Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Einmarsch der Briten „Mr. Parker hat Kuchen mitgebracht“
Thema K Großer Rückblick: Der Zweite Weltkrieg im Norden Einmarsch der Briten „Mr. Parker hat Kuchen mitgebracht“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:14 09.05.2015
Karin Springer hat viele gute Erinnerungen an die britischen Besatzungssoldaten in der Nachkriegszeit. Quelle: Lintschnig

Karin Springer war zehn Jahre alt, als der Krieg zu Ende ging. Sie wohnte in der Schlözerstraße in Lübeck, konnte vor dort über den Wesloer Forst blicken. „Zum Ende des Krieges liefen Tausende von Flüchtlingen an meinem Haus vorbei. Die kamen alle aus dem Osten“, sagt Springer. „Und über dem Wesloer Forst gingen die britischen Tiefflieger immer runter und wieder rauf und runter und wieder rauf“, sagt Springer und macht mit ihren Armen weitausholende Wellenbewegungen. „Die Engländer haben die Flüchtlings-Trecks beschossen, weil Soldaten dabei waren. Das fand ich schrecklich.“ Das müsse kurz vor Schlutup gewesen sein. Es ist eine der wenigen schlechten Erinnerungen, die Karin Springer an den Krieg und an britische Soldaten hat.

Als der Krieg dann zu Ende war und die englischen Soldaten Lübeck besetzten, hatte sie nur freundliche Begegnungen mit den englischen Soldaten. Zum Beispiel mit Mr. Parker, einem britischen Besatzungssoldaten, mit dem sich ihr Vater angefreundet hatte. „Mr. Parker hat manchmal von seinem Heimaturlaub einen Kuchen für uns mitgebracht. Das war immer etwas Besonderes“, sagt Springer. Zwar habe ihre Mutter auch versucht, zumindest zu ihrem Geburtstag Kuchen zu backen, doch der sei nicht immer lecker gewesen. „Wir hatten kein Fett. Meine Mutter backte deshalb mit Lebertran. Das konnte man essen, solange es heiß war. Aber kalt schmeckte das grässlich.“ Ganz anders der Kuchen von Mr. Parker. „Ein richtig schön heller Kuchen war das, mit Rosinen drin. So richtig fluffig und locker. Wir hatten ja nur das harte, schwarze Roggenmehl.“

Springer weiß auch noch, wie die britischen Besatzer die ersten Sportfeste auf dem Phönixplatz organisierten. „Das war alles umzäunt und mit Planen abgedeckt“, sagt Springer. „Aber wir waren immer da und haben geluschert.“ Schließlich war es für die junge Karin Springer ein Riesen-Event. Und manchmal hat ein britischer Soldat ihr ein Weißbrot mit Käse gegeben oder ein Stück Schokolade. „Das habe ich dann immer schnell nach Hause gebracht und mit meinem Bruder geteilt. Er war doch noch so klein.“ Die Jungs am Zaun seien immer ziemlich aufsässig und frech gewesen. „Deswegen haben wir Mädchen öfter etwas bekommen.“