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Sommerredaktion Rauf auf den Bungsberg!
Thema S Sommerredaktion Rauf auf den Bungsberg!
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20:10 25.08.2018
Hügel oder Berg? Egal, der Weg hinauf lohnt sich. Beim Aufstieg durchstreift der Wanderer Hügelland und dichten Wald.
Hügel oder Berg? Egal, der Weg hinauf lohnt sich. Beim Aufstieg durchstreift der Wanderer Hügelland und dichten Wald. Quelle: Fotos: S. Bücker

Ein guter Startpunkt für eine Bungsberg-Erkundung ist der Parkplatz „Gläserland“ an der Landstraße 216, zwischen Schönwalde und Hansühn. Mit Auf- und Abstieg ist diese Tour rund vier Kilometer lang.

Er trägt den Berg im Namen, manche nennen die höchste Erhebung Schleswig-Holsteins allerdings doch lieber Hügel: der Bungsberg. Seinen Gipfel erklimmen Wanderer gemächlich spazierend. Der höchste Punkt ist nämlich nur 168 Meter über Normalnull.

Still ist es, ein paar Vögel zwitschern, nur ein Landwirt pflügt in einiger Entfernung sein Feld. Es geht an einer Pferdekoppel vorbei durch idyllische, romantisch anmutende Hügel. Am Wegesrand wachsen Brombeeren, Holunder und Kirschen. Der Puls geht gleichmäßig, die Steigung ist minimal.

Am Straßenschild „Bungsberg“ biegt der entspannte Wanderer rechts ab. Dort beginnt der verwunschene Teil der Strecke mit konstant leichter Steigung. Auf Schotter geht es mal auf, mal ab, durch dichten Buchen- und Tannenwald. 400 Meter vor Erreichen des höchsten Punktes kommt man an einem Waldspielplatz mit Wippe, Klettergerüst und Picknickbank vorbei. Wer will, kann dort rasten. Einmal um die nächste Kurve geschlendert, erwartet einen nach weiteren hundert Metern ein Wasserspielplatz und die „Waldschänke“, ein Restaurant, das täglich von 12 bis 21 Uhr geöffnet hat. Einkehren nach nur etwas mehr als einem Kilometer Wanderung? Kommt noch nicht in Frage. Erst geht es auf den Gipfel. Übrigens können noch entspanntere Gefährten bis hierher, nur 300 Meter vom Gipfel entfernt, mit dem Auto fahren und in direkter Gipfelnähe parken. Es geht an der Aussichtsplattform eines Fernmeldeturms vorbei. Ratsam ist es, den erst auf dem Rückweg zu erkunden. Denn der Ausblick von dort ist um einiges spektakulärer als der vom höchsten Punkt des Bungsberges. Nicht, dass noch jemand enttäuscht ist. Drei, vier Schritte geht es einen grasbewachsenen Hang hinauf.

„Wir haben ihn erklommen!“, ruft Familie Riedelsdorf, als sie am höchsten Punkt eintrifft. Vater, Mutter und die Töchter kichern. So ganz ernst können sie diese Bergwanderung nicht nehmen. Aus Bayern sind sie angereist, machen Urlaub bei Verwandten in Ostholstein. Ganz klassisch mit Wanderkarte und Salamibrötchen im Gepäck haben sie sich aufgemacht, den Bungsberg zu erklimmen. „Da mussten wir schon all unsere Kräfte sammeln“, sagt Vater Andreas schmunzelnd. Klar, der Hügel sei nicht mit den alpinen Gebirgsketten Süddeutschlands zu vergleichen. „Aber die Landschaft ist wirklich schön.“

Vor dem Rückweg ins „Tal“ geht es auf die Aussichtsplattform des 179 Meter hohen Fernmeldeturms. Das ist nun wirklich anstrengend. Schnaufend steigt man zahlreiche Treppenstufen hinauf. In düsterem Licht, an Spinnweben vorbei auf der Wendeltreppe durch den imposanten 70er Jahre-Koloss aus Beton. Das haben vorher auch schon andere Besucher geschafft. Natalie und Rolf etwa, am 18. August 2000. „Wir haben uns ganz oben heute verlobt“, schrieben sie damals an die Innenwand. Auch Udo war da, am 18. Juni 1997 um 17.50 Uhr. Er verewigte sich mit: „Ich liebe euch alle!“ Dann, endlich oben, dieser wahrhaft spektakuläre Blick auf Hügelland, Windräder und Ostsee. Das hat sich doch gelohnt.

Die Eis-Historie

Beim Bungsberg handelt es sich um eine Endmoräne. Sie entstand vor etwa 150 000 Jahren in der sogenannten Saale-Eiszeit.

In der Weichseleiszeit vor rund 10 000 Jahren konnten die Gletscher den Berg aufgrund seiner Höhe nicht überwinden. So ragte der Bungsberg aus der Landschaft heraus. Das nennt man Nunatak.

In der heutigen Winterzeit wird der Bungsberg für Besucher zur rasanten Schlittenpiste – zumindest wenn ausreichend Schnee liegt. Die Hügellandschaft eignet sich besonders gut zum Rodeln mit dem Schlitten und zum Skifahren. Bis vor Kurzem gab es sogar noch einen Skilift.

Saskia Bücker