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Erinnerungen deutscher Soldaten „Gewusst haben es alle“
Thema K Großer Rückblick: Der Zweite Weltkrieg im Norden Erinnerungen deutscher Soldaten „Gewusst haben es alle“
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20:11 23.04.2018
Der Historiker Hannes Heer.
Der Historiker Hannes Heer. Quelle: hfr
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Die „Leibstandarte SS Adolf Hitler“ sei berüchtigt gewesen. „Ihre Parole an der Front war: Gefangene werden nicht gemacht. Das hat sie in Polen, in Frankreich, in der Sowjetunion und zuletzt bei der Ardennenoffensive 1944/45 bewiesen. Und Juden hat sie bei ihren mehrmaligen Einsätzen in der Sowjetunion gejagt und ermordet, wann immer sich Gelegenheit bot.“ Im Nürnberger Prozess wurde sie wie alle anderen Teile der SS als „verbrecherische Organisation“ verurteilt. Dass man, wie Heino Hesse sagt, in Hitlers Leibstandarte 1944 in Köln „herumgegammelt“ habe und ein „unorganisierter Haufen“ gewesen sei, kann der Historiker nicht glauben. „Das war bis zum Schluss eine durchorganisierte und höchsteffektive Kampfmaschine, eine Art ,Feuerwehr’.“

Bei den zahlreichen Befragungen von Zeitzeugen – besonders von SS-Soldaten – ist Heer ein Muster aufgefallen. „Es gibt drei typische Ausreden, die man immer wieder hört.“ Zum einen sei es die Abberufung zu Lehrgängen, zum anderen Krankheit oder Verwundung und somit der Aufenthalt in einem Lazarett, weswegen man nichts von eventuellen Kriegsverbrechen mitbekommen habe. Die dritte Ausrede sei schlicht und einfach, man habe von nichts gewusst.