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Kücknitz „Mein Forsthaus Waldhusen“ ist eröffnet
Thema K Kücknitz „Mein Forsthaus Waldhusen“ ist eröffnet
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20:10 04.07.2015
Stoßen auf eine gute Forsthaus-Kooperation an: Dennis Gehl (l.) und Jörg Kordes. Quelle: Fotos: Christian Wese (2), Olaf Malzahn
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Kücknitz — Manchmal fügen sich Dinge einfach irgendwie. Noch Anfang März, nachdem die Kooperation von Forsthaus-Eigentümer Jörg Kordes (52) und Pächter Michael Buchinger gescheitert war, lehnte Kordes auf einem LN-Foto mit trübem Blick am Zaun vor dem inzwischen 250 Jahre alten Forsthaus. „Betriebsurlaub im Februar“, stand auf einem Schild am Zaun, obschon es — wie gesagt — bereits März war. Dringend suchte Kordes einen neuen Pächter. So ziemlich „alle Caterer der Welt“ hätten angerufen und angeboten, die bereits gebuchten Veranstaltungen zu betreuen, aber irgendwie fand sich keine wirklich befriedigende Lösung. Also besorgte Kordes sich erst einmal eine Konzession, um irgendwie weitermachen zu können.

Dann rief jemand an, den in Travemünde, aber auch in Lübeck und Umgebung, viele kennen: Dennis Gehl (33), der mit seinem Bruder Patrick, mit Finn Mengler und Jan Ehrich die Travemünder Firma Farce Crew Events stemmt, die unter anderem den „Sailors‘ Beach Club“ während der Travemünder Woche, „Silvester am Meer“ und den „Neujahrsgarten“, aber auch viele Partys und sonstige Veranstaltungen, bespielt. Seit einiger Zeit gibt es zudem Lübeck Catering, eine Kooperation der Farce Crew mit der Travemünder Fleischerei Lohff. Und als Kordes und Gehl erfuhren, dass sie auch noch gemeinsame Freunde haben, setzten sie sich zusammen und erarbeiteten ein Konzept. „Wir treffen Entscheidungen gemeinsam, führen produktive Diskussionen“, erklärt Kordes.

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Als kleinen Test für Dennis Gehl und Team hatte man ihn zunächst ein Konzert im Forsthaus organisieren lassen, dann eine Hochzeit. Die fand am 30. Mai statt, mit kirchlicher Trauung im Wald durch St.

Jakobi-Pastor Lutz Jedeck. Es sei wunderschön gewesen, „und da hat sich bestätigt, dass die Farce Crew extrem zuverlässig ist“, sagt Regina Kordes (51), die ihren Mann tatkräftig unterstützt. So richtig begonnen habe man mit der festen Kooperation nach der Hochzeit, „weil die so gut lief.“

Das „Mein Forsthaus Waldhusen“-Projekt fängt erst einmal klein an: Als Erstes wurde gestern mit Live-Musik von Jay Ma der Biergarten mit stilvollen Teakmöbeln und chilligen Liegestühlen eröffnet. Im Juli und August können Gäste hier jeden Sonnabend ab 15 Uhr und Sonntag ab 11 Uhr in lauschiger Waldatmosphäre eine Auszeit nehmen. An der Außenbar gibt es kalte Getränke, zudem wird Gegrilltes kredenzt. „Aber nicht einfach nur die Grillwurst, sondern Höherwertiges aus der Region“, sagt Dennis. Sonntags gibt es von Regina Kordes selbst gebackenen Kuchen und Kaffeespezialitäten.

Einen regelmäßigen Restaurantbetrieb wird es hingegen zumindest vorerst nicht geben. „Vielleicht nächstes Jahr“, sagt Jörg Kordes, „aber erst einmal wollen wir so starten.“ Hauptstandbein im „Mein Forsthaus Waldhusen“ sind jedoch Veranstaltungen wie Firmenevents, Weihnachts- und Familienfeiern, vor allem Hochzeiten. Das rustikale Forsthaus passe wunderbar, sagt Dennis Gehl, „denn der Trend geht immer mehr dahin, dass Hochzeitspaare nicht in normalen Restaurants oder Hotels feiern möchten, sondern in ganz individuellen Locations.“ Aber auch eigene Veranstaltungen wie ein Weihnachtsmarkt oder ein Oldtimer-Treffen möchte man auf die Beine stellen.

Dass sich die Farce Crew/Lübeck Catering bei all den Aktivitäten, die gerade im Sommer sonst noch so laufen, vielleicht verzetteln könnte, glaubt der Travemünder Dennis Gehl nicht. „Langeweile haben wir zwar nicht, aber wenn man ein gutes Team hat, kann man das gut schaffen.“

Und auch die Geschäftspartner, die ins Obergeschoss des 250 Jahre alten Forsthauses gezogen waren, nachdem sie ihr Altstadthaus verkauft hatten, sind optimistisch: „Ich bin fest davon überzeugt, dass es laufen wird“, sagt Regina Kordes, „bei so einem herzlichen, netten Team!“

Haus mit Historie
1765 wird das Forsthaus Waldhusen errichtet, 1807 erhält es einen Anbau.
2006 geht der letzte Förster, Hans-Rathje Reimers, in den Ruhestand. Das 350 Quadratmeter große Haus auf einem 7500 Quadratmeter großen Grundstück — eine städtische Liegenschaft — soll nach langer Diskussion verkauft werden.
2008 erwirbt Kaufmann Jörg Kordes das alte Forsthaus für 282000 Euro. Auflage: Er muss das Gebäude innerhalb von sieben Jahren sanieren.
2013 ist die umfassende Sanierung beendet. Eigentlich wollte Kordes schon 2010 mit der Sanierung fertig sein, aber: Erst dauerte es, bis die Baugenehmigung da war, dann bot das Haus — wie die meisten Altbauten — diverse Überraschungen.
Noch im selben Jahr verpachtet Kordes an den gelernten Hotelfachmann Michael Buchinger, der nach eigener Aussage 400000 Euro in die Einrichtung investiert und Anfang 2015 finanziell am Ende ist.

Sabine Risch