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Travemünder Woche Jetzt regiert die Seglerjugend
Thema T Travemünder Woche Jetzt regiert die Seglerjugend
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13:20 24.07.2017

Travemünde, Grünstrand. Es regnet Bindfäden. Im Zelt neben dem Container-Büro stört das keinen. Hier herrscht ein babylonisches Sprachgewirr. Es wird diskutiert, lamentiert, kontrolliert, einiges auch vorgeführt. Es ist die Spielwiese der Vermesser. Ihrem unbestechlichen Auge entgeht nichts. Kontrollmarken, Segelgröße, Rettungsmittel, Schwerter – alles wird inspiziert.

Für Jugendliche oft nervig. Es ist das Warm up für die morgen beginnen Deutschen Meisterschaften. Die Jugend und die Jüngsten regieren dann die Travemünder Woche.

Im Zelt sind es Christian Krause & Co., die Vermesser. Optis, Europe und O’pen Bic müssen an ihnen vorbei. Alle. Allein bei den Optis sind es 215 Boote und Kids. Viele Eltern würden gern. Wer Mama und Papa vor dem Zelt sieht, ahnt, warum der Opti das kleinste Dreimannboot der Welt genannt wird. Rein ins Zelt dürfen die „Opti-Eltern“ nicht. „Davor ist Schluss, es ist auch so anstrengend genug“, sagt Krause und erzählt von Kids, die „besonders nett sind. Die bekommen dann den Komplett-Check.“ Daniela aus Kiel ist offenbar eine Kandidatin, schiebt ihren Opti ins Zelt zum Wiegen. Ihr Blick spricht Bände. Normalerweise sind Krause & Co. von der schnellen Sorte. Pro Boot haben sie 70 Sekunden Kontrolle veranschlagt.

Die Vermessung hinter sich haben Andrea Mankès und Amelie Flandofeu mit ihrer zehnköpfigen Gruppe. Die Zwölfjährigen kommen aus Marseille, Cannes, auch von der Insel Korsika. Sie sind mit ihrem Trainer Vincent Morel Teil des deutsch-französischen Jugendaustausches und schon eine Woche in Travemünde. „Nett hier, wir waren noch nie an der Ostsee“, erzählt die zierliche Anna Combet. In Marseille zu Hause, segelt sie schon seit sechs Jahren. „Wir tun das alle in unserer Familie. Es ist einfach schön, auf dem Wasser zu sein.“ Auch Catharina Schaaff ist Teil des Jugendprojektes. Die 13-Jährige aus Berlin hat vor sechs Jahren der Segelvirus infiziert. „Wir hatten einen Workshop in der Schule, ich fand es toll.“

Für Fabian Bach, Mitglied im Jugendausschuss des Deutschen Segler-Verbandes, ist das die Zukunft. Er ist froh, „dass wir in Travemünde sind. Unsere Meisterschaften aller Klassen finden nur alle vier Jahre statt.“ Mit knapp 900 Talenten keine kleine Nummer. Bach: „Dass wir erstmals in so eine Woche eingebettet sind, ist eine tolle Sache, das gab es so noch nie. Auch nicht das Rahmenprogramm, dass unser Nachwuchs auf einer Medienbahn mit Live-Übertragung segelt.“ Die Optis sind morgen die Ersten.

In Travemünde segeln 11 der 13 Klassen. Cadet und Nacra 15 wurden abgesagt. Gesamtwettfahrtleiter Brian Schweder ist über das Cadet-Aus „not amused“: „Sie haben uns boykottiert.“ Für Bach ist das „nicht nachvollziehbar, auch wenn sie ihre WM in zwei Wochen haben“. Die Nacra-Absage überraschte ihn nicht: „Davon gibt es in Deutschland erst sieben Boote.“

Bach freut sich auf die Travemünder Titelkämpfe: „Hier sind die künftigen Olympia-Segler am Start.“ Die zehn besten deutschen Optis fliegen heute sogar direkt von der WM in Thailand ein. Ihre Vermessung regeln Trainer und Eltern – eine Ausnahme.

Jens Kürbis