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Travemünder Woche Travemünder Woche lässt es zum Jubiläum ordentlich krachen
Thema T Travemünder Woche Travemünder Woche lässt es zum Jubiläum ordentlich krachen
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17:23 18.07.2014
Zum ersten Mal küren die jugendlichen Segler der O‘pen-Bic-Klasse ihren Weltmeister in Deutschland. Gemeldet sind 130 Jungen und Mädchen. Quelle: Matias Capizzano
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Travemünde

Wenn Jens Kath heute auf die Countdown-App seines Handys schaut, dann zeigt es wenige Stunden an. Um 18 Uhr wird er nur noch Nullen sehen. Dann wird Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe auf der Kraweel „Lisa von Lübeck“ der Tradition folgend mit dem Kommando „Heißt Flagge“ die Travemünder Woche (TW) eröffnen. Eine besondere, die offiziell 125., auch wenn es zwischen 1889 und 2014 insgesamt 13 Ausfälle gab. „Und zum Jubiläum lassen wir es ordentlich krachen“, verspricht der ehrenamtliche TW-Chef Kath.

Zum 125. zeigt sich die Traditionswoche über 17 Tage in einem einzigartigen Mix aus jung und alt, schnell und langsam, modern und traditionell. Da sind die 2300 Teilnehmer aus 38 Nationen, vom achtjährigen O‘pen-Bic-Segler bis zum 75-jährigen Folkeboot-Veteran. Da sind die 1075 Boote, vom Nacra 17 bis zum altehrwürdigen Zwölf- Fuß-Dinghy. Die Höhepunkte:

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Meisterschaften: „13 Meisterschaften, so viele hatten wir noch nie“, schwärmt Kath. Im Blickpunkt stehen neben den Weltmeisterschaften der Yngling-Kielboote vor allem die Welttitelkämpfe der Skiffklasse O‘pen Bic, die zum ersten Mal in Deutschland ausgetragen werden. 130 Jugendliche aus 13 Nationen haben gemeldet. „O‘pen Bic ist Speed, Spaß und Sport, sie fahren abweichende Rennformate, starten auch mal vom Strand. Beim Startschuss sprinten da alle Segler zu ihren Booten und legen los — für Zuschauer ein Spektakel“, sagt Kath.

WM-Höhepunkt wird indes die 420er WM in der Verlängerungswoche sein — mit 386 Teilnehmern aus 28 Nationen. Kath: „Dass wir es geschafft haben, die Klasse nach 40 Jahren mit ihrer WM wieder nach Deutschland zu holen, macht uns schon stolz.“ Zehn weitere Titelkämpfe von der EM der Tornados (mit Roland Gäbler und seiner Frau Nahid als Titelverteidiger) bis zur Internationalen Meisterschaft der Contender unterstreichen das Titelformat.

Segel-Bundesliga: Die Bundesliga geht nach ihrer Premiere im Vorjahr erneut in Travemünde vor Anker. Es ist die zweite von sieben Regatten. Von Sonnabend (13 Uhr) bis Montag segeln die 18 Vereine auf J/70-Booten insgesamt 45 Wettfahrten. Das Team des Lübecker Yacht-Clubs führt 470er-Weltmeisterin Tanja Jacobsohn an. „Das Ziel ist klar“, erklärt Teamchef Kath, „wir wollen bei der einzigen Seeregatta unseren Heimvorteil nutzen, die Rote Laterne aus dem ersten Rennen abgeben.“

Medienbahn: Segeln zum Greifen nah — das versprechen die Rennen direkt vor der Nordermole auf der Medienbahn. Zum TW-Start segelt da die Bundesliga. Der Hit:

Alle Rennen werden aus fünf Kameraperspektiven (inklusive Heli- Cam) auf den „SAP Sail Cube“, eine 15 Quadratmeter große LED- Wand am Strand, übertragen. ZDF-Reporter Alexander Ruda und Experten wie Ex-49er Segler Marcus Baur erklären und kommentieren. Landprogrammchef Uwe Bergmann (Agentur uba) ist begeistert: „Als Laie bekommst du hier das Segeln erklärt. Das ist Infotainment, Public Viewing, toll.“

TW-Mix: Mit 30 Bootsklassen ist die Travemünder Woche wieder breit aufgestellt. Als erste starten die Dickschiffe in die TW — morgen um 10 Uhr gehen 46 Boote auf die Mittelstrecke nach Grömitz.

TW Classic: Die TW gibt den Klassikern zum zweiten Mal eine eigene Bühne. 23 Zwölf-Fuß-Dinghies aus sechs Nationen segeln in der Pötenitzer Wiek, „bei weniger Welle auch auf offener See“ (Kath). Die 1913 erstmals auf Kiel gelegte Einmannjolle war 1920 und 1928 olympisch.

DREI FRAGEN AN...

1 Nach 17 Jahren sagen Sie als TW-Regattachef Tschüss. Worauf freuen Sie sich zum Abschied besonders?
Auf ein entspanntes Absegeln aller Regatten, auf die jugendlichen O‘pen-Bic-Segler, das wird eine große Freude. Ich freue mich auch auf das Laserfeld mit mehr als 100 Booten, wir wollen sie auf einer Linie starten lassen. Das wird eine Herausforderung.
2 Im Rückblick: Was ist für Sie das Besondere an der TW?
Die Super-Kombi aus hochwertigem Segeln und Party, das gibt es so auf der Welt nirgends. Die TW wird nie so groß wie die Kieler Woche sein. Muss sie auch nicht. Sie hat ihr eigenes Gesicht, dazu zählt auch das Profil als Meisterschaftsrevier. Und: Wir haben es mit dem SAP Sail Cube und den Trave-Rennen geschafft, das Segeln an Land zu holen, für Laien verständlich zu machen. Als ehemaliger Surfer hätte ich gern noch das Kiten zum Abschluss eingeführt, doch die Klasse wollte nicht so recht. Schade.
3 Was machen Sie Ende Juli 2015?
Da bin ich auf Sylt, bei der Slalom-Windsurfing-WM Jury-Vorsitzender. Mein TW-Ausstieg heißt ja nicht, dass ich aufhöre. Mein Traum ist Olympia 2016, da will ich als Schiri oder im Race-Komitee dabei sein.

Jens Kürbis