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St. Gertrud Abgebrannt: Feuer vernichtet Wohnhaus in der Roeckstraße
Thema S St. Gertrud Abgebrannt: Feuer vernichtet Wohnhaus in der Roeckstraße
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08:59 19.05.2015
Die Feuerwehr wurde gestern gegen 22 Uhr zu einem Brand in die Roekstraße gerufen.
Die Feuerwehr wurde gestern gegen 22 Uhr zu einem Brand in die Roekstraße gerufen. Quelle: Holger Kröger
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St. Gertrud

Meterhoch schlagen die Flammen über dem dreistöckigen Haus in den Nachthimmel, die Rauchschwaden in der Roeckstraße sind in ein bedrohliches Orange getaucht. „Das Innere des Gebäudes ist stark möbliert“, sagt ein Beamter aus der Feuerwehr-Leitstelle. Der einzige Bewohner des Hauses, ein 74-jähriger Mann, kann sich noch selbst retten und kommt mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Als die Einsatzkräfte am Sonntag gegen 22 Uhr anrücken, stehen bereits der Keller und das Erdgeschoss in Flammen. Es wird der stundenlange Kampf um ein Gebäude, den die Feuerwehr am Ende verlieren wird.

Gestern Abend musste die Feuerwehr zu einem Großeinsatz in die Roeckstraße ausrücken.

Anfangs versuchen mehrere Trupps noch, das Feuer auch von innen zu bekämpfen. Sie setzen Wasser und Schaum ein, doch letztlich fressen sich die Flammen immer weiter durch die Stockwerke, bis sie letztlich am Mansarddach ankommen. Bereits um 23.46 Uhr hat es laut Feuerwehr „keinen Zweck mehr“, den Innenangriff fortzusetzen. Etwa eine Stunde später bewertet auch ein hinzugerufener Statiker vor allem das Dach als einsturzgefährdet, spätestens ab dann lassen die 70 Feuerwehrleute das Gebäude quasi kontrolliert abbrennen und beschützen erfolgreich die umliegenden Häuser.

Vor allem die Lage macht es den Einsatzkräften schwer. Hinter dem Haus war kein Platz für Drehleitern und vorne an der Roeckstraße stehen zwei große Alleebäume, die dort das Manövrieren und Aufstellen der Leiterwagen erschweren. Als „figelinsch“ beschreibt der Beamte aus der Leitstelle das zentimetergenaue Rangieren, bis die Fahrzeuge stehen. Liter für Liter verschwinden Wasser und Schaum im Brandhaus, erst gegen 2 Uhr haben die Feuerwehrleute das Feuer unter ihre Kontrolle gebracht. Ehe die Retter der Feuerwachen 1 und 2 sowie die Ehrenamtler der Wachen Padelügge/Buntekuh, Innenstadt und Israelsdorf endlich abrücken können, vergehen noch einmal achteinhalb Stunden.

Doch aus ist das Feuer damit noch lange nicht. „Wir wollen es ungern zu früh sagen“, so die Feuerwehr. Deshalb richtet sie eine sogenannte Brandwache ein und kontrolliert das Haus gestern um 13.51

Uhr erneut auf Glutnester. Sogar eine Drehleiter wird dafür erneut in Stellung gebracht, „um auch von oben nachgucken zu können“. Es schwelt nichts mehr im Verborgenen, das gleiche Ergebnis folgt gestern um kurz nach 16 Uhr sowie gegen 19 Uhr. Nun endlich melden die Brandschützer „Feuer aus“.

Was das verheerende Feuer verursacht haben könnte, beschäftigt seit den Nachtstunden die Brandermittler der Kriminalpolizei. Der Schaden dürfte mindestens mehrere Hunderttausende betragen. Doch genauere Untersuchungen der Ruine sind wegen der Einsturzgefahr noch unmöglich. Polizeisprecherin Swantje Heuermann: „Da das Objekt zurzeit nicht betretbar ist, können wir noch nichts zur Ursache des Brandes sagen.“

Gefährliche Glutnester
2013 musste die Feuerwehr im März gleich zweimal in einer Nacht zum selben Haus in der Glockengießerstraße ausrücken. Nach 15 Minuten war das erste Feuer gelöscht, regelmäßige Brandkontrollen wurden nicht vereinbart. Doch vier Stunden später stand plötzlich das ganze Haus in Flammen — Glutnester hatten sich erneut entzündet. Die Staatsanwaltschaft attestierte der Feuerwehr später, keine Fehler gemacht zu haben.

Peer Hellerling