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Travemünde Schandfleck Strandbahnhof: Politiker wollen Druck machen
Thema T Travemünde Schandfleck Strandbahnhof: Politiker wollen Druck machen
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11:55 18.06.2015
Die Toiletten im Empfangsgebäude sind seit Langem wegen Schimmelbefalls nicht mehr zu benutzen. „Es ist geplant, das Dach in diesem Bereich reparieren zu lassen. Die WC-Anlage muss jedoch leider geschlossen bleiben“, teilt dazu die Bahn mit. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler (2), Deutsche Bahn
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Travemünde

Eine Visitenkarte für ein Ostseebad sieht anders aus: „Furchtbar, dreckig, mistig, unappetitlich“, so beschreiben Urlauber und Einheimische den derzeitigen Zustand des Strandbahnhofes. Travemünde entstehe ein echter Imageschaden — es müsse also schleunigst etwas geschehen, appellierte daher jüngst Kurdirektor Uwe Kirchhoff (die LN berichteten). Jetzt hat sich auch Lübecks Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) eingeschaltet; er will das Gespräch mit dem Eigentümer, der Deutschen Bahn (DB), suchen.

„Ich will wissen, wie sie die Situation verbessern will“, erklärt Schindler. Der Senator erfuhr von den schlimmen Zuständen erst aus der Zeitung, wie er betont. „Vom Kurbetrieb und den Politikern vor Ort hatte ich bislang keine Hinweise bekommen“, sagt Schindler, der den Strandbahnhof „als Eintrittstor für Touristen und Einheimische“ bezeichnet. Gerade vor dem Hintergrund der bald beginnenden Travemünder Woche müsse die Stadt von der Bahn erwarten dürfen, „dass sie das Empfangsgebäude in Ordnung hält“.

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Als „ziemlich skandalös“ bewertet der SPD-Verkehrsexperte Ulrich Pluschkell den derzeitigen Zustand des Bahnhofes. Pluschkell: „Das Bahnhofsmanagement hat total versagt.“ Heute ist der SPD-Politiker, der im Hauptberuf bei der Bahn arbeitet, in Berlin und wird den DB-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube direkt auf das Problem ansprechen. Pluschkell erinnert aber auch daran, dass die Hansestadt mit ihren Hausarbeiten nicht nachkommt. Der Bahnhofsvorplatz sollte umgestaltet werden — das sei bis heute nicht erledigt.

Diese Kritik teilt der Travemünder Bürgerschaftsabgeordnete Thomas Thalau (CDU): „Das Umfeld des Bahnhofs muss dringend aufgewertet werden.“ Thalau hatte direkt an die Bahn geschrieben und erhielt zur Antwort, dass die Bahn nicht mehr viel in den Strandbahnhof investieren wolle, weil sie einen Käufer für die Immobilie suche. Für den Schimmelbefall wollte die DB ein Gutachten einholen.

Die Politiker können nur an das Unternehmen appellieren. „Ich sehe keine Möglichkeit, die Bahn unter Druck zu setzen“, erklärt Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Das Gebäude gehöre nicht der Stadt, und auch über den Denkmalschutz sieht Lötsch keine Zugriffsmöglichkeiten. „Schrecklich, dass der Bahnhof so verkommt“, äußert Carl Howe, Bau- und Verkehrsexperte der Grünen.

Howe will sich mit den anderen Fraktionen zusammensetzen, um auszuloten, „ob wir etwas auf die Beine stellen können“.

Konfrontiert mit den Zuständen vor Ort sagt DB-Pressesprecherin Sabine Brunkhorst: „Dem Leiter des Bahnhofsmanagements in Lübeck ist die Situation vor Ort natürlich bekannt. Und schließlich erfolgt einmal täglich, auch am Wochenende, eine Nassreinigung des Bodens und eine Grobmüllentsorgung im Gebäude.“ Eine Aussage, über die Doris Schütz, die für den letzten noch verbliebenen Dauermieter im Strandbahnhof arbeitet, die Lübeck-Travemünde Marketing GmbH (LTM), nur müde lächeln kann: „Unsere Mitarbeiterinnen können das zwar zum Teil bestätigen, sie beobachten aber auch, dass die Reinigungskraft gerade einmal eine halbe Stunde Zeit investiert und jedesmal maximal die halbe Halle grob säubert.“

Auch der erste Vorsitzende der Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft (TWG), Freiherr Ulf von Danckelmann, ist erbost über das Verhalten der DB. „Das ist ein grauenhafter Zustand. Da kann die Bahn nicht drumherum reden.“ Der Rechtsanwalt schlägt eine baldige Ortsbegehung mit den relevanten Entscheidungsträgern vor. Da müsse dann auch noch einmal über den Stillstand in der Bertlingstraße gesprochen werden.

Sabine Haltern (SPD), stellvertretende Vorsitzende des Ortsrats Travemünde, würde sich ebenfalls eine zeitnahe Begehung des Empfangsgebäudes mit Vertretern von Stadt und Bahn wünschen. „Zudem haben wir uns als Vorstand des Ortsrates direkt an die Possehl-Stiftung gewandt und um Unterstützung gebeten. Schließlich stecken in der Sanierung nicht unerhebliche Stiftungsgelder.“

Kai Dordowsky und Michael Hollinde