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St. Jürgen Asyl-Info geplatzt: Das plant die Stadt
Thema S St. Jürgen Asyl-Info geplatzt: Das plant die Stadt
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21:10 02.02.2016
Am Polarisweg in St. Hubertus will die Stadtverwaltung im Februar oder März 20 Container für insgesamt 80 Flüchtlinge aufstellen. Das Containerdorf soll dort drei Jahre lang stehen. Die Verwaltung hält den Standort für geeignet. Die Gemeindediakonie übernimmt hier wie auch in den anderen 45 städtischen Unterkünften die Betreuung. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat, Tomma Petersen, Kwl
St. Jürgen

Das hat es noch nie gegeben: Wegen Überfüllung eines Veranstaltungsraumes musste die Verwaltung am Montagabend eine Informationsveranstaltung zu einer geplanten Asylunterkunft in St. Hubertus abbrechen. „Wir haben mit maximal 200 Bürgern gerechnet“, erklärt Sozialsenator Sven Schindler (SPD). Bei den bisherigen Info- Veranstaltungen auf Marli, in Schlutup oder im Ausbildungspark Blankensee seien in der Regel um die 100 Bürger gekommen. Eine Ausnahme stellt die Gemeinschaftsunterkunft Ostseestraße in Travemünde dar. Beim dortigen Info-Treffen waren 600 Bürger. Aber die Einrichtung ist auch fünf Mal größer als das geplante Containerdorf auf St. Hubertus. Schindler hält es für möglich, „dass das Interesse und die Fragen zur Flüchtlingsunterbringung nach den Vorfällen in Köln gestiegen ist“.

Schon eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn stauten sich Fahrzeuge auf dem Falkenhusener Weg vor der Gemeinde, es gab kein Vor und Zurück. Sämtliche Sitzplätze in der Kirche waren bereits vergeben — Hunderte Menschen standen in einer Schlange vor St. Augustinus und versuchten, in das Gebäude zu gelangen. Während Schindlers einleitender Worte hallten bereits laute Pfiffe und Buhrufe durch die Kirche. „Lauter, wir hören nichts“, riefen die Menschen in der Schlange, wobei einige Besucher sogar wütend gegen die Kirchentüren schlugen.

Als Ulrich Kewitz vom Bereich Soziale Sicherung Zahlen und Fakten zur Flüchtlingssituation nannte, drang eine Anwohnerin durch die wartende Menge in das Gebäude: „Es kann nicht angehen, dass wir ausgeschlossen werden, nur weil Sie nicht in der Lage waren, einen größeren Raum zu besorgen“, rief sie erbost. Trotz mehrerer Versuche, die Zuschauer zu beruhigen und die Veranstaltung in zwei Gruppen aufzuteilen, sah sich Schindler gezwungen, den Infoabend nach wenigen Minuten abzubrechen. „Die Fluchtwege sind versperrt, das ist nicht tragbar.“

Am kommenden Freitag unternehmen Verwaltung, Gemeindediakonie und das Koordinierungsbüro Wirtschaft in Lübeck (KWL) einen neuen Anlauf, um die Bürger in Kenntnis zu setzen. Die Veranstaltung findet in der Aula der Grund- und Gemeinschaftsschule St. Jürgen, Außenstelle Mönkhofer Weg 95 (16 Uhr), statt. Dort gebe es Platz für 300 Bürger.

Und das plant die Stadt: Auf dem städtischen P&R-Platz St. Hubertus werden 20 sogenannte Neustädter Häuschen aufgestellt. In jedem Häuschen können bis zu vier Flüchtlinge wohnen. Das Containerdorf hat maximal Platz für 80 Asylbewerber. Dazu kommen weitere Häuser für Gemeinschaftsräume und Betreuerbüros. Die Aufstellung soll je nach Wetterlage im Februar oder März erfolgen. Die Nutzungsdauer beträgt drei Jahre. Der Standort ist aus Verwaltungssicht geeignet, es gebe Einkaufsmöglichkeiten, Busverbindungen und Schulen sowie Kitas in der Nähe.

Neustädter Häuschen, wie sie im Bornkamp bereits aufgestellt werden, können in einem Stück per Tiefladen geliefert und mit Hilfe eines Kranes aufgestellt werden. Jede Einheit hat eine eigene Küchenzeile sowie Sanitäranlagen. In den Gemeinschaftshäusern befinden sich Waschmaschinen und Trockner. Die Betreuung übernimmt die Gemeindediakonie, die vor Ort mit zwei Betreuern ist — montags bis freitags tagsüber. Die Flüchtlinge verbringen durchschnittlich neun Monate in den Containern. Schindler: „Wir beabsichtigen eine Mischung von Alleinstehenden und Familien, aber wir erhalten Informationen über die Flüchtlinge erst zehn Tage vor der Zuweisung.“

Weitere Unterkünfte
2379 Schutzsuchende sind aktuell in den städtischen Unterkünften untergebracht. Von den 2379 Flüchtlingen wohnen 831 in Hotels und Ferienwohnungen, der Rest lebt in den 45 Gemeinschaftsunterkünften.
210 Flüchtlinge wurden der Stadt im Januar vom Land zugewiesen. Im November und Dezember waren es jeweils rund 500. Im Januar 2015 kamen 80 Schutzsuchende.
300 neue Plätze entstehen gerade an verschiedenen Standorten. 64 Plätze im Containerdorf in der Schlutuper Straße auf Marli, wo in der nächsten Woche der zweite Bauabschnitt startet. 80 Plätze im Ausbildungspark Blankensee, wo die Stadt einen weiteren Kasernenblock in Betrieb nimmt. Rund 110 Plätze werden Mitte Februar im Bornkamp bezugsfertig, die gleiche Zahl folgt später. 60 Plätze entstehen im Containerdorf in der Schlutuper Fabrikstraße. Im März will die Verwaltung an drei noch nicht öffentlich benannten Standorten 360 Plätze schaffen.

Tomma Petersen und Kai Dordowsky

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