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Sommerredaktion Flieg, kleiner Uhu, flieg!
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21:43 21.08.2018
Ein großer Tag: Das Uhujunge ist nun alt genug, um in die Freiheit entlassen zu werden. Zu Anfang ist ihm der Wald noch nicht ganz geheuer.
Ein großer Tag: Das Uhujunge ist nun alt genug, um in die Freiheit entlassen zu werden. Zu Anfang ist ihm der Wald noch nicht ganz geheuer. 
Weissenhäuser Strand

Vier große, starre Augen fokussieren Timo Walter. Sie gehören zwei Uhujungen, die in ihrem Voliere sitzen und auf ihre Auswilderung warten. Bedrohlich plustern sich die Vögel zu riesigen Ballons auf.

12 Wochen sind die beiden Uhujunge etwa alt. Wichtig bei der Auswilderung ist, dass die Vögel keinen Babyflaum mehr haben, sondern ein richtiges Gefieder.

Timo Walter ist Falkner in Weissenhäuser Strand und hat die Uhus – Bruder und Schwester – aufgenommen, nachdem sie aus dem Nest gefallen waren. Eigentlich würde man Uhuküken einfach sitzen lassen, da sich die Eltern auch am Boden um die Kleinen kümmern, erklärt Walter. „Die beiden saßen aber so ungünstig in einem Schacht, dass die Mutter nicht herankam.“ Seit sechs Wochen leben die Uhus in der Auffangstation. Am Anfang ganz zerzaust im Babyflaum – mittlerweile zwölf Wochen alt und im richtigen Gefieder. Das sei wichtig, sagt Walter. „Jetzt sind sie flugfähig.“ Und damit bereit, sich in der Natur zurechtzufinden.

Mit seiner ehrenamtlichen Mitarbeiterin Gabi Walter – übrigens nicht verwandt – setzt der Falkner die Jungvögel in Transportboxen. Dann geht es zu einem verlassenen Waldstück. „Das ist ein ideales Biotop für Uhus“, sagt Timo Walter. „Der Waldboden ist relativ frei, da können sie leicht jagen.“ Außerdem können Gabi Walter und er hier gut nach den Uhus schauen. Denn mit der Auswilderung sei die Arbeit noch lange nicht vorbei, sagt der Falkner. Einmal am Tag muss einer der beiden an die Stelle fahren und Nahrung auslegen. „Nur so viel, dass sie nicht verhungern, aber so wenig, dass sie einen Jagdtrieb entwickeln“, sagt Gabi Walter. Für die Nahrungsausgabe – meistens sind das schon tote Küken – befestigen Timo Walter und seine Mitarbeiterin ein Brett an einem Baum. „Damit sich zum Beispiel keine Füchse an dem Futter bedienen“, erklärt der Falkner.

Der ist Moment gekommen: Timo Walter öffnet die erste Transportbox und hilft der jungen Uhudame heraus. Kaum hat sie die Box verlassen, schlägt sie ein paar Mal mit ihren großen Flügeln, fliegt zwischen die Bäume und setzt sich wenige Meter entfernt auf den Boden. Dann ist ihr Bruder an der Reihe. Im Gegensatz zu seiner Schwester bleibt der Uhu erst einmal auf dem Boden sitzen und dreht seinen Kopf in alle Richtungen. „Aufregend, was?“, fragt Gabi Walter. Der kleine Uhu plustert sich auf und schüttelt seine Flügel. Einen ersten Flug in freier Wildbahn will er noch nicht unternehmen.

„Die beiden suchen sich, wenn wir gegangen sind“, sagt Gabi Walter. Zusammen werden sie instinktiv auf einen Baum fliegen. Zwar sind die Vögel nun auf sich gestellt, Timo Walter schätzt die Chancen für die Geschwister dennoch relativ gut ein. Bis zum Frühjahr werden sie wahrscheinlich noch zusammenbleiben. Dann suchen sie sich ihr eigenes Revier und einen Partner. Uhus sind die größte einheimische Eulenart – sie erreichen eine Spannweite von bis zu 1,80 Metern.

Ein bisschen wehmütig tragen der Falkner und Gabi Walter die leeren Transportboxen wieder zurück zum Auto. Zwar hatten die beiden so wenig Kontakt wie möglich zu den Uhus, damit sie menschenscheu bleiben. Aber vor allem Gabi Walter wird die „beiden Ballons“ vermissen. Trotzdem: Die Vögel wieder frei zu lassen, sei „das Schönste, was es gibt“.

Falken, Bussarde und sogar Möwen in der Greifvogelshow

Die Falknerei Walter bietet von Dienstag bis Sonntag zwei Mal täglich Flugshows mit ihren Greifvögeln an. Jeweils um 10 und 15 Uhr können Zuschauer die Künste der grazilen Jäger bestaunen. Dabei steht aber nicht eine reißerische Show im Mittelpunkt. „Wir sehen da eher Naturkundeunterricht drin“, sagt Timo Walter. So wird während der Show unter anderem erklärt, wie die Arbeit mit den Küken aussieht, bis sie zum fertigen Flugvogel heranwachsen.

Ein Highlight der Show ist unter anderem der Auftritt zweier Silbermöwen: Rosalie und Hannibal leben im Freiflug – kommen eigentlich nur am Abend zurück zur Falknerei – und sind womöglich die einzigen Möwen Deutschlands, die in einer Flugshow auftreten. Wie es dazu kam, verrät Timo Walter auch während seiner Greifvogelshow.

Falknertage, Seminare oder Eulenwanderungen: Timo Walter hat verschiedene Angebote, um den Menschen die Greifvögel näher zu bringen. Weitere Informationen rund um die Falknerei gibt es im Internet unter: www.weissenhaeuserstrand.de

Saskia Hassink