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G7-Treffen 2015 G7: Stadt im Ausnahmezustand
Thema Specials G7-Treffen 2015 G7: Stadt im Ausnahmezustand
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22:39 15.04.2015
Rangelei in der Altstadt: Nach einem friedlichen Tag gab es am frühen Abend Scharmützel zwischen Polizei und Demonstranten. In der Königstraße gab es eine Festnahme. Quelle: Fotos: Malzahn
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Lübeck

Schwarze Staatskarossen donnern vom Flughafen in die Innenstadt, das Rathaus im Fahnenschmuck, Straßensperren, eine Demo zieht durch die Altstadtstraßen. G7: So einen Tag hat Lübeck noch nicht erlebt. Die Stadt ist im Gipfel-Fieber – und erweist sich als gute Gastgeberin. Selbst die Proteste blieben tagsüber bunt und friedlich, erst am Abend gab es Krawall mit Verletzten und Festnahmen.

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Die G7, die Außenminister der sieben wichtigsten Industriestaaten, haben die Weltpolitik in die Hansestadt gebracht. Eine „Stadt der Schönheit und des Geistes“ nennt SPD-Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Lübeck, als er am Abend seine Kollegen aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan sowie die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bei einem Festakt samt Abendessen im Rathaus begrüßt. Heute kommt noch US-Außenminister John Kerry dazu, dann soll es im Hansemuseum an die harte inhaltliche Arbeit gehen: Wie kann der Frieden in der Ukraine hergestellt und gesichert, wie können die IS-Terroristen gestoppt werden, was wird aus dem Atomabkommen mit dem Iran?

Kontakt mit den Bürgern: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (2.v.r.) und Bürgermeister Bernd Saxe (r.) vor dem Rathaus.


Bis dahin kamen sie allerdings nicht. 3500 Polizisten sind in der Stadt zum Schutz des G7-Treffens stationiert, das Rathaus ist weiträumig abgesperrt, eine Hochsicherheits-Zone. Schon auf dem Weg dahin gerieten die Krawallmacher mit den Beamten aneinander. Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper flogen. Auf dem Schrangen gab es die erste Festnahme, mindestens zwei weitere folgten, die Protestbewegung „Occupy“ spricht sogar von elf Festnahmen. In der Breiten Straße kam es zu heftigen Rangeleien. In der Dankwartsgrube ging ein Müllcontainer in Flammen auf. An der Ecke Beckergrube/Untertrave und an der MuK kesselte die Polizei schließlich rund 100 Demonstranten eine halbe Stunde lang ein, erst dann beruhigte sich die Lage wieder. Die Polizei ließ da schon keine Autos mehr in die Innenstadt hinein.

Tagsüber war es in der Stadt hingegen ruhig gewesen wie selten zuvor. Viele Geschäftsinhaber hatten ihre Läden gar nicht erst geöffnet. Andere schlossen mangels Kundschaft schon mittags. Einige Anwohner nutzten die Chance, die Altstadtgassen autofrei zu fotografieren, das habe man zuletzt während der Ölkrise Anfang der 70er Jahre erlebt, hieß es. Steinmeier kam schon mittags in die Stadt, schüttelte die Hände vieler Schaulustiger an den Absperrgittern, diskutierte mit Schülern und trug sich ins Kondolenzbuch im Grass-Haus ein.

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