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Ostholstein 170 000 Stimmzettel für den Kreis wiegen 850 Kilogramm
Thema K Kommunalwahl 2013 Ostholstein 170 000 Stimmzettel für den Kreis wiegen 850 Kilogramm
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15:23 07.05.2013
Von Ulrike Benthien
Schleppen und sortieren: Der stellvertretende Kreiswahlleiter Peter Scholz (r.) und der Auszubildende Tim Sverre Quandt überprüfen im Kreishaus 180 Kartons mit Stimmzetteln für die 25 Wahlkreise. Quelle: ulrike benthien
Eutin

Die Kommunalwahl 2013 ist zunächst mal eines: eine Papierschlacht. Über 850 Kilo wiegen allein die 170 000 Stimmzettel, die vergangene Woche im Kreishaus von der Druckerei Bogs angeliefert wurden — und die nur für die Wahl der neuen Kreistagsmitglieder vorgesehen sind. Die Städte und Gemeinden im Kreisgebiet geben für die Wahl ihrer Vertretungen weitere eigene Stimmzettel aus.

Kreiswahlleiter ist in Ostholstein Landrat Reinhard Sager (CDU), der für die Kommunalwahl als seinen Stellvertreter Peter Scholz, Leiter des Fachdienstes Kommunalaufsicht, benannt hat. „Eine spannende Aufgabe“, findet dieser und schildert den Ablauf der Vorbereitungen, die schon vor Monaten angelaufen und in einem detaillierten Zeitplan festgehalten sind.

Bereits im Juli 2012 ist die Zusammensetzung des Kreiswahlausschusses für die Wahl der Gemeinde- und Kreisvertretungen am 26. Mai bekanntgegeben worden (Sager, Scholz sowie acht Beisitzer und Stellvertreter — sie werden von den Parteien vorgeschlagen und vom Kreistag/Hauptausschuss gewählt). Der Wahlausschuss tagt drei Mal: um die Wahlkreise einzuteilen, um die Bewerber nach rechtlicher Prüfung zuzulassen und um das Wahlergebnis festzustellen. „Eventuell muss er sich auch mit eingehenden Beschwerden befassen, aber dieses Mal gab es keine“, sagt Scholz.

Im August hat der Wahlausschuss die 25 Wahlkreise in Ostholstein bekanntgegeben und zu Vorschlägen aufgerufen: „In jedem Wahlkreis wird eine unmittelbare Vertreterin oder ein unmittelbarer Vertreter, im Wahlgebiet werden 24 Listenvertreterinnen und Listenvertreter gewählt.“ Wie die Wahlvorschläge samt Anlagen ausgefüllt werden müssen — auch hier wieder Papier ohne Ende — ist exakt festgelegt. „Das Wahlrecht ist formstreng“, führt Scholz aus. Am 8. April endete die Abgabefrist für Vorschläge. „Punkt 18 Uhr. So lange sind wir auch hier im Büro präsent, und wir kontrollieren dann auch nochmal den Briefkasten — falls jemand auf den letzten Drücker Unterlagen abgibt. Aber in der Regel sind alle rechtzeitig dran, dann lässt es sich auch noch korrigieren, wenn doch mal eine Bescheinigung oder ein Stempel fehlt“, ergänzt Scholz‘ Stellvertreterin Sigrid Rathert.

Am 12. April haben der Kreiswahlausschuss und die Gemeindewahlausschüsse über die Zulassung der Wahlvorschläge entschieden, am 22. sind die Kandidaten via Internet und Zeitung bekanntgemacht worden. Parallel lief der Druck der Stimmzettel. In 180 Kartons wurden 850 Kilo rosafarbene Bögen für die Kreiswahl von Mitarbeitern der Eutiner Druckerei Bogs angeliefert.

Peter Scholz und Tim Sverre Quandt, Auszubildender zum Verwaltungsfachangestellten, schichteten sie nach Wahlkreisen auf, immer den Merksatz „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“ im Hinterkopf. Ab Anfang der Woche sind die Kartons von den Kommunen abgeholt und in den Rathäusern im Kreisgebiet gelagert worden.

„Auch das Briefwahlverfahren ist angelaufen“, erläutert Scholz. Am 21. April, 35 Tage vor der Wahl, war Stichtag für die Aufstellung der Wählerverzeichnisse, ab 2. Mai muss in den Gemeinden bekanntgegeben werden, wo sie bereitgehalten werden. Bis 5. Mai sollen alle Wahlberechtigten Bescheid bekommen, dass sie im Wählerverzeichnis eingetragen sind. Auch die Wahlvorstände (ein Wahlleiter, zwei Stellvertreter, vier bis sieben Beisitzer), die am 26. Mai in den Wahllokalen Dienst schieben werden, sind zu berufen. Während es jetzt in den Kommunen brummt, kann beim Kreis kurz durchgeatmet werden.

Der Wahltag wird den Verwaltungsmitarbeitern im Kreishaus eine Premiere bescheren: „Mit einer ,neuen‘ Software haben wir schon eine Europa-, eine Bundestagswahl und zwei Landtagswahlen bewältigt, aber noch keine Kommunalwahl, die einen deutlich größeren Umfang bedeutet“, sagt Peter Scholz. Da heißt es auf Nummer Sicher gehen, falls das Rechenprogramm abstürzen sollte — was Scholz sich lieber nicht vorstellen möchte. Ungern erinnert er sich an einen Stromausfall bei einer Wahl: „Da brannte hier die Luft.“ Der Verwaltungsbeamte weiß ein gutes, eingespieltes Team um sich. Rund 20 Mitarbeiter, IT- und Presseabteilung eingeschlossen, werden am 26. Mai im Einsatz sein.

„Leicht angespannt“ gehe sie in einen solchen Tag, gibt Sigrid Rathert zu. Auch von den Gemeinden, die ihre Ergebnisse ins Kreishaus melden, wünscht sie sich „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“. „Ein internes Rennen, wer als Erster fertig ist, brauchen wir nicht. Nach einem Fehler alles wieder aufzudröseln, dauert viel länger.“

Bis spätestens 31. Mai hat der Wahlausschuss das offizielle amtliche Ergebnis für die Kreiswahl 2013 festzustellen. „Dann tanzt hier noch mal der Bär“, sagt Peter Scholz. Im Übrigen gilt im Kreishaus leicht abgewandelt die Fußballweisheit „nach der Wahl ist vor der Wahl“. Die Vorbereitungen für die Bundestagswahl am 22. September sind bereits angelaufen.

• Alles Wichtige zur Kommunalwahl lesen Sie auf unserer Sonderseite LN-online.de/Kommunalwahl.


Kommunalwahl 2013
Im Kreistag sind 49 Sitze zu vergeben
49 Sitze sind im neuen Kreistag zu vergeben. Wer seinen Wahlkreis gewinnt, zieht direkt ein. 24 Plätze werden über die Liste besetzt.
48,8 Prozent betrug 2008 die Wahlbeteiligung auf Kreisebene.
25 Wahlkreise gibt es im Kreis Ostholstein von Fehmarn bis Bad Schwartau.
151Bewerber treten als Direktkandidaten an, 144 sind Listenkandidaten der sechs Parteien CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linken, Freie Wähler.
6 Städte, elf amtsfreie Gemeinden sowie drei Ämter mit zusammen 19 amtsangehörigen Gemeinden bekommen am 26. Mai neu zusammengesetzte Stadt- und Gemeindevertretungen.

Ulrike Benthien