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Fit & Gesund Shared Decision Making am UKSH
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15:02 11.03.2019
Patienten umfassend und verständlich informieren: Vor diesen Karren lässt sich Dr. Eckart von Hirschhausen gern spannen. Quelle: Foto: UKSH
Lübeck

Operieren, bestrahlen, medikamentös behandeln oder gar nichts tun. Bei vielen Diagnosen gibt es mehr als nur eine medizinisch begründbare Möglichkeit der Therapie. Mit dem Programm „Share to Care“ bietet das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein nun einen praxisnahen Leitfaden für die Kommunikation zwischen Ärzten, Patienten und auch Pflegepersonal. Das Ziel: Die Erkrankten so umfassend aufklären, dass sie gemeinsam mit den Behandlern die für sie am besten passende Therapie auswählen.

Mit 14 Millionen Euro fördert der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses das Vorreiterprojekt „Share to Care“ am UKSH: Im Fokus steht das sogenannte Shared Decision Making (SDM), also eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Patienten, an der alle relevanten Personen und Gruppen beteiligt sind. Beteiligt ist auch Dr. Eckart von Hirschhausen. Der medizinisch qualifizierte Kabarettist moderiert in Broschüren und Videoclips das Modellprojekt, das ganz nach seiner Kragenweite ist. Schließlich setzt sich auch von Hirschhausen seit Jahr und Tag dafür ein, gesundheitliche Themen verständlich und humorvoll unter die Leute zu bringen.

Projektleiter vor Ort ist der Psychologe Prof. Friedemann Geiger. Und der ist mit den bisher erreichten Fortschritten sehr zufrieden. Die Anfänge von „Share to Care“ reichen in den Herbst 2017 zurück, seither erreicht das Programm immer mehr Häuser auf dem Campus Kiel. Sollten in zwei Jahren die Ergebnisse so positiv ausfallen, wie das die bisherigen Erfahrungen hoffen lassen, wird das Modell auch dauerhaft auf den Campus Lübeck übertragen, verspricht Geiger.

Was die Vorgehensweise betrifft, denken der Projektleiter und sein Team nicht in einzelnen Kliniken, sondern in Einheiten. Beispielsweise liegt es nahe, die Kliniken für Urologie, für Innere Medizin und für Strahlentherapie gleichzeitig in „Share to Care“ einzubinden, weil sich die drei Fachbereiche bei bestimmten Krankheitsbildern überschneiden. „Bei Prostatakrebs kann man in vielen Fällen operieren, bestrahlen oder erst einmal abwarten“, nennt Prof Geiger ein Beispiel. Alle Varianten haben unterschiedliche Vor- und Nachteile für den Patienten. Hier ist es aus seiner Sicht nur fair und sinnvoll, den Patienten von Anfang an und so objektiv wie möglich darüber zu informieren. „Es kann nicht sein, dass jemand operiert wird, nur weil er vom Hausarzt in die Chirurgie eingewiesen wurde“, sagt Geiger.

Um Kommunikation auf Augenhöhe zu ermöglichen, unternimmt das Projekt-Team erhebliche Anstrengungen. An jeder Klinik werden für die häufigsten Erkrankungen umfangreiche Informationsmaterialien für Patienten entwickelt, die man jederzeit online ansehen kann. Eine Ärztin erläutert in diesen sogenannten Entscheidungshilfen die medizinischen Optionen zur Behandlung einer Krankheit, ein Pfleger berichtet über seine Erfahrungen, Patientinnen und Patienten erzählen wiederum von ihren persönlichen Erfahrungen. „Das ist keine Schauspielerei“, hebt Prof. Geiger hervor. „Alle gezeigten Mitarbeiter sind die jeweiligen Fachleute des UKSH für diese Erkrankung, und die Patienten wurden hier behandelt.“

Konkret angelaufen ist die Transparenz-Initiative bisher in der Neurologie und in der Nephrologie, die sich vor allem mit Nierenleiden befasst. Auch die Kardiologie und die Herzchirurgie sowie die Neurochirurgie sind bereits an Bord. Dabei wurden schon einige wertvolle Erkenntnisse gewonnen. „Es hat sich als sehr effektiv erwiesen, wenn die Patienten beim Durcharbeiten der Entscheidungshilfen von Pflegekräften unterstützt werden“, erklärt Prof. Geiger . Derartig vorbereitet, gehen die Patienten umfassend informiert in ein Arztgespräch, sodass dort viel mehr Zeit bleibt, um über die Kernfragen für eine optimale Entscheidung zu sprechen.

Und wie sieht es mit der Resonanz allgemein aus? „Alle sehen das als notwendig an“, hat der Projektleiter festgestellt. „Die Patienten finden das großartig. Sie haben schon lange auf diese Maßnahmen gewartet“, berichtet Prof. Geiger. In der Ärzteschaft teilen viele die Begeisterung.

Einige gehen unterdessen verhaltener an das Thema heran. Und das laut Prof. Geiger aus nachvollziehbaren Gründen: „Das Shared Decision Making erfordert erst einmal Zeit, um sich damit zu befassen. Und es macht veränderte Abläufe nötig. Am Anfang kostet es deshalb Energie, mittel- bis langfristig spart es aber Zeit, die für die individuellen Fragen der Patienten genutzt werden kann. „Zusätzlich sparen die Krankenkassen Geld durch besser passende Therapieentscheidungen“, betont der Professor.“

„Share to care“ kooperiert unter diesem Aspekt mit der Techniker Krankenkasse und der AOK, damit das ausführlichere ärztliche Gespräch an sich höher bezahlt und belohnt wird.

Ob sich die durchaus hohen Erwartungen an das Projekt erfüllen, soll überprüft werden, nachdem voraussichtlich im Herbst 2021 alle der mehr als 20 Kliniken in „Share to Care“ integriert sind.

Campus Lübeck

Tel. 0451/ 500-0

www.uksh.de

Martin Geist

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