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Sommerredaktion Die Taufe der Seefahrer
Thema S Sommerredaktion Die Taufe der Seefahrer
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18:10 23.08.2018
Wem stürmische Zeiten auf hoher See bevorstanden, der wurde vorher zeremoniell in das Reich des Meeresgottes aufgenommen.
Wem stürmische Zeiten auf hoher See bevorstanden, der wurde vorher zeremoniell in das Reich des Meeresgottes aufgenommen. Quelle: Fotos: Dpa, Oz, Hfr

Seefahrer-Rituale sind auch heute noch populär. So können sich Kinder am Strand von Fehmarn einer sogenannten Neptuntaufe unterziehen. Hinter dem Spaßprogramm für junge Menschen in der Ferienzeit steht allerdings ein uraltes Ritual der Seeleute.

Schiffsleute haben viele Rituale – Eines der bekanntesten ist die Neptuntaufe auf hoher See.

In seiner ursprünglichen Form ist es ein weltweit bekanntes, mancherorts als grausames und bei der Deutschen Marine inzwischen abgeschafftes Ritual. Bekannt ist es unter den Namen Neptuntaufe, Linientaufe und Äquatortaufe. Wenn ein Besatzungsmitglied oder ein Passagier eines Schiffes zum ersten Mal auf See geht und den Äquator überquert, unterzieht er sich einer Prozedur, um den Segen des Meeresgottes zu erlangen.

Der Ablauf: Der Neue auf dem Schiff wird von einem verkleideten Neptun getauft und erhält einen seebezogenen Scherznamen. Sogar eine Taufurkunde bekommen neue Seeleute verliehen. Davor findet mancherorts noch eine sogenannte „Reinigung“ statt, bei der man mit Fischöl, Rasierschaum und stinkenden Substanzen eingerieben wird. Verbunden ist der Ritus meist mit einer ausgelassenen Feier der gesamten Schiffsbesatzung. Junge wie alte Seeleute mussten diese besondere Taufe auf Schiffen überall auf der Welt über sich ergehen lassen. Schon die Portugiesen führten das Ritual bei ihren Entdeckungsreisen Richtung Äquator durch. Die Deutsche Marine hat den Brauch vor einigen Jahren von offizieller Seite aus verboten. Negative Schlagzeilen machte 2010 ein Vorfall auf dem Segelschulschiff Gorch Fock. Kadetten mussten ihrem Vorgesetzten die Füße küssen und sich in Essenreste legen.

Auch die Prominenz hat sich der Neptuntaufe unterzogen. Beispielsweise Schauspieler Walter Plathe, der für seine Hauptrolle als Dr. Ulrich Teschner (1992 bis 2008) in der Fernsehserie „Der Landarzt“

bekannt ist. Für die Dreharbeiten des Films „Die Überfahrt“ reiste er 1982 auf dem Frachtschiff „Bernburg“ ins argentinische Buenos Aires. Drei Monate verbrachte er mit der Crew auf dem Schiff – und wurde in einer nicht ganz harmlosen Prozedur zum Seemann getauft. Beispielsweise musste er Küchenabfälle essen. „Ich bekam den Namen eines Meeresbewohners, aber den habe ich mittlerweile vergessen – irgendwas mit Hecht“, erinnert sich Plathe in einem Interview.

Die ursprüngliche Seefahrertaufe ist heutzutage die Vorlage von Spaßprogrammen für Kinder. Beispielsweise kommt ein verkleideter Neptun an den Strand von Burgtiefe auf Fehmarn. Aber keine Angst, die Neptuntaufe ist hier eine völlig harmlose Zeremonie.

Neptuntaufe auf Fehmarn

Bis zum 6. September führen immer mittwochs um 15 Uhr die DLRG-Rettungsschwimmer am Fehmarner Südstrand in Burgtiefe eine Neptuntaufe speziell für Kinder durch.

In Anlehnung an die berühmte Äquatortaufe der Seefahrer kommt der Meeresgott Neptun in schillernder Verkleidung persönlich zum Südstrand und tauft dort alle Kinder, die sich bei der DLRG-Hauptstation in Burgtiefe anmelden.

Im Anschluss an die Zeremonie können die Kinder sich mit Neptun fotografieren lassen. Die Teilnahme kostet einen Euro und wird durch eine Taufurkunde bescheinigt. Die Anmeldung erfolgt am Veranstaltungstag direkt an der DLRG Hauptwache.

Saskia Bücker