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Nachgefragt NACHGEFRAGT „Horror, Blut und Tod“
Thema N Nachgefragt NACHGEFRAGT „Horror, Blut und Tod“
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20:10 04.08.2018
Dr. Dietmar Elflein Heavy-Metal-Experte

Der Musikwissenschaftler Dietmar Elflein (Jahrgang 1964) hat über „Schwermetallanalysen – die musikalische Sprache des Heavy Metal“ promoviert und lehrt am Institut für Musik und ihre Vermittlung der Technischen Universität Braunschweig.

Wacken war sonst immer fast sofort ausverkauft, jetzt gab es bis vor Kurzem noch Tickets. Hat das Festival seinen Zenit erreicht?

Das könnte man vermuten, aber der Markt ist auch übersättigt. Es gibt jedes Jahr mehr Metalfestivals, immer mehr Städte bemühen sich darum. Und es gibt übergreifende Open Airs wie „Rock im Park“, wo vielleicht ein Drittel des Programms auch metalrelevant sein kann. Kaum jemand hört nur Metal.

In diesem Jahr kosten die Wacken-Tickets 220 Euro. Spielt der Preis auch eine Rolle?

Das mag sein, wobei die Leute ja auch sehr viel Geld für die Rolling Stones bezahlen. Wacken ist nicht das erste Festival in diesem Jahr, das mit weniger Besuchern zu kämpfen hat.

Jetzt hat Otto Waalkes in Wacken gespielt. Was soll das?

Wacken ist ja schon lange nicht mehr nur Metal, sondern zu großen Teilen Event. Das wird in der Szene ja auch entsprechend diskutiert. Aber viele kommen eben nicht wegen der Musik, sondern wegen des Festivals, wegen drei, vier Tagen Ausnahmezustand. Und für die ist dann ein solches Angebot da.

Es gibt also nicht den typischen Metalfan?

Es gibt mehrere Formen, auch die typischen Metalheads. Und die sind nach wie vor in Wacken. Aber nur mit ihnen hätte man in den vergangenen Jahren nie 70000 Besucher zusammenbekommen. So viele sind das nicht. Da braucht man ein breiteres Publikum – und ein breiteres Programm.

Wie ernst sollte man Heavy Metal nehmen?

Es ist Theater, Inszenierung, Entertainment, ganz klar. Und das will nicht Realität werden. Intern nimmt man das schon sehr ernst, außerhalb des Festivals aber hat es keine Gültigkeit. Das ist wie beim Fußball: Während des Spiels ist es das Ernsteste der Welt, aber wenn man raus ist aus dem Stadion, gelten wieder andere Maßstäbe.

Dann spielen die Texte im Metal auch keine große Rolle?

Das lässt sich so allgemein nicht sagen. Manchen Fans und Bands sind sie total wichtig, anderen sind sie völlig egal.

Zumal man beim Death Metal ja auch kein Wort versteht.

Da muss man sich halt kümmern und nachlesen. Und dann staunt man, wie viele bei Death-MetalKonzerten die Texte auswendig können. Aber gerade solche Texte bedienen Genreklischees. Es geht um Horror, Blut und Tod. Es ist wie im Horrorfilm oder im Actionthriller.

Ist Metal der konservativste Flügel der Pop- und Rockmusik?

Nein, das ist ein altes Klischee. In der politischen Haltung ist es ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Gibt es musikalische Innovation im Metalbereich?

Es gibt wie in jedem Genre klare Definitionen, was erwartet wird und was nicht. Innerhalb dieses Rahmens finden schon Innovationen statt, auch wenn sie vielleicht nicht jedem auffallen. Es ist ähnlich wie in der klassischen Musik, wo es Konventionen etwa über den Aufbau einer Symphonie gibt. Dann variiert jemand den Sonatenhauptsatz, und wer sich auskennt, bemerkt die Veränderung.

Ist eine Band wie Metallica noch innovativ?

Nein. Sie war es in den Achtzigern und hat ihre historische Bedeutung, aber das ist vorbei. Bands dieser Größe sind nicht mehr innovativ. Innovation geschieht eher an den Rändern und wird dann irgendwann vom Mainstream aufgegriffen. Momentan ist eine der spannendsten Bands Zeal & Ardor. Die kombinieren Metal mit Gospel und Blues – und haben jetzt auch in Wacken gespielt.

Interview: Peter Intelmann

LN

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Haben Sie schon mal mit Jugendlichen gearbeitet? Ich habe im Team wahrscheinlich am wenigsten pädagogische Erfahrung. Ich habe letztes Jahr nur mal mit Jugendlichen in Simbabwe gearbeitet.

26.07.2018

Haben Sie schon mal mit Jugendlichen gearbeitet? Ich habe im Team wahrscheinlich am wenigsten pädagogische Erfahrung. Ich habe letztes Jahr nur mal mit Jugendlichen in Simbabwe gearbeitet.

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Haben sie daran gezweifelt, gewählt zu werden (Anm. Red.: Nur die CDU hatte Vorschlagsrecht)? Gezweifelt nicht. So eine Wahl bringt aber immer Risiken mit sich.

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