Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Fit & Gesund Das Endoprothesenzentrum am UKSH
Thema Specials Fit & Gesund Das Endoprothesenzentrum am UKSH
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:47 18.03.2019
Wenn jede Bewegung schmerzt, kann ein künstlicher Gelenkersatz unvermeidbar werden.
Wenn jede Bewegung schmerzt, kann ein künstlicher Gelenkersatz unvermeidbar werden. Quelle: Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com
Anzeige
Lübeck

Es gibt genau einen richtigen Zeitpunkt über den verschleißbedingten Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks nachzudenken“, sagt Prof. Dr. Martin Russlies, stellvertretender Leiter des zertifizierten Endoprothesenzentrums der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am UKSH, Campus Lübeck. „Das ist der Punkt, an dem die Schmerzen die Lebensqualität zu sehr beeinträchtigen. Wann der erreicht ist, das kann eigentlich nur der Patient selbst entscheiden.“ Aber der Professor sagt auch, dass das hochspezialisierte Team des Zentrums unter dem Klinikdirektor Prof. Dr. Christian Jürgens und dem Chefarzt sowie stellvertretenden Klinikdirektor, Prof. Dr. Andreas Paech bei der Entscheidungsfindung maßgebliche Hilfestellungen anbieten kann.

„Die moderne Endoprothetik aller großen Gelenke, wie sie hier am Zentrum praktiziert wird“, so Russlies, „ist weit entfernt von dem, was noch vor zehn Jahren gängige Praxis war.“ Und der Professor nennt die zwei entscheidenden Punkte: „Die Patienten gehen sehr viel fitter in die Reha, weil wir diese Eingriffe am UKSH – soweit möglich – grundsätzlich minimalinvasiv vornehmen. Deswegen müssen keine Muskeln mehr durchtrennt werden, die ja maßgeblich die Funktion des Gelenks unterstützen. Mit der gemeinhin auch als Schlüssellochtechnik bekannten Methode können operierte Patienten schon am Tag nach der Operation wieder fest auftreten. Und der zweite Punkt sind die deutlich besseren und auch haltbareren Prothesen.“

Die minimalinvasive Operationstechnik am Hüftgelenk wurde vor etwa zehn Jahren von Prof. Andreas Paech und Dr. Felix Renken nach Lübeck gebracht. Dr. Renken ist heute neben dem Zentrumsleiter Dr. Hagen Mittelstädt und Prof. Russlies einer der drei Haupt-Operateure des Endoprothesenzentrums. Einer aus diesem Trio muss immer dabei sein, wenn jährlich etwa 350 Patienten für eine neue Hüfte auf den OP-Tisch kommen. Bei 100 dieser Patienten erfolgt der Eingriff, weil die alte Prothese ausgetauscht werden muss.

„Zu den großen Erfolgen der Endoprothetik gehört ganz sicher auch die moderne Kurzschaftprothese“, erklärt Dr. Dominik Vogt, Assistenzarzt im Zentrum. „Ihr Vorteil besteht darin, dass der Schaft, mit dem das künstliche Gelenk im Knochen fixiert wird, kürzer ist als bei einer Standardprothese. Dadurch können wir gerade auch im Hinblick auf spätere Eingriffe wertvolles Knochenmaterial erhalten.“ Doch nicht nur die Schaftlänge ist bei den einzelnen Prothesen unterschiedlich, auch die Materialien, mit denen Kopf und Pfanne beschichtet sind. „Besonders langlebig ist die Variante mit doppelter Keramikbeschichtung“, erklärt Dr. Mittelstädt. „Sie hat aber den Nachteil, dass sie bei schweren Stürzen anfälliger ist.“ Die Spezialisten im Endo-Zentrum analysieren deswegen im Gespräch mit dem Patienten auch genau dessen Lebensgewohnheiten und Gesundheitszustand. „In vielen Fällen“, sagt Mittelstädt, „kann eine Keramik-Kunststoff-Kombination die bessere Gleitpaarung sein.“

Warum die schützende Knorpelschicht zwischen Kopf und Pfanne überhaupt verschleißt, kann die Medizin heutzutage schon sehr viel präziser einkreisen als noch vor 30 Jahren. „Wir wissen, dass oftmals ganz diskrete Fehlstellungen vorliegen. Häufig ist die Überdachung des Hüftkopfes bei einer Hüftdysplasie zu gering oder der sogenannte Kopf-Hals-Übergang ist deformiert, so dass das Gelenk schneller abnutzt. Erste Beschwerden treten dann bereits mit 35 oder 40 Jahren auf“, erklärt Prof. Russlies. „Wenn man die frühzeitig erkennt, kann man dann diese Deformität operativ korrigieren und so einer Arthrose vorbeugen.“ Für Kinder gibt es heute deswegen gesetzlich vorgeschriebene Ultraschalluntersuchungen.

Deformitäten am Kopf-Hals-Übergang müssen allerdings nicht angeboren sein, sie können auch erworben werden. Fußball, Hockey und vor allem Eishockey auf Leistungsniveau gelten neben verschiedenen Kampfsportarten als Risikofaktoren. „Bewegungsschmerzen in der Leistengegend, die sogar ins Bein ausstrahlen können, sind immer ein Warnsignal, das ernst genommen werden sollte“, sagt Russlies. „Je früher die Problematik erkannt wird, desto besser sind die Therapiemöglichkeiten.“

Aber auch gerade für ältere Personen und Menschen mit schweren Vorerkrankungen ist das Endoprothesenzentrum der Klinik am Campus Lübeck der richtige Ansprechpartner, wenn es um einen Gelenkersatz, eine Wechseloperation nach einer Prothesenlockerung oder Komplikationen geht. Gerade auch die hohe Versorgungsqualität der komplizierten Fälle wurde neben den Standardversorgungen vom externen Expertenteam anlässlich der Zertifizierung zum Endoprothesenzentrum besonders gelobt. „Wir arbeiten mit vielen Fachbereichen interdisziplinär zusammen“, führt Zentrumsleiter Dr. Hagen Mittelstädt aus. „Wir können geeignete Maßnahmen treffen, dass Menschen überhaupt operiert werden können. Und wir sorgen natürlich auch dafür, dass der erste Eingriff sitzt, denn das ist ganz wesentlich für die Lebensqualität mit einem neuen Kunstgelenk.“

Campus Lübeck

Tel. 0451/ 500-0

www.uksh.de

Holger Schöttelndreier