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Einmarsch der Briten Der „Tommy“ kam beim Butterholen
Thema K Großer Rückblick: Der Zweite Weltkrieg im Norden Einmarsch der Briten Der „Tommy“ kam beim Butterholen
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15:57 07.05.2015
Das Foto auf Jürgen Schütts Pass wurde 1946 aufgenommen.
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Und der Tommy kam. „Aus Richtung Bahnhof rollten auf einmal die Panzer an, das war so um 14<TH>Uhr“, erinnert sich Schütt. Um die Panzer herum sah er Soldaten, das Gewehr im Anschlag. „Aber wir haben uns von der Butter nicht vertreiben lassen. Das war ein bisschen makaber.“ Die Briten haben ihnen nichts getan. Sie durchsuchten Straßen und Häuser nach deutschen Soldaten.

Am späten Nachmittag hat Jürgen Schütt dann endlich seinen Klumpen Butter bekommen und lief damit nach Hause in die Schützenstraße. Aus seinem Fenster konnte er über die Meierbrücke auf das Gefangenenlager in der Wisbystraße schauen. Und er sah, wie Hunderte Gefangene – gerade von den Briten befreit – aus dem Lager hinaus über die Meierbrücke liefen. „Das war ein schreckliches Gefühl. Ich hatte wirklich Angst. Wir wussten ja nicht, wie die sich verhalten.“ Doch kurz hinter der Brücke gingen die meisten Kriegsgefangenen eine kleine Treppe links hinunter, die zum Güterbahnhof führte. „Dort wurde schon den ganzen Tag geplündert. Den einen sah ich, wie er mit einem ganzen Käselaib auf den Schultern an unserem Haus vorbeilief.“

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Noch vor dem 8. Mai hat Jürgen Schütt auch noch vereinzelte Fliegerangriffe von deutschen Tieffliegern mitbekommen. „Einmal flog einer so tief, dass es mich richtig umgerissen hat“, sagt Schütt. Nach Kriegsende hat er dann in der Tischlerei seines Vaters gearbeitet. „Wir haben Schlafpritschen für Flüchtlinge gebaut, unter Aufsicht der ’Tommys’.“ Die Engländer hätten sich immer nobel verhalten und ihm oftmals einen Bonbon geschenkt.

han