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Die LN von damals Berliner reißen Mauer ein – die ganze Stadt lacht und weint
Thema M Der Mauerfall am 9. November Die LN von damals Berliner reißen Mauer ein – die ganze Stadt lacht und weint
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14:12 14.03.2018
Die Titelseite der Lübecker Nachrichten vom 11.11.1989.
Die Titelseite der Lübecker Nachrichten vom 11.11.1989. Quelle: kha
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Berlin

An den Grenzübergängen in Berlin spielten sich geradezu dramatische Szenen ab. Die Schlangen der Trabis, Wartburgs und Ladas stauten sich kilometerweit. Tausende Westberliner empfingen die Men-
schen, die auch zu Fuß heranströmten, mit Jubelstürmen. Oft gab es Sekt und Blumen. Menschen fielen sich weinend in die Arme. Erstmals seit dem 13. August 1961 - dem Tag des Mauerbaus - spazierten Westberliner durch das Brandenburger Tor. Auf der Mauer spielte eine Band. Die Polizei sah sich außerstande, die Zahl der Menschen auf den Straßen zu schätzen. Doch die meisten kamen
nur zu Besuch - am Abend fuhren mehr als 90 Prozent zurück. Dabei kam es bis zu.50 Kilometer langen Staus. Von 55 500 DDR-Bürgern, die außerhalb Berlins ins Bundesgebiet einreisten, blieben 3250 im Westen.

DDR-Innenminister Friedrich Dickel versicherte im DDR-Femsehen, die Öffnung der Grenzen sei von Dauer. b so- fort sollten alle Ämter über Rei-seanträge möglichst noch am selben Tag entscheiden - auch über Ausreiseanträge.

Den ganzen Tag über prägten ergreifende Szenen bei den Begegnungen von Deutschen aus Ost und West das Bild. 28 Jahre nach dem Bau der Mauer hat die Öffnung der innerdeutschen Grenze ei-
nen unbeschreiblichen Ansturm von DDR-Besuchern nach West-Berlin und in die Bundesrepublik ausgelöst.
Bei allem Jubel herrschte auch Spannung in Berlin: Hunderte standen an den Sperranlagen und riefen „Die Mauer muß weg“. Viele kletterten auf der Grenzbefestigung herum. Zuvor hatte bereits eine Gruppe Ostberliner einen Sperring am Prenzlauer Berg durchbrochen. In den Abendstunden wurde im Osten das Brandenburger Tor weiträumig abgesperrt. Zu diesem Zeitpunkt saßen direkt davor noch mehr als 2000 Zuschauer auf der Mauer.

Die bundesdeutschen Behörden bemühen sich mit Hochdruck um zusätzliche Notunterkünfte in der ohnehin schon katastrophalen Unterbringungssituation. Kirchen, Organisationen und Hilfswerke wolle
weitere Betten bereitstellen. Auch die Alliierten Streitkräfte, Österreich und Kanada haben ihre Hilfe angeboten. Gleichzeitig flüchteten weiterhin Tausende über die CSSR. In den 24 Stunden bis Freitag früh trafen 7650 Übersiedler in Bayem eirı - fast 4000 weniger als in den Vortagen. Aber auch die Zahl der DDR-Bürger, die über die CSSR gekommen waren und nun in die Heimat zurückkehrten, stieg.  

Ladenschluß heute erst um 18 Uhr

Bürger aus der DDR sollen heute in Ruhe einkaufen können. Die Läden in Lübeck und im Kreis Herzogtum Lauenburg dürfen dank einer Sondergenehmigung aus Kiel bis 18 Uhr offen sein. Welche Geschäfte sich anschließen, ist noch unklar. Heute früh will der Einzelhandelsverband einen Rundruf starten, damit sich möglichst viele anschließen.

 

In Schleswig-Holstein Volksfest an der Grenze

Lübeck. „Hier ist der Bär los“, „Hier ist ein volles Haus“, „Hier herrscht richtige Volksfeststimmung!“ So schilderten gestern Abend Beamte des Bundesgrenzschutzes die Lage an den DDR-Grenzübergangsstellen zu Schleswig-Holstein. ln Lübeck-Schlutup passierten bis Redaktionsschluß mindestens 5000 Personen aus der DDR die innerdeutsche Grenze, um, wie es meist hieß, in Lübeck ein Bier zu trinken. Mehr als 1000 Menschen aus Lübeck, Hamburg und sogar Kiel waren angereist, um den Menschen aus der DDR einen rauschenden Empfang zu bereiten. Noch am späten
Abend stauten sich Trabis, Wartburgs und Ladas kilometerweit.

Weit über 3000 Personen aus der DDR wurden am Übergang Lauenburg von Schaulustigen mit Beifall begrüßt. „Es wurde gejubelt und geklatscht,“ so ein BGS-Mann am Autobahnübergang Gudow. Hier passierten bis 21 Uhr fast 2100 die Grenze von Ost nach West. Selbst der Bahnübergang Büchen meldete nahezu 200 „Grenzgänger“ Fazit: 10 000 könnten es insgesamt gewesen sein. Ieh/Rok

Bitte beachten Sie, dass dieser Text mit einem automatischen Texterkennungsprogramm aus unserem Print-Archiv ausgelesen wurde und somit möglicherweise unkorrekte Buchstaben und Satzzeichen enthalten kann.