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St. Jürgen Die große Schau der betagten Kisten
Thema S St. Jürgen Die große Schau der betagten Kisten
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19:16 27.04.2015
Mit Charme und Melone: Reinhard Koops (65) aus Hamburg zeigt seinen Citroen 11 CV. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn
St. Jürgen

Das kleine Vorzelt des lilafarbenen Wellblech-Citroen HY-Lieferwagens aus dem Jahre 1970 — in Fachkreisen liebevoll „französische Dauerwelle“ genannt — ist eine beliebte Anlaufstelle. Und das liegt nicht nur an den Espressi oder Panini, die Besitzer Uwe Quentmeier (60) aus dem Wageninnern reicht. Nein, Vordächer und Unterstände aller Art sind beim Oldtimertreffen am Sonntag im Ausbildungspark Blankensee so beliebt, weil sie Schutz vor dem Regen bieten. Wettergott Petrus hält sich nur am Vormittag mit den Niederschlägen zurück.

4500 Interessierte lassen sich dennoch nicht abhalten. „Wegen des Regens waren es etwa 500 Besucher weniger als erwartet“, schätzt Georg Sewe, Chef des Deutschen Automobil-Veteranen- Clubs (DAVC), Landesgruppe Ostsee. Der Organisator ist reichlich durchnässt — wie auch die vielen Aussteller, Händler und Besucher. Die zücken immer wieder ihre Digitalkameras und fotografieren die alten Kisten:

VW-Bullis, ein Goggomobil, Trecker, schweres Gerät, aber auch superlange amerikanische Schlitten. Nur zu gern geben die Besitzer der etwa 1000 Old- und Youngtimer Auskünfte.

Auf sehr passende Weise präsentiert Reinhard Koops aus Hamburg seinen Citroen 11 CV, Baujahr 1953. Er trägt dunklen Anzug, Weste sowie eine schwarze Melone auf dem Haupt — passend zur Farbe seines Schmuckstücks. Und er zeigt die Original-Fahrzeugpapiere vor. „Bis auf die Benzinpumpe ist alles im Originalzustand“, erklärt Koops stolz. Auf etwa 15000 Euro schätzt der Hamburger den Wert seines Oldtimers. Ein paar Meter weiter steht Henning Wendt (37) aus Lübeck mit seinem 3,8-Liter-Sechszylinder, 92 PS starken Chevrolet-Pickup. Für ein Erinnerungsfoto mit dem Wagen posieren Deike Reimers (44) und Juliana Lenk (27).

Hingucker sind sie eigentlich alle, aber einige Veteranen sind Besuchermagneten. Darunter das weiße, kleine Goggomobil von Frank Hartje (66). 15 PS hat der schmucke Oldtimer. „Ich liebe diesen Zweitakter“, sagt Hartje, „alles ist noch so schön überschaubar.“ Aber nicht nur die ältere Generation weiß Auskunft zu erteilen. Auch der zehnjährige Raphael erweist sich als Experte. Er sitzt hinter dem Steuer des ältesten Wagens, einem Ford A aus dem Jahre 1928. Der gehört zwar Fabian Rose (33) aus Lübeck, aber über die Details weiß Raphael genauestens Bescheid: „Das ist noch einer mit einem roten Lenkrad aus Gummi.“ Auf einer italienischen Moto-Guzzi ist Michael Thabe angereist. Etwa 8000 Euro sei das Zweirad wert, so der 53-jährige Lübecker. „Immerhin hat sie eine in England gebaute Seifenkiste.“ Womit Thabe den schmucken Beiwagen meint.

Zweifelsfrei sind die Oldtimer das Herzstück des Treffens. Aber auch der Teilemarkt ist gut besucht: Die Besucher stöbern zwischen alten Motorradzeitschriften, Mercedes-Sternen, Lenkrädern oder Gewindeschneidzeug in allen Varianten. Heiß begehrt sind diese Schätze — da stört auch kein Regen.

„Wegen des Regens waren es 500 Besucher weniger.“
Gerd Sewe vom DAVC

Rüdiger Jacob

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