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Tod in der Ostsee Flucht aus Ost- und Westpreußen über die Ostsee
Thema K Großer Rückblick: Der Zweite Weltkrieg im Norden Tod in der Ostsee Flucht aus Ost- und Westpreußen über die Ostsee
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11:37 10.05.2015
Die „Wilhelm Gustloff“ war zunächst als Kreuzfahrtschiff der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ unterwegs, im Krieg u.a. Lazarettschiff. Quelle: dpa
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Als sich die Rote Armee in den letzten Kriegsmonaten Deutschland näherte, brach in Ost- und Westpreußen die Flüchtlingswelle los. Zunächst über den Landweg, später über die Ostsee. Mit einer Vielzahl von Schiffen wurde versucht, den Flüchtlingsstrom nach Westen zu leiten: Anfang 1945 leitete die deutsche Kriegsmarine das „Unternehmen Hannibal“ ein, eine Evakuierungsaktion, mit der Soldaten und Zivilisten gerettet werden sollten. In Ost- und Westpreußen waren rund fünf Millionen Deutsche auf der Flucht. Natürlich diente das „Unternehmen Hannibal“ vorrangig militärischen Zwecken: Man holte Soldaten, Verwundete und Kriegsgerät zurück, aber auch Zivilisten. Als Ostpreußen von sowjetischen Truppen eingeschlossen worden war, gab es keinen anderen Fluchtweg mehr.

Die Menschen mussten übers Wasser, wenn sie der Ostfront entfliehen wollten. Zu der mobilisierten Flotte gehörten auch umfunktionierte Kreuzfahrtschiffe, wie die „Steuben“, die „Wilhelm Gustloff“ oder der Frachter „Goya“. Die drei Schiffe wurden 1945 versenkt – eines der größten menschlichen Dramen zu Kriegsende. Die „Steuben“ und „Goya“ rissen Tausende in den Tod, mit 9000 Toten wurde der Untergang der „Wilhelm Gustloff“ die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten. Die „Gustloff“, 1937 als Kreuzfahrtschiff für die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ gebaut, war seit 1939 Lazarett- und Wohnschiff, also mit militärischer Nutzung. Ende Januar 1945 lag das Schiff in Gotenhafen (heute Gdynia, Polen). Eigentlich hatte es nur für rund 2000 Passagiere und Besatzung Platz. In dieser Situation drängten Tausende Flüchtlinge an Bord. Die Kapazitätsgrenze wurde weit überschritten. Geschätzt waren 10<TH>300 Menschen an Bord, davon 8800 Zivilisten.

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Am Nachmittag des 30. Januar 1945 legte die „Gustloff“ ab, am Abend wurde das Schiff vom sowjetischen U-Boot S-13 beschossen. Drei Torpedos trafen ihr Ziel. Die „Gustloff“ sank gegen 22.15 Uhr, auf dem Wasser spielte sich ein menschliches Drama ab. Während die Opferzahlen schwankten, steht die Zahl der Überlebenden fest: 1252.

Thorsten Czarkowski