Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Innenstadt Not-OP für Klüverbaum der „Lisa“
Thema I Innenstadt Not-OP für Klüverbaum der „Lisa“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:43 24.06.2015
Alles muss glatt sein: Zimmermann Eric Janssen misst nach, ob Salma Virág Pethö-Zayed beim Hobeln alles richtig gemacht hat. Die Mitarbeiter der Jugendbauhütte Lübeck arbeiten in der Denkmalpflege — und dazu gehört auch der Nachbau des Hanseschiffes. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Anzeige
Innenstadt

Es ging alles schneller und besser als erwartet: Seit Montag fliegen schon die Holzspäne in der Hanseschiff-Werft auf der Nördlichen Wallhalbinsel. Nach der Kollision der „Lisa von Lübeck“ mit der Frachtfähre „Transpaper“ am 12. Juni (die LN berichteten), hatte Kapitän Dieter Baars befürchtet, erst wieder eine geeignete, abgelagerte, zehn Meter lange Douglasie für einen neuen Klüverbaum (oder Bugspriet, da streiten sich die Gelehrten) auftreiben zu müssen. So geschehen vor gerade einmal zwei Jahren, als vor der niederländischen Insel Texel die vor Anker liegende Kraweel vom russischen Großsegler „Sedov“ gerammt wurde und bei der Kollision der Klüverbaum zerbarst.

Jetzt knickte der Ausleger aus stattlicher Douglasie auch ab wie ein Streichholz, schlug um und krachte auf den Glockenstuhl auf dem Vorderkastell der Kraweel. Doch laut Kapitän Baars hatte der Baum so etwas wie eine „Sollbruchstelle“. Bootsbaumeister Heino Schmarje, dessen „Kind“ die „Lisa“ ist, drückt es anders aus, meint aber dasselbe: „Der Schaden ist klein geblieben, der Klüverbaum kann repariert werden.“ Vom Sägewerk Möller in Selmsdorf habe man nun für die Reparatur eine einigermaßen trockene Douglasie bekommen.

Anzeige

Montag Vormittag machte sich ein halbes Dutzend Besatzungsmitglieder des Hanseschiffs ans Lösen des geborstenen Klüverbaums, der insgesamt knapp eine Tonne wiegt. Ein Kran, der ursprünglich erst um 14 Uhr kommen sollte, kam schon deutlich früher und hob das zerstörte Teil aus dem Schiffsrumpf. Die abgebrochene Spitze, erklärt „Bestmann“ (eine Art Vorarbeiter an Bord) Wolfgang Pose, werde zu Feuerholz gemacht.

Unter Anleitung von Zimmermann Eric Janssen und natürlich Heino Schmarje machten sich Phillip Adam (21), Salma Virág Pethö-Zayed (19) und Jaroslav Lobunets (20) von der Jugendbauhütte sogleich ans Werk. „Wir sind jeden Dienstag hier“, erzählt Phillip Adam, „aber nicht immer erledigen wir nur Schiffsbauarbeiten, sondern machen auch andere Arbeiten.“

Erst wurde vermessen, dann aufgezeichnet, gesägt und gehobelt: Keilförmig sollen die Ersatzteile mit dem alten Klüverbaum verbunden werden. Eric Janssen vermisst die Nahtstellen, und während Salma Virág mit dem Handhobel den Feinschliff besorgt und die rötlichen Douglasien-Späne nur so fliegen, weist er sie immer wieder auf eventuelle Unebenheiten hin. Wenn alle Teile aneinander passen, schön schier und glatt sind, werden sie mittels Epoxidharz miteinander verklebt. Den gab es natürlich zu Zeiten der Hanse noch nicht, aber Tricksen muss in solch einem Fall erlaubt sein.

Die Kosten für den Schaden am Schiff und an der „Transpaper“ übernimmt die Versicherung der Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt Lübeck.

Fahrtüchtig ist das Lübecker Hanseschiff auch ohne Klüverbaum/Bugspriet, also muss keine der geplanten Touren ausfallen. „Zur Travemünder Woche“, ist Schmarje überzeugt, „wird alles wieder hübsch sein.“

Bewegliches Rundholz
Der Klüverbaum ist ein bewegliches Rundholz, das über das Vorschiff hinausragt und der Befestigung von bis zu fünf Vorsegeln dient. Ein Bugspriet ist eine mit dem Rumpf verbundene, über den Vorsteven hinausragende Spiere, die das Vorstag zum Abstützen des Fockmastes trägt. Die „Lisa“ hat gar keinen Klüver, sondern nur drei Segel mit jeweils einem Mast: das hintere Besansegel-, das Großsegel und die Fock. Insofern ist das defekte Teil eine Mischung aus Klüverbaum und Bugspriet.

Unsere Videos zur Lisa von Lübeck:

Sabine Risch