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Die LN von damals So ein wunderschöner Tag: Gesamtdeutsches Fest in Lübeck
Thema M Der Mauerfall am 9. November Die LN von damals So ein wunderschöner Tag: Gesamtdeutsches Fest in Lübeck
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14:13 14.03.2018
Die Titelseite der Lübecker Nachrichten vom 11.11.1989.
Die Titelseite der Lübecker Nachrichten vom 11.11.1989. Quelle: kha
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Lübeck

In einer 25 Kilometer langen Autoschlange warteten auch gestern abend noch Tausende DDR-Bürger auf die Einreise über Schlutup.

Lübeck erlebte gestern einen historischen Tag. Die Fußgängerzone war voller als an einem Sonnabend in der Weihnachtszeit. Die DDR-Bürger flanierten durch die City, drängten sich in den Geschäften. Trabis und Wartburgs parkten kreuz und quer in der lnnenstadt. Lübecks Einwohner bereiteten den Gästen einen begeisterten Empfang. An vielen Ecken der Stadt wurde kostenlos Kaffee ausgeschenkt.

Mehrere hundert Meter lang war zeitweise die Warteschlange vor dem Kanzleigebäude neben dem Rathaus. Dort ging der Stadt gegen Mittag das Begrüßungsgeld aus. Banken und andere Untemehmen Lübecks halfen aus. Sogar in Kaufhäusern und Verbrauchennärkten in Kiel lieh sich die Stadt Geld. In der Volksbank, in den Postämtem am Markt, am Bahnhof und in Schlutup sowie im Börsensaal des Rathauses wurden zusätzliche Auszahlungsstellen eingerichtet. Über den Rundfunk hat die Stadt ihre Mitarbeiter zum Dienst gebeten. Auch heute sind die Auszahlungsstellen geöffrıet.

Der Bundesgrenzschutz zählte bis gestem 20 Uhr in Schlutup etwa 6500 Autos mit knapp 20 000 Personen in Richtung Westen. In Gudow und Lauenburg wurden 32 000 einreisende DDR-Bürger gezählt. Bis Mitternacht dürften mehr als 70 000 DDR-Bürger die Grenzübergänge zu Schleswig- olstein pas-siert haben. Per Bahn erreichten 6000 DDR-Bürger Lü- beck. Uber 300 Lübecker boten Ubemachtungs-
mögılichkeiten für die Be- suc er an. Am Abend aber starteten viele in Richtung Grenze: Vor dem Übergang Schlutup baute sich ein kilometer- langer Stau auf. Fast 7000 hatten die Bundes-republik bei Redaktions-schluß wieder verlassen.

Die Schlange vor dem Kanzleigebäude des Rathauses reichte zeitweise bis zur Beckergrube. Geduldig warteten die DDR-Bürger auf die Auszahlung ihres Begrüßungsgeldes.

Christian Longardt