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Fit & Gesund Medizin nach Maß am UKSH
Thema Specials Fit & Gesund Medizin nach Maß am UKSH
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10:23 20.03.2019
Am neuen Zentrum für Präzisionsmedizin erforschen Mediziner Behandlungsstrategien, die individuell auf Patienten zugeschnitten sind. Quelle: Foto: Eugene/stock.adobe.com
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Lübeck

Präzisionsmedizin ist das genaue Gegenteil vom Prinzip Gießkanne. Statt der Hoffnung, dass irgendetwas von einem Medikament schon wirken wird, geht es um das genaue Wissen, welcher Wirkstoff in welcher Dosierung und welcher Kombination für den einzelnen Menschen das Beste bedeutet. Mit diesem Wissen ums Wesentliche hat sich das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein internationalen Ruf unter Fachleuten wie Patienten erworben. Und sieht sich trotzdem noch lange nicht am Ziel.

Fast genau ein Jahr ist es her, da unterschrieben Prof. Dr. Lutz Kipp für die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Prof. Dr. Gabriele Gillessen-Kaesbach für die Universität zu Lübeck sowie Prof. Dr. Jens Scholz für das UKSH in Kiel die Gründungsurkunde für den Verbund „Precision Health in Schleswig-Holstein“ (PHSH). Welch hoher Anspruch damit für die Medizin im Norden verbunden ist, formuliert Prof. Dr. Stefan Schreiber so: „Wir wollen auf dem Gebiet der Gesundheit genauso technologisch führend sein wie es Kiel im Schiffbau war und ist.“

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Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I und wissenschaftlich einer der profiliertesten Köpfe am UKSH, schuf mit dem von ihm vor zwölf Jahren mitbegründeten Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“ (Entzündungen an Oberflächen) die Basis für PHSH. Finanziell und personell gut ausgestattet, erforscht der Cluster mit seinen mehr als 300 Mitgliedern die Ursachen chronisch-entzündlicher Erkrankungen an Barriereorganen wie Haut, Lunge und Darm.

Ein wichtiges Anliegen des neuen Zentrums für Präzisionsmedizin ist es, die Forschung noch dichter ans Krankenbett zu bringen als bisher. „Das gelingt uns schon jetzt sehr gut“, betont Prof. Schreiber, der auch Sprecher des Exzellenzclusters ist. Besonders eindrucksvoll sind nach seiner Einschätzung die Erfolge bei der Behandlung von entzündlichen Erkrankungen des Darms und der Haut. „Das sind Organe, an denen einfach sehr gut zu sehen ist, ob und wie eine bestimmte Behandlung anschlägt“, nennt er einen wesentlichen Grund dafür.

Erhebliche Fortschritte wurden laut Prof. Schreiber bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erreicht. „Die Präzisionsmedizin macht es vorhersagbar, ob an einem bestimmten Patienten ein Medikament wirkt und wie es dosiert werden muss“, erläutert er. „Außerdem können wir viel besser einschätzen, welche Erfolgsaussichten Kombinationen mit anderen Medikamenten bringen würden.“

Was sich erst einmal ziemlich detailversessen anhören mag, hat für die Betroffenen enorme Konsequenzen, sagt der Wissenschaftler: „Sie erreichen unmittelbar nicht nur mehr Lebensqualität, sondern mehr Lebensgenuss.“ Lange Spaziergänge unternehmen, sportlich aktiv sein, mit den Enkelkindern spazieren gehen, all das kann wieder möglich sein, wenn es dank der maßgeschneiderten Medizin gelingt, die bestmögliche Therapie zu entwickeln. „Das geht über das Maß dessen hinaus, was wir uns vor noch gar nicht so langer Zeit hätten vorstellen können“, ordnet Stefan Schreiber das bisher Erreichte ein. Zudem ist Präzisionsmedizin nach seinen Angaben sogar kostengünstiger als herkömmliche Therapien, die oft auf teuren Annäherungen nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum beruhen.

Entscheidend für das Gelingen dieses Ansatzes ist aus Sicht des Experten das Zusammentreffen von sehr viel Wissen und sehr viel Erfahrung. Weil beides am UKSH in höchstem Maß vorhanden ist, hat Schleswig-Holstein nach Schreibers Überzeugung alle Perspektiven, seine Spitzenposition noch weiter auszubauen.

Geforscht wird am UKSH aktuell unter anderem an Therapien, bei denen der Aminosäure-Stoffwechsel beeinflusst werden kann. In Schach zu halten gilt es dabei die sogenannten Zytokine, die eigentlich für das körpereigene Abwehrsystem zuständig sind, aber auch als Botenstoffe für Entzündungen auftreten können.

Die Aussichten dieses Forschungsansatzes erscheinen durchaus hoffnungsvoll, doch Geduld sei dennoch weiterhin gefragt, meint der Professor: „Um entzündliche Krankheiten wie etwa Morbus Crohn heilen zu können, müssen wir noch ein paar mehr Schritte gehen als nur einen.“

Campus Lübeck

Tel. 0451/ 500-0

www.uksh.de

Martin Geist

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