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Nachgefragt „Das trägt fürs Leben“
Thema N Nachgefragt „Das trägt fürs Leben“
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21:31 12.05.2018

Die Vorwerker Diakonie nimmt seit 2010 an den Special Olympics teil und hat schon viele  Medaillen gewonnen. In diesem Jahr ist sie mit 48 Sportlern und zwölf Betreuern dabei. Sie starten im Fußball, Badminton, Tischtennis, Basketball und Rollerskating. Sönke Dethleff (62) ist Teamleiter im Sportbereich, den er vor 30 Jahren aufgebaut hat, und Lehrer an der Heilerziehungspflegeschule der Vorwerker Diakonie.

Wie wichtig sind die Special Olympics für Ihre Sportler?

Unglaublich wichtig. Diesen inklusiven und auch sportlichen Charakter bringt keine andere Veranstaltung. Wir versuchen die Menschen hier zu motivieren, regelmäßig Sport zu treiben. Und wir nehmen nur die mit, die das auch tun. Das heißt, einige unserer starken Sportler sind nicht dabei, weil sie das nicht geschafft haben.

Bedauern die das inzwischen?

Ja, es fließen auch schon mal Tränen. Aber es gab bisher anschließend immer positive Reaktionen. Es hat niemand ganz aufgehört mit dem Sport, im Gegenteil, die Anstrengungen wurden erhöht.

Wie zeigt  sich die große Bedeutung für die Teilnehmer?

Ich trainiere unter anderem die Badmintonspieler. Die gehören zu den Besten in Deutschland, ich kann sie schon lange nicht mehr schlagen. Wenn ich denen sage: Wir müssen das und das üben, das braucht ihr gegen die starke Konkurrenz, dann sind die so was von motiviert. Sport ist ja eine arbeitsbegleitende Maßnahme, das heißt: Wir bringen über den Sport den Menschen etwas bei, was sie sonst nicht so leicht lernen würden.

Zum Beispiel?

Wir hatten einen Arbeitnehmer, der auch bei der Arbeit nicht redete. So zeigte er sich auch beim Fußball. Doch du kannst nicht erfolgreich Fußball spielen, wenn du nicht mit deinen Mitspielern sprichst. Irgendwann fing er an zu kommunizieren. Nach einem Jahr rief der Abteilungsleiter an und sagte: Der Florian* redet jetzt. Und heute spricht er ganz normal mit jedem, als ob nie etwas gewesen wäre.

Sie fahren also verändert hin zu den Special Olympics und kommen noch veränderter zurück?

Genau. Ich arbeite hier jetzt seit 30 Jahren, und wenn man es mit heute vergleicht, hat sich vieles enorm gewandelt. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten unserer Klienten haben sich gewaltig verändert. Das hängt nicht nur, aber auch mit dem Sport zusammen, weil sportliche Prozesse eben immer auch kognitive und soziale Prozesse sind.

Das heißt?

Wenn jemand fünf Meter weit springt, geht es nicht darum zu sagen: Ich will, dass du jetzt 5,50 Meter springst. Besser: Du springst immer noch fünf Meter, aber du kommst nun regelmäßig zum Training. Außerdem hast du beispielsweise gelernt, Farben zu benennen.

Hätten Sie gedacht, welch großen Effekt die Special Olympics für die Teilnehmer haben?

Beim ersten Mal nicht. Wir sind 2010 nach Bremen gefahren und haben gesagt: Mal gucken, was dabei herauskommt. Aber es war toll. Und in München auf dem ehemaligen Olympiagelände war es noch toller. Da war Paul Breitner für einen Tag Betreuer der Basketballer, und die Basketball-Profis von Bayern München haben  mit ihnen trainiert. Davon reden unsere Spieler heute noch. Solche Erlebnisse bringen sie mit, und das trägt. Das trägt fürs Leben, wo man sonst oft der Letzte ist, der Benachteiligte.

In Kiel sind sie ebenfalls für ein paar Tage mitten in der Stadt.

Das ist gelebte Inklusion. Sie werden sich dort mit einer großen Selbstverständlichkeit in der ganzen Stadt ausbreiten und zum ganz normalen Bild gehören. Die Resonanz der Menschen, gerade wenn ich an Hannover vor zwei Jahren denke, war unfassbar positiv. Wie nett die waren, in der Straßenbahn und überall.  Das haben wir alle mitgenommen.

Sind die Sieger die Helden zu Hause?

Manche haben die Medaille eine Woche lang um den Hals hängen, andere sind ganz cool und weisen nur mal nebenbei darauf hin. Aber sie sind trotzdem total stolz. Die wissen, was sie geleistet haben.

Sie gehen nicht anders mit Sieg und Niederlage um als nichtbehinderte Sportler?

Nein, es ist genau so. Die Sportler überwinden sich und machen Sachen, die sie sich früher nie getraut hätten. Deswegen kann man die Leistung gar nicht hoch genug einschätzen und gönnt ihnen den Jubel.

Man kann sich bei den nationalen ja auch für die internationalen Special Olympics qualifizieren.

In Düsseldorf hatten das im Badminton zwei unserer Sportler geschafft und konnten zu den Weltspielen nach Los Angeles fahren. Sie hatten auch grünes Licht von der Einrichtung, aber sie haben gesagt, wir fahren nur, wenn ich als ihr Trainer mitkomme. Weil Special Olympics dort aber eigene Trainer hatte, haben unsere Sportler abgesagt.  Die nächsten Weltspiele sind in Dubai, und unsere Fußballer haben mich schon gefragt, was sie machen müssen, um nach Dubai zu kommen. Da kann ich nur sagen: noch besser Fußball spielen.

Welchen Stellenwert haben die Special Olympics hier in der Gemeinschaft?

Wir fahren auch sonst zu vielen Turnieren und Wettkämpfen, aber für dieses Jahr sind sie der absolute Höhepunkt. int

*Name geändert

LN

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