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Studieren in Lübeck Handy-App soll Übergewichtigen helfen
Thema S Studieren in Lübeck Handy-App soll Übergewichtigen helfen
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10:51 16.11.2016
Aus den Händen von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (v. l.) nehmen Kerstin Oltmanns, Malte Fentroß und Axel Schulz den Preis entgegen. FOTO: UZL
Lübeck

Schon vor zwei Jahren stand Professorin Kerstin Oltmanns bei der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs Schleswig-Holstein in Kiel auf der Bühne. „Dass es dieses Jahr wieder etwas geworden ist, freut mich natürlich sehr“, sagt die Leiterin der Sektion für Psychoneurobiologie der Universität zu Lübeck.

Doch im Gegensatz zu 2014, als sie in der Kategorie „BioMed“ zusammen mit Hochschul-Kollegen nach vorne gerufen wurde, ging es diesmal um eine Idee, die sie außerhalb des Campus entwickelt hat. „Im privaten Setting sozusagen“, wie sie betont. Mit dem Ziel, ein interaktives und internetbasiertes Therapieprogramm inklusive Handy-App zur nachhaltigen Gewichtsabnahme anzubieten, errang Oltmanns mit Malte Fentroß und Axel Schulz den Sonderpreis in der Kategorie „Informationstechnologie“.

„Wir haben immer mehr Übergewichtige, allein in Deutschland 26 Millionen Menschen“, argumentiert die Forscherin, „und den gängigen Therapieoptionen, insbesondere Diäten, fehlt die Nachhaltigkeit, wie wir aus unzähligen Studien inzwischen wissen.“ Und man könne ja nicht jedem Adipösen operativ den Magen verkleinern.

Deshalb setzt das Dreier-Team darauf, dass die Nutzer der Applikation für das Mobiltelefon ihr Essverhalten mittelfristig ändern und sich somit das Wohlfühlgewicht von allein einstellt. So sollen die Handy-Nutzer zum Beispiel drei Mahlzeiten am Tag einhalten; Light-Produkte, die vorgaukeln, man dürfe mehr von ihnen konsumieren, sollen nicht mehr automatisch im Einkaufskorb landen, und so weiter.

„Psychologische Faktoren spielen bei der Nahrungsaufnahme eine sehr große Rolle; so dient das Essen häufig auch der Emotionsregulation, als Tröster, gegen Stress, als Belohnung oder bei Langeweile“, erklärt die Wissenschaftlerin. Deshalb sei es für Übergewichtige entscheidend, wieder ein normales Verhältnis zum Essen zu bekommen und vor allem das Hunger- und Sättigungsgefühl zu schulen.

„Wir setzen entsprechend nicht auf das Zählen von Kalorien; wir wollen stattdessen mit unserer App in spielerischer Art und Weise ein Lernprogramm anbieten und ein Rüstzeug für den Alltag geben“, erläutert Malte Fentroß, der an der Lübecker Uni Medizinische Informatik studiert und sich mit zwei App-Entwicklungsfirmen bereits selbstständig gemacht hat.

Eine Unternehmensgründung ist für das Ende der Entwicklungsphase geplant. Und die Marktreife des Programms ist für Anfang 2017 angestrebt. „Wer die App nutzt, wird monatlich höchstwahrscheinlich weniger als einen Euro bezahlen“, kündigt Projektentwickler Axel Schulz an. mho Für die Entwicklung der App werden noch Testpersonen gesucht, die sich auf www.nupp.tech registrieren lassen können.

LN