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Travemünder Woche Die Meister zeigen keine Nerven
Thema T Travemünder Woche Die Meister zeigen keine Nerven
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11:33 27.07.2014
Zeigten ihre WM-Klasse bei Wind und Welle: die 130 jugendlichen O‘pen-Bic-Segler. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Walter Mielke atmete kräftig durch: „Da hatten wir verdammtes Glück, dieser Tag war ein Geschenk.“ Noch am Morgen hatte der Regattachef der Travemünder Woche mit besorgtem Blick auf die Wetterprognose geschaut: „Wir hatten seit elf permanent Gewitterwarnungen.“ Ringsum brach es aus den Wolken — Travemünde blieb verschont. Mielke erleichtert: „Ich bin froh, dass alle Wettfahrtleiter und Segler die Nerven behalten haben.“

Wie erwartet: Das WM-Podium bei den bis 2008 olympischen Yngling-Kielbooten blieb in orangefarbener Hand. Aber: Titelverteidiger Jan Haven Hidde fing den dreimaligen Titelträger Jamin Maarten noch ab. Beste Deutsche: Thorsten Schutt mit seiner Crew auf Platz sechs. Der Oberhausener war „sehr zufrieden. Der Leichtwind war unser“. Mit zwei zweiten Plätzen war er gestern Tagesbester. Für die Klasse zog er ebenfalls ein positives Fazit: „Zehn Rennen, Spannung auf dem Wasser, ein schöner Passat- Empfang. Es hat Spaß gemacht. Alle würden gern wiederkommen.“

Als neue O‘pen Bic-Weltmeister wurden am Abend auf der Festivalbühne die 17-jährige Spanierin Paula Garcia (U19), WM-Dritte des Vorjahres, der Italiener Mattia Journo (U16) und der Australier Jack Challands (U13) gefeiert. Die elfjährige Lübeckerin Carolina Horlbeck (U13) landete einen Zähler hinter Magnus Frohmann als beste Deutsche auf Rang zwölf. „Da wird sie sich etwas ärgern, sie wollte gern in die Top Ten“, sagte ihr Vater Axel. Es habe aber viel Spaß gemacht, sei ein tolles Event gewesen. Jetzt freue sie sich aber auf die Ferien. „Danach greift sie wieder an, die EM nächstes Jahr ist in Barcelona.“

Im Ziel sind auch die International 14 mit ihrer EM. Glen Truswell fing den viermaligen Weltmeister Archie Massey noch ab: „Glen war mal dran“, meinte Jens Holscher. Der Lübecker arbeitete sich mit Steuermann Oliver Voss gestern noch auf Rang sieben vor. „Wir haben das Podium die Tage zuvor aus der Hand gegeben“, sagte der Rechtsanwalt. Sein TW-Fazit: „Alle sind begeistert, fahren mit einem breiten Grinsen nach Hause.“ Nach neun Tagen Vollgas, der DM zuvor, wo er mit Voss den Titel holte, sei jetzt erst einmal Pause.

Auch die 505er haben nach acht Wettfahrten ihre Internationale Deutsche Meisterschaft vorzeitig im Sack. Bei der Generalprobe für die WM im August in Kiel setzte sich der fünfmalige Weltmeister Wolfgang Hunger (Strande) mit Julien Kleiner an der Vorschot mit vier Siegen in acht Rennen durch. „Der erste Tag lief sehr gut, am zweiten hatten wir ein Problem mit einem Defekt an der Want“, berichtete Kleiner, der für die WM nun noch einen neuen Mast und neue Segel besorgen muss. Meike Schomäker/Holger Jess (Kiel/Eckernförde), die zuletzt dreimal in Folge die Meisterschaft gewonnen hatten, landeten mit einem Tagessieg zum Abschluss in ihrem neuen Ovington/Jess-Wunderboot auf Gesamtrang fünf. „Wir haben vor Travemünde nicht trainiert, Holger war überarbeitet, das Boot ist auch erst am Sonntagabend um sieben geschwommen und bei Starkwind fehlen uns gut 20 Kilo an Bord — dafür lief es noch ganz gut“, berichtete die zierliche Steuerfrau Schomäker. Das neue Jess-„Fife“ sei noch ungewohnt, aber auffällig sei gestern gewesen, „dass es gerade unter Spi wahnsinnig schnell ist“. Bis zur WM stehe jetzt nur noch eins an: „Training, Training, Training.“

„Dieser Tag war ein Geschenk.“
Regattachef Walter Mielke

Jens Kürbis