke ist von ihrem Zukünftigen sofort angetan. „Ich hatte gleich ein gutes Gefühl“, sagt die 26-Jährige. „Als ich ihn gesehen habe, war es um mich geschehen.“ Vor allem sein Lächeln habe sie fasziniert.

Von der Rede der Standesbeamtin bekommt sie nichts mit, so überwältigt ist die Norderstedterin von der Situation. „Ich weiß nur noch, dass sie sagte, dass wir beide Katzen haben.“ Und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. Beide arbeiten in einem medizinischem Beruf, ihr Mann ist Rettungsassistent. Obwohl ihr der 29-Jährige völlig fremd ist, verspürt die Kinderkrankenschwester gleich eine Verbundenheit. „Da war eine große Zuneigung.“ Einen Hochzeitskuss gibt es allerdings nicht. „Der erste Kuss passierte erst zwei Tage nach der Hochzeit“, sagt sie. Abseits der Kameras. Die Zuschauer sehen den ersten Kuss während der Flitterwochen in Schottland.

Ob David Schünemann seine Braut auf dem Standesamt küssen wird, verrät er nicht. Das sollen die Zuschauer heute Abend im Fernsehen erfahren.

„Die Kameras vergisst man mit der Zeit“, sagt er. Die Sendung ist bereits abgedreht. Ob die vier Paare zusammenbleiben, steht also schon fest. Wie es bei ihnen ausgeht, verraten Blischke und Schünemann nicht. Viele Menschen würden die beiden für verrückt erklären, dass sie dieses Experiment gewagt haben. Doch sie bereuen es nicht. „Das war eine super Erfahrung, die sehr viel Spaß gemacht hat“, sagt Schünemann.

Auch Blischke ist zufrieden. „Ich habe den Mut aufgebracht und wurde bei der Hochzeit mit einem tollen Mann belohnt.“ Schon vor der Trauung hatte die 26-Jährige überlegt, das Eheversprechen in ein, zwei Jahren zu erneuern. „Das bekräftigt noch einmal, dass es die richtige Entscheidung war, zu einem Unbekannten Ja zu sagen.“

„Ich habe lange gesucht ohne Erfolg und dachte, ich probiere das.“
Michelle Blischke

Julia Konerding