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Einmarsch der Briten „Die deutschen Soldaten haben mir leidgetan“
Thema K Großer Rückblick: Der Zweite Weltkrieg im Norden Einmarsch der Briten „Die deutschen Soldaten haben mir leidgetan“
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17:18 09.05.2015

Am 1. Mai 1945 kam John Turner mit dem 28. Bataillon der Royal Navy nach Lübeck. „Ich weiß noch, dass wir Lübeck besetzen sollten, bevor die Rote Armee es tut“, schrieb Turner 2006 an das Kieler Stadtarchiv. Von Montgomerys Fraternisierungsverbot hatte Turner zu diesem Zeitpunkt noch nichts gehört, aber der damals 19-Jährige hatte sowieso kaum etwas mit der deutschen Zivilbevölkerung, sondern ausschließlich mit deutschen Soldaten zu tun. Sein Einsatzgebiet war außerdem auf Häfen begrenzt. In Lübeck ist er nicht lange geblieben, seine Einsatztruppe wurde schnell nach Kiel verlegt. Sie sollten nach Mitgliedern der Waffen-SS suchen, die sich dort versteckt haben sollten.

Widerstand von deutschen Landsern hat Turner kaum erlebt. „Der Widerstand war sehr dürftig. Wir sind nur auf ein paar Scharfschützen gestoßen, meist junge Mitglieder der Hitlerjugend.“ Deutschland blieb für Turner nach sechs langen Jahren des Krieges zwar immer noch der Feind. „Aber die Tausenden von heruntergekommenen und absolut erschöpften deutschen Soldaten haben mir leidgetan, auch wenn ich erst 19 Jahre alt war. Nur ein paar U-Boot-Führer haben mir nicht leidgetan, die waren arrogant.“

Seine Gefühle zu Deutschland beschrieb Turner 2006 so, dass Europa so viele Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg ein anderer Ort sei. Seine Heimatstadt habe einige Partnerschaften mit deutschen Städten, es bestehe ein starker Freundschaftsbund. Auf die Frage, ob der Zweite Weltkrieg sein Leben beeinflusst habe, sagte er: „Nur in dem Sinne, dass mir meine Jugend geklaut wurde.“