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Olympia 2024 Segel-Kommission prüft das Ostseebad und die Konkurrenz
Thema O Olympia 2024 Segel-Kommission prüft das Ostseebad und die Konkurrenz
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23:46 10.04.2015
Der Olympia-Bus fährt vor: Die Kommission um Chef Bernhard Schwank (grüne Hose) schaut sich am Mövenstein um. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Auf der langen Tafel im „Buddenbrooks“ stand die „Weiße Ivoire Schokolade“ hier und da noch gänzlich unberührt. Einen Nachschlag der leckeren Dessert-Kreation von A-Rosa-Sternekoch Dirk Seiger wollte jetzt keiner mehr. Denn die „Prüfer“, die neunköpfige Kommission, sie war weg, auf dem Weg nach Kiel. Mehr als vier Stunden hatte das Gremium (je drei Vertreter von DOSB, Stadt Hamburg und Seglerverband) zuvor beim Olympia-Casting „Wer wird Hamburgs Segelrevier für 2024?“ Travemünde unter die Lupe genommen. Jetzt diskutierte Bürgermeister Bernd Saxe mit seinem Team, wie es gelaufen war.

„Ich habe ein gutes Gefühl“, meinte Jens Kath, Co-Chef der Travemünder Woche (TW), „es gab sehr detaillierte Nachfragen und Antworten.“ Darüber, dass Kiter und Surfer auf dem Priwallstrand liegen würden, die Tornadowiese als Ausweichfläche geplant sei, die ufernahen Medaillen-Rennen von mobilen Tribünen mit bis zu 15000 Zuschauern möglich und gut zu sehen seien. Auch darüber, dass das neue, 2,2 Millionen Euro teure Regattazentrum am Mövenstein schon vor 2020 fertig sein soll, für das Training zur Verfügung stünde. „Das Zentrum war der überraschende Pluspunkt“, ist sich TW-Chef Frank Schärffe sicher, „perfekt ist ebenso, dass alles nachnutzbar ist, als Zukunftssicherung der Travemünder Woche.“

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Auch Bernd Saxe war zufrieden. Keine Fragen waren offen geblieben, keine Demonstranten wie tags zuvor in Warnemünde zu sehen, auch die Maritim-Überraschung war geglückt. Denn statt ins Cafe „Über den Wolken“ ging es ob des Kaiserwetters aufs Dach des Hotels. Aus 119 Metern Höhe hatte sich das Gremium einen außergewöhnlichen Überblick über das Olympia-Gelände vom Priwall (Olympia-Dorf) bis zum Mövenstein verschafft. „Das ist Olympia der kurzen Wege, so kompakt umgesetzt hat das bisher noch keiner geschafft“, meinte Saxe, der auch Bedenken über den Transport der Athleten vom Priwall zum Mövenstein ausräumen konnte: „Das ist mit Elektro-Shuttles auf dem Wasserweg geplant, nur 1,5 Seemeilen lang. Damit wäre auch das Thema Sicherheit abgehakt.“

Als anregend hatte Saxe den Kommissionsbesuch empfunden, das Gremium als „sehr informationsbedürftig“ gesehen. Und damit lag er mit Segelprofi Christian Sach auf Kurs. Der Zarnekauer, mit Bruder Helge Deutschlands beste Katamaran-Segler, hatte das windsichere Revier, das Besondere der im Sommer früh einsetzenden Thermik erklärt. Und er hatte sich auch gewundert: „Was die alles wissen wollten.“ Ob es ausreichend Elektro-Anschlüsse im Hafen gebe, wie weit es für die Segler bis zum Flughafen sei, wo 250 Trainerboote vor dem Mövenstein parken würden (Kath: „Da schaffen wir mobile Lösungen mit Stegen“) oder ob das olympische Dorf behindertengerecht sei. „Da blieb nichts offen. Travemünde ist einfach genial“, erklärte Sach. Und er ist sicher: „Bis 2024 wird es auf dem Wasser immer schneller, spektakulärer. Bleitransporter will doch keiner mehr. Segeln mit Foils, 49ern, Katamaranen, das wird immer mehr. Vor Schilksee geht das aber gar nicht, da fehlt der Platz, da müsstest du bis Eckernförde raus.“

Und wie fanden es die Kommissionsmitglieder? Hamburgs Mr. Olympia, Sportsenator Michael Neumann, winkte ab: „Ich hätte viel zu sagen, darf aber nicht.“ Nur Chef Bernhard Schwank, der designierte Boss der Olympia-GmbH, sagte, dass es ein sehr informativer Besuch gewesen sei. „Wir haben einen ausreichenden Eindruck gewonnen, fahren jetzt weiter nach Kiel.“ Über Inhalte wollte er nicht reden. Nach Rostock-Warnemünde am Donnerstag, Lübeck-Travemünde und Kiel-Schilksee gestern, wird heute Last-Minute-Bewerber Cuxhaven evaluiert. Bis Ende April will die Kommission entscheiden.

Saxe rechnet schon in der nächsten Woche damit. Und nun? „Wir haben nach monatelanger Vorarbeit gezeigt, dass wir bereit sind“, sagte Saxe. „Jetzt können wir eigentlich nichts mehr tun.“ Doch da lenkte seine rechte Hand, Oliver Groth, ein: „Doch, jetzt kommen die Außenminister zum G7-Gipfel.“ Und prompt fuhren zwei Polizeiwagen vor‘s A-Rosa. Die Vorhut der US-Delegation ist schon da.

Jens Kürbis