Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Travemünde Rapskäfer nerven die Strandbesucher
Thema T Travemünde Rapskäfer nerven die Strandbesucher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:03 29.06.2016
Auf der Badehose waren schnell so viele Käfer, dass es nicht mehr auszuhalten war und ich sie wechseln musste.“ Philipp (16), Schüler aus Hamburg
Travemünde

Es dauert nur wenige Sekunden: Kaum hat Niklas das neongrüne Handtuch am Strand von Travemünde ausgebreitet, da krabbeln bereits Hunderte Rapskäfer auf dem Stoff. Auch die gleichfarbige Cap auf seinem Kopf wird von den Insekten sofort in Beschlag genommen. „Ich springe gleich erst mal ins Wasser, das ist echt ekelhaft“, sagt der Hamburger, der mit seiner Klasse einen Tagesausflug an die Ostsee gemacht hat. Angewidert versucht der 17-Jährige, die Tiere mit der Hand zu verscheuchen. Doch die Mühe ist vergeblich. Inzwischen tummeln sie sich sogar auf seinem gebräunten Arm.

Millionen der kleinen schwarzen Tierchen schwirren zurzeit im Norden herum – vor allem an der Küste. Nach Ende der Rapsblüte suchen sie neue Nahrungsquellen.

Auch seine Mitschüler sind genervt, schütteln immer wieder ihre Handtücher aus oder klopfen sich die schwarzen Käfer von der Kleidung. „Die stören extrem“, sagt Philipp und holt aus seiner Tasche eine neongrüne Badehose hervor. „Die hatte ich anfangs an“, berichtet der 16-Jährige. „Da waren schnell so viele Käfer drauf, dass es nicht mehr auszuhalten war und ich sie wechseln musste.“

Seit einigen Tagen schwirren Millionen der etwa zwei Millimeter großen Insekten im Norden herum, fliegen Touristen und Einheimische an. Besonders schlimm ist es an den Ostseestränden. Der Grund für das hohe Käferaufkommen ist laut BUND-Landesgeschäftsführer Ole Eggers das Ende der Rapsblüte. „Da ihre Wirtspflanze nicht mehr blüht, haben die Rapskäfer nichts mehr zu futtern“, sagt er und fügt hinzu: „Das ist für sie wie eine Hungersnot. Sie schwirren deshalb los und suchen sich Alternativen, finden aber nichts.“ Besonders gelbe, hellgrüne und orangefarbene Gegenstände seien bei den Tieren beliebt, weil sie diese für Nahrung hielten. Eggers rät daher, momentan auf diese Kleidungsfarben zu verzichten.

Doch auch dann könne man sich zurzeit nicht sicher fühlen, sagt Charlotte Seipel. „Sie gehen inzwischen auf alle Farben – nur nicht auf Schwarzes.“ Die Strandkorbvermieterin aus Travemünde ist pausenlos damit beschäftigt, die Käfer von ihrem weißen Top zu schütteln. „Die tun zwar nichts, aber es ist wirklich nervig“, sagt die 58-Jährige. „Sie fliegen in die Kaffeetasse, in die Haare, einfach überall hin.“ Vor ein paar Tagen habe sie extra eine riesengroße grüne Decke in ein paar Metern Entfernung ausgebreitet, als Anziehungspunkt, um die Tiere von sich selbst fernzuhalten.

„Abends war die Decke schwarz, aber geholfen hat es nicht“, berichtet Seipel. Die Urlauber hätten sich bisher noch nicht bei ihr über die Situation beschwert. Nur eine Frau sei geflüchtet, weil sie es nicht mehr ausgehalten habe.

Ans Verschwinden denkt auch Daria Duczman. Sie ist mit ihrer Tochter Julia am Strand. Während die Zweijährige vergnügt herumhüpft, kämpft Duczman mit den Rapskäfern. Ihre blonden Haare sind voller Tiere, und auch auf ihrem pinkfarbenen Pullover tummeln sie sich. „Am Wochenende sind sie nur auf gelbe Sachen geflogen, das ging“, sagt die 39-Jährige. „Heute nehmen sie alle Farben. Das ist zu schlimm, in zehn Minuten gehen wir nach Hause.“

Auch Christina Weske bleibt mit ihren Patenkindern nur kurz am Strand. „Wir sind einmal ins Wasser reingegangen und fahren jetzt wieder“, sagt sie. „Wenn wir uns jetzt hier an den Strand legen würden, dann würden uns die Käfer schon sehr nerven.“ Während des Badeausflugs sind die Tierchen auf ihren weißen Pullover, auf Turnschuhe und selbst in einen blauen Rucksack gekrabbelt. Doch ein Ende ist in Sicht. In ein paar Wochen sind die Käfer laut Ole Eggers wieder verschwunden, weil sie dann ohne den Raps verhungert sind.

Problem für die Landwirtschaft

Rapsglanzkäfer, so der vollständige Name, werden nur 1,5 bis 2,5 Millimeter groß. Die schwarzen Tierchen haben einen Panzer, der grün, blau, violett oder auch schwarz glänzt.

Sie sind nicht nur in Europa verbreitet, sondern kommen auch in Nordafrika, Asien und Nordamerika vor. Die Käfer können in der Landwirtschaft erhebliche Schäden verursachen, weil sie sich bis in die Knospen des Rapses fressen. Dort legen sie auch ihre Eier ab.

 Janina Dietrich

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!