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Fit & Gesund Der diabetische Fuß
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15:30 07.03.2019
Bei einer Diabetes-Erkrankung muss den Füßen ganz besondere Aufmerksamkeit und viel Pflege gewidmet werden. Quelle: Sana Kliniken Lübeck
Lübeck

Im Durchschnitt geht der Mensch etwa 5000 Schritte pro Tag. Wie wichtig dabei die Füße sind und welche tägliche Schwerstarbeit sie zu verrichten haben, wird aber oft erst bewusst, wenn die Füße schmerzen oder verletzt sind.

Kleine Wunden am Fuß werden oft selbst mit Pflastern und Wundsalben behandelt, der Fuß wird entlastet in der Hoffnung, dass die Wunde von selbst heilt. Bei gesunden Menschen ohne Zuckerkrankheit (Diabetes) ist das meist immer richtig. Der Körper kann sich selbst helfen und verschließt die Wunden von alleine. Bei Menschen mit Diabetes ist es anders. Bei ihnen kann eine zunächst harmlos erscheinende Wunde zur Zeitbombe werden, die jederzeit explodieren kann, das heißt die Wunde verschlechtert sich plötzlich und wird mit Keimen infiziert. Eine Blutvergiftung (Sepsis) droht. Das Gewebe rund um die Wunde wird immer weiter zerstört. Im schlimmsten aller Fälle muss der Fuß sogar amputiert werden.

Warum ist der Fuß beim Diabetiker so gefährdet?

Das Alarmsignal Schmerz kann durch diabetische Nervenschäden (Polyneuropathie) fehlen. Ohne Alarm wird die Gefahr nicht ernst genommen.

Diabetiker haben häufig Durchblutungsstörungen. Ohne ausreichende Durchblutung kann eine Wunde nicht gut heilen.

Durch sehr trockene Füße und Druckstellen bildet sich viel Hornhaut, die einreißen kann. Über diese Einrisse kommen Keime ins Gewebe und führen zu einer Infektion.

Durch die Polyneuropathie spüren die Patienten ihre Füße kaum. Sie tragen daher oft zu enge Schuhe, da sie sich darin gangsicherer fühlen. Es entstehen Druckstellen und Scheuerblasen, die zu einer schmerzlosen Wunde werden.

Bei Diabetes ist das Immunsystem geschwächt und Wunden heilen schlechter als bei gesunden Menschen. Deshalb sollten auch kleinste Verletzungen rechtzeitig medizinisch behandelt werden.

Wie kann einem diabetischen Fußsyndrom vorgebeugt werden?

Häufig beginnen die Probleme mit Bagatell-Verletzungen, etwa einem verstauchten oder anderweitig verletzten Fuß. Auch zu enge Schuhen verursachen häufig Blasen und schwer heilende Wunden. Aufgrund von diabetischen Nervenschäden nehmen viele Diabetiker die Körperregionen unterhalb der Knie gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt wahr, dies gilt auch für das Schmerzempfinden. Aus diesem Grunde muss bei Diabetikern regelmäßig auf die Füße geschaut und auch eine vermeintliche Bagatell-Verletzung – der Mediziner spricht von Trauma – ernst genommen und genau untersucht werden. Denn diabetische Wunden am Fuß – das sogenannte diabetische Fußsyndrom – gehören zu den schlimmsten Folgeschäden des Diabetes.

„Jeder diabetische Fuß und jede Wunde hat ein individuelles Risikoprofil. Die Wunde ist oft nur die Spitze des Eisberges. Wir müssen vor allem verstehen, welche Risikofaktoren überhaupt zum Eisberg geführt haben. Nur so können wir richtig behandeln und neue Wunden hoffentlich vermeiden“, sagt Dr. Beate Fischer, Leiterin des Diabeteszentrums an den Sana Kliniken Lübeck.

„Jeder Diabetiker sollte sich jeden Tag ein paar Minuten Zeit für seine Füße nehmen“, rät die Ärztin. „Die Füße sollten am besten abends beim Ausziehen kontrolliert werden. Schauen Sie sich Füße und Fußsohlen an und tasten Sie diese auf Hornhaut, rissige Haut, Schwielen sowie Blasen ab und achten Sie auf Wunden, Blut oder Sekret.“ Bei Wunden sollte eine Selbstbehandlung unbedingt vermieden werden, warnt die Diabetologin, die auch Fachärztin für Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Gastroenterologie, Geriatrie, Palliativ- und Ernährungsmedizin ist. „Stattdessen sollten Patienten schnellstmöglich den Hausarzt oder den Diabetologen kontaktieren.“

Schwerpunkt am Diabeteszentrum der Sana Kliniken Lübeck

„Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in einer auf die Besonderheiten jedes einzelnen Patienten abgestimmten Diagnostik und Therapie des Diabetes sowie seiner Folge- und Begleiterkrankungen. Einer unserer Behandlungsschwerpunkte ist das diabetische Fußsyndrom, das wir interdisziplinär mit der Angiologie, Radiologie und Gefäßchirurgie therapieren“, erläutert Dr. Beate Fischer die Arbeit des Diabeteszentrums.

Fußpflege bei einer Diabetes-Erkrankung

Bei der Fußpflege müssen an Diabetes erkrankte Menschen besonders umsichtig sein. Am Diabeteszentrum der Sana Kliniken Lübeck bekommen Patienten und ihre Angehörigen auf Wunsch eine Anleitung zu r richtigen Fußpflege. So ist die Fußpflege mit scharfen Gegenständen wie einer Nagelschere, Nagelknipser oder einem Hornhauthobel bei Diabetikern mit Polyneuropathie und Durchblutungsstörungen tabu. Durch das fehlende Schmerzempfinden werden Verletzungen wie zum Beispiel eine Nagelbettentzündung nicht bemerkt. Die Durchblutungsstörung verhindert eine gute Wundheilung. Ein regelmäßiger Besuch eines Podologen (nicht Fußpfleger) wird empfohlen. Die Behandlung wird häufig von der jeweiligen Krankenkasse übernommen.

Die Füße sollten täglich mit einer Pflegecreme mit Harnstoff (Urea) versorgt werden. Die Creme spendet Feuchtigkeit und fettet nicht. Die Haut bleibt geschmeidig und damit weniger anfällig für Verletzungen.

Schuhe sollten von innen auf Druckstellen abgetastet werden. Sind harte Stellen, eindrückende Nähte oder durchgelaufene Sohlen vorhanden, muss der Schuh ausrangiert werden. Der Orthopädieschuhmacher fertigt für Diabetiker gepolsterte Schuhe in unauffälliger Optik, die den Füßen Halt geben und sie schützen. Die Krankenkasse übernimmt auch hier meist einen Teil der Kosten.

Diabeteszentrum Sana Kliniken Lübeck GmbH

Kronsforder Allee 71-73

23560 Lübeck

www.sana-luebeck.de/diabeteszentrum

N.N.