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Fit & Gesund Betreuung von Schmerzpatienten am UKSH
Thema Specials Fit & Gesund Betreuung von Schmerzpatienten am UKSH
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11:25 19.03.2019
Chronische Schmerzen können die Lebensqualität einschränken. Quelle: Foto: BigBlueStudio/stock.adobe.com
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Lübeck

Ein kurzer und heftiger Schmerz durchzuckt den Körper, wenn die Hand aus Versehen eine heiße Herdplatte berührt oder wenn eine falsche Bewegung dafür sorgt, dass ein scharfes Messer einen Finger verletzt. „Das sind typische Beispiele für akute Schmerzen“, erklärt Prof. Dr. Carla Nau, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am UKSH, Campus Lübeck. „Diese Schmerzen schützen uns, weil sie auf Reize hinweisen, die dem Körper schaden können.“

Akute Schmerzen sind jedem Menschen bekannt. Chronische Schmerzen aber, unter denen ungefähr acht Millionen Bundesbürger leiden, haben ihre Leit- und Warnfunktion verloren und einen selbständigen Krankheitswert erlangt.

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„Die Ursachen chronischer Schmerzen sind nicht mehr ohne weiteres erkennbar. Sie können sich aus zurückliegenden Verletzungen, Operationen oder Erkrankungen entwickeln, die längst ausgeheilt scheinen“, sagt die Professorin. Und so werden die Schmerzen zu einem eigenständigen Krankheitsbild. Sie entstehen durch Wechselwirkungen körperlicher, psychischer und sozialer Vorgänge. Auf jeden Fall sind sie echt und nicht eingebildet.

„Die Angst, körperliche Aktivität könnte von Schaden sein und die bestehenden Schmerzen verschlimmern, führt bei chronischen Schmerzpatienten häufig zu Inaktivität und Schonverhalten mit der Folge sozialen Rückzugs und Vereinsamung. Viele Patienten verändern sich in ihrem emotionalen Befinden, oft in Richtung von Niedergeschlagenheit und Resignation“, führt die Klinikdirektorin aus. Das Wissen um diese Zusammenhänge war einer der Gründe, warum im vergangenen Jahr am UKSH die interdisziplinär und multimodal arbeitende Schmerztagesklinik ihren Betrieb aufgenommen hat. Interdisziplinär, weil in ihr verschiedene Fachärzte, Psychologen, psychologische Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Fachpflegekräfte und Arzthelfer arbeiten. Multimodal, weil den Patienten unterschiedliche Therapiemaßnahmen angeboten werden, die für den Patienten aufeinander abgestimmt sind.

„Wir können noch keine wissenschaftlich fundierten Zahlen vorlegen“, sagt Carla Nau, „aber die ersten Ergebnisse und Erfahrungen sowie die Resonanz der Patienten ist sehr positiv.“ Fünf Wochen lang dauert das Programm, fünf Tage pro Woche, immer werktags von 8 bis 15 Uhr. Die Behandlung erfolgt in Gruppen von acht Patienten. „Nicht jeder chronische Schmerzpatient eignet sich für das Programm. Daher erklären wir unsere Arbeit in einer rund einstündigen Infoveranstaltung hier bei uns im Zentralklinikum“, sagt Prof. Dr. Michael Hüppe, leitender Psychologe der Klinik. Die nächsten Termine: 20. März, 17. April und 15. Mai jeweils um 16.30 Uhr. Wer daran teilnehmen möchte, kann sich unter Tel. 0451/ 500 40761 anmelden.

Bevor ein Patient oder eine Patientin ins Programm aufgenommen wird, erfolgt bei einem ersten Termin ein sogenanntes Assessment. Dort wird von jeder Fachrichtung ein intensives und persönliches Gespräch sowie eine Evaluation vorgenommen. „So machen wir uns ein genaues Bild von den Patienten und entscheiden dann gemeinsam, ob ein Patient grundsätzlich für die Behandlung in unserer Schmerztagesklinik geeignet ist und voraussichtlich von dem Programm profitieren wird“, erklärt die Professorin das Vorgehen.

Eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme ist auch ein gewisser Grad an Mobilität, um zum Beispiel am physiotherapeutischen Programm teilnehmen zu können.

In der engen räumlichen und fachlichen Vernetzung sieht die erfahrene Klinikdirektorin einen wesentlichen Erfolgsfaktor: „Grundsätzlich könnten sämtliche Behandlungselemente auch ambulant erfolgen. Das multimodale Programm in der Lübecker Schmerztagesklinik bietet jedoch entscheidende Vorteile: Die Therapieintensität ist hoch, zudem können die Behandlungselemente der unterschiedlichen Disziplinen individuell aufeinander abgestimmt werden. Alle Mitglieder des Behandlungsteams sind vor Ort und tauschen sich regelmäßig über die Behandlungsfortschritte und -verläufe aus. Außerdem erfahren die Patienten durch die Behandlungselemente in der Gruppe Unterstützung, Austausch, Verständnis und Motivation von anderen Patienten.“

Im Anschluss an das umfassende Programm in der Schmerzklinik sind die Patienten in der Lage, das Gelernte zu Hause im Alltag selbstständig umzusetzen. Dabei soll sie zukünftig auch eine App für das Smartphone unterstützen.

Nach Ablauf eines halben Jahres wird eine sogenannte „Booster-Woche“ in der Schmerztagesklinik angeboten. „Die Patienten kommen dann für eine weitere Woche zu uns und frischen das Gelernte auf“, erläutert die Klinikdirektorin Carla Nau. „Wir können bisher sagen, dass bei sehr vielen Patienten in den Monaten nach dem Programm noch einmal eine weitere Verbesserung eingetreten ist und dauerhaft eine Reduktion von Schmerzmedikamenten erreicht werden kann.“

Campus Lübeck

Tel. 0451/ 500-0

www.uksh.de

Holger Schöttelndreier

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