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Sommerredaktion 433 Jahre ein Leuchtturm — und jetzt ein Museum
Thema S Sommerredaktion 433 Jahre ein Leuchtturm — und jetzt ein Museum
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10:23 27.06.2014
Burkhard Wunder vor dem Alten Leuchtturm von Travemünde. Der Stadtführer und Geschichtenerzähler weiß, wie viele Stufen der Turm hat und wie viele Kilos man beim Aufstieg verliert.
Travemünde

Holländische Maurer haben den alten Travemünder Leuchtturm 1539 aus rotem Backstein errichtet. Heute gehört der Turm zum Wasser- und Schifffahrtsamt wie viele Leuchttürme an der Ostseeküste. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er allerdings nicht mehr in Betrieb.

„Als der Turm gebaut wurde, das war die Zeit der Piraterie. Da waren noch Störtebeker und Konsorten unterwegs“, erklärt Stadtführer Burkhard Wunder. Die Räuber hatten eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, um Schiffe anzulocken. Sie entfachten große Feuer am Strand und an den Steilküsten, die von den Seefahrern für echte Leuchtfeuer gehalten wurden. Die Schiffe wurden auf diese Weise vom Kurs abgebracht, liefen auf Grund und zerbrachen. Damals galt das ungeschriebene Gesetz: Strandgut gehört dem, der es findet. „Für die hanseatischen Kaufleute war es ein herber Schlag, wenn ihr mit wertvollen Waren beladenes Schiff kurz vor der Einfahrt in den Hafen ausgeraubt wurde. Um die Seefahrt sicherer zu machen, hat man den Turm deshalb möglichst hoch errichtet“, weiß der Stadtführer. Sein Feuer brannte in einer Höhe von 31 Metern und war damit weithin sichtbar — 16 Seemeilen, knapp 30 Kilometer. „Wenn die Schiffe an der Kimm auftauchten, sahen sie als erstes das Licht vom Leuchtturm — und da wussten sie: Das war das richtige.“ Alle anderen Feuerzeichen, die danach irgendwo an der Küste auftauchten, waren nur dazu da, die Seefahrer in die Irre zu führen.

„Das Leuchtfeuer, das die Zufahrt zur Travemündung markierte, war zunächst ein Holzfeuer“, erklärt Burkhard Wunder. Später erfolgte der Einbau von Öllampen vor vergoldeten Hohlspiegeln, die 1903 durch elektrische Kohlenbogenlampen mit Parabolspiegeln ersetzt wurden. 1937 wurden zur weiteren Verbesserung der Sichtweite des Feuers ein Parabolzylinderspiegel zur Lichtbündelung und Otterblenden als Kennungsgeber eingebaut. „Diese Technik können wir den Leuten noch heute demonstrieren“, freut sich Wunder.

Um das Klappern der Otterblenden zu erleben, müssen Besucher acht Etagen erklimmen, wobei jede Etage des Leuchtturms einem anderen Ausstellungsthema gewidmet ist. Da sind zum Beispiel Schiffsmodelle von ehemaligen Feuerschiffen und Tonnenlegern zu sehen, Seelaternen sowie Lichtanlagen anderer Leuchttürme. Ein weiterer Höhepunkt ist der Lotsenraum mit dem mehr als 100 Jahre alten Lotsenstuhl.

„142 Stufen sind es bis nach ganz oben“, sagt der Stadtführer. In luftiger Höhe von 31 Metern können Besucher nicht nur die funktionsfähige Anlage des Leuchtturms mit 1000-Watt-Glühbirnen bewundern, sondern auch den fantastischen Ausblick. Von der rundum verlaufenden Aussichtsgalerie sieht man Travemünde, den Priwall, die Ostsee und direkt nebenan das große Maritim Hotel. „1972 wurde das Feuer auf dem Alten Leuchtturm gelöscht, da es durch den Neubau des Hochhauses verdeckt wurde. Seit 1974 steht nun auf dem Maritim Hotel in 115 Metern Höhe das höchste Leuchtfeuer Europas“, erklärt Stadtführer Burkhard Wunder. Neben dem mächtigen Hotel wirkt der Alte Leuchtturm geradezu winzig. Aber was macht das schon. 433 Jahre lang erfüllte er seine Funktion bestens.

Führungen: Sonntags 11.30 Uhr. Für Gruppen auf Anfrage unter Telefon 04 502 / 889 17 90.

Britta Matzen

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