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Sommerredaktion Landlust trifft auf Hafenstadt
Thema S Sommerredaktion Landlust trifft auf Hafenstadt
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18:10 24.08.2018

Der Ostseewind weht stark, unter ihm knarzen die knorrigen Bäume. Die Spätsommersonne ist jedoch stark genug, um ihm entgegenzuwirken – es ist warm. Das Grillenzirpen vermischt sich mit dem leisen Rattern der Fahrradkette. Dutzende Spatzen fliegen von einem kahlen Feld auf, als ein Radfahrer an ihnen vorbeifährt und in den Weg einbiegt.

Bereits in Oldenburg steht am Bahnhof der erste Wegweiser für Radfahrer: 14 Kilometer nach Heiligenhafen. Die Strecke dorthin ist gesäumt von Hagebuttenbüschen und führt größtenteils über befestigte Radwege etwas abseits einer Bundesstraße.

Die Zeit vergeht hier wie im Flug. Denn die erste Hälfte der Tour verläuft unaufgeregt. Bäume formen kleine Alleen. Hin und wieder durchqueren Radler kleine Dörfer und Häuseransammlungen. Fährt man alleine, ist es außerordentlich ruhig. Begegnet man anderen Radfahrern oder Einwohnern, schallt einem ein freundliches „Moin“ entgegen.

Angekommen in Heiligenhafen ist es Zeit für eine Mittagspause. Möchte man mit Blick auf die Stadt pausieren, bietet sich ein Imbiss direkt an der Fischerei-Brücke an. Wer lieber die Schiffe beobachten möchte, setzt sich am besten auf eine Bank bei den Anlegern.

Ein Abstecher auf die Halbinsel vor Heiligenhafen bietet sich an: Eine Straße führt nach Steinwarder. Hier kann man zum Beispiel von der Seebrücke aus den unversperrten Blick über die Ostsee schweifen lassen.

Bevor es nach Großenbrode weitergeht, kommen Radfahrer an einem Steg mit Bootsanlegern vorbei. Hier rasten Susanne und Andreas Wilhelm aus Bielefeld mit ihrem Hund Marlon. Susanne Wilhelm macht bereits ihr ganzes Leben Urlaub in und um Heiligenhafen – die 54-Jährige hat norddeutsche Wurzeln. „Wir kennen hier jeden Stein“, erzählt sie. Von dem Steg aus habe man einen „so schönen Blick aufs Wasser“. Auch das Vogelschutzgebiet Graswerder ließe sich gut erkennen und beobachten. Besonders angetan hat es ihr aber der kleine Leuchtturm Heiligenhafens im Stadtteil Strandhusen. „Der ist einfach reizend. Mit der Zeit findet man ja seine Lieblingsorte“, sagt sie. Den Leuchtturm erreichen Radler nach einer kleinen Abzweigung auf den Steg. Der restliche Teil der 26 Kilometer langen Tour führt ein Stück über den Ostseeradweg. Es geht entlang an kleinen Stränden und auch durch Strandhusen, wo der kleine Leuchturm schließlich von Nahem bestaunt werden kann. Er ist kaum größer als die Häuser darum und bereits seit 1903 in Betrieb.

Die letzten Kilometer legen Radler wieder über befestigte Radwege entlang wenig befahrener Straßen zurück. Wer, angekommen in Großenbrode, nicht direkt in den Zug zurück nach Hause steigen möchte, kann den knapp zwei Kilometer entfernten Naturerlebnispfad am Kai des Ostseeheilbads besuchen. Im Großenbroder Holz können Naturfreunde Neues über Pflanzen, Tiere und die Region lernen. Vor allem mit Kindern lohnt sich die Begehung des drei Kilometer langen Lehrpfades. Müde von der Seeluft, aber voller schöner Impressionen geht es schließlich nach Hause.

Von Johanna Ohde