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Studieren in Lübeck Gründercubes: Hier werden aus Ideen Firmen gemacht
Thema S Studieren in Lübeck Gründercubes: Hier werden aus Ideen Firmen gemacht
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22:47 07.07.2015
Stiftungsprofessor Christian Scheiner (l.) und Institutsleiter Uni-Professor Thorsten Buzug (M.) sind von der Gründungsidee des Trios Klaas Rackebrandt (v.l.), Anselm von Gladiß und Matthias Weber überzeugt. Fotos (2): Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Sie kennen sich aus ihrem Lübecker Uni-Institut und haben sich nun als Team zusammengefunden — Klaas Rackebrandt, Anselm von Gladiß und Matthias Weber — um eine Idee in die Tat umzusetzen und mit ihr demnächst eine eigene Firma gründen zu wollen. „Die Idee ist überragend“, sagt dazu einer, der sich auf jeden Fall auskennt. Christian Scheiner ist schließlich neuer Stiftungsprofessor für Unternehmertum — auch Entrepreneurship genannt — an der Universität zu Lübeck. Zusammen mit seinem Kollegen Prof. Jürgen Klein von der Fachhochschule Lübeck hat er sein Büro in den auffälligen, roten Gründercubes auf dem Campus im Schatten der Phalanx der Gebäudereihe der markanten Multifunktions-Center (MFC).

„Vor zirka vier Wochen habe ich den Business-Plan des Trios zum ersten Mal gesehen und studiert, also den ausführlichen Geschäftsplan, der aufzeigt, auf welchem Fundament sich das Unternehmen strategisch entwickeln will“, sagt der Experte. Und aus der Lektüre sowie aus den Gesprächen mit den jungen Akteuren habe er den festen Eindruck gewonnen, dass drei wichtige Voraussetzungen für den Erfolg erfüllt seien: „Ihre Fähigkeiten ergänzen sich sehr gut; zudem haben sie das notwendige kaufmännische Bewusstsein, und sie lassen es nicht an nötiger Sorgfalt vermissen.“

Was die Mitarbeiter des Instituts für Medizintechnik vorhaben, kann aber nicht im Detail verraten werden. Es geht um das Hightech- Bildgebungsverfahren „Magnetic Particle Imaging“ (MPI), das zum Beispiel zur Diagnostik bestimmter Krebsleiden zum Einsatz kommt. „Die entscheidende Idee dazu kam mir beim Lauf-Training“, erzählt Hobby-Triathlet Matthias Weber, „mein Einfall könnte das nötige Lese-Scannergerät für das Verfahren in der Herstellung dramatisch verbilligen und weiterhin optimieren“, so der Doktorand.

Sein Doktorvater Prof. Thorsten Buzug, der das Institut leitet, freut sich über die Initiative, ist aber nicht überrascht. „Wir leben in unserem Hause eine echte Gründungskultur und erspüren in regelmäßigen Besprechungen, wie wir aus unseren Forschungsergebnissen den Technologietransfer und damit Ausgründungen befördern können.“ Ihm könne doch nichts Besseres passieren, formuliert er. „Denn erstens ist das eine tolle Motivation für die Arbeit der jungen Leute; und zweitens gewinne ich stets einen neuen Industriekontakt für unser Hochschul-Institut dazu, so dass unser Kooperations-Netzwerk wachsen kann“, so Buzug.

Bis die Firma jedoch endgültig steht, müssen noch diverse Vorarbeiten geleistet werden. Deshalb baut das Trio ab nächstem Frühjahr erstmal auf ein Gründer-Stipendium aus dem Exist-Förderprogramm des Bundes. „Die wichtige Finanzierung läuft dann als Starthilfe über 18 Monate, so dass wir erst im Herbst 2017 mit dem eigenen Unternehmen auf uns allein gestellt wären“, kalkulieren die Uni- Absolventen. Seit der Einweihung des ersten Gründercubes 2012 sind auf dem Campus übrigens schon 17 Firmen gegründet worden.

Zweiter Gründercube
2012 eröffnete der Gründercube I. Jetzt konnten Uni und Fachhochschule direkt daneben den Gründercube II einweihen. Damit erhalten Hochschulangehörige und Absolventen, die mit Ideen zu Firmenausgründungen den Weg in die Selbstständigkeit gehen wollen, ein erweitertes Zuhause. Die Possehl-Stiftung und die gemeinnützige Sparkassenstiftung unterstützten den Pavillonbau mit insgesamt 210000 Euro.

Michael Hollinde