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Travemünder Woche Trendsetter Travemünder Woche
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20:47 20.07.2015
Quelle: www.segelbilder.de
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Travemünde

Travemünder Woche 2001: Der polnische Profi Karol Jablonski segelt zum Sieg beim „Audi Match Race“, bezwingt den dreifachen Olympiasieger Jochen Schümann — direkt vorm Strand. Hunderte von Zuschauer sehen die Action, die Manöver, die Hektik an Bord, bekommen all das noch erklärt — live. Auf zwei Leinwänden an Land gibt es auch die packenden Bilder — zeitversetzt. Selbst in der Hamburger U-Bahn sind die Rennen auf Screens zu sehen — ein Novum. Noch Wochen später ist in den Gazetten vom „Segeln der Zukunft“ zu lesen.

Hier können Sie Live-Bilder von der Travemünder Woche 2015 sehen!

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Travemünder Woche 2015: Die Zukunft ist Standard. Mehr noch: Die TW ist Trendsetter:

2005 — die olympischen 49er segeln ihr Medaillen-Rennen vorm Strand. Kurz, knackig, nur die besten zehn Teams. Eine Deutschland-Premiere.

2008 — die Segelarena Trave öffnet ihre Pforten. Bis zu 30000 Zuschauer schauen bei den Rennen zu. Einmalig.

2013 — Premiere für die Medienbahn und den „Sail-Cube“. Der neue TW-Partner, Software-Riese SAP, überträgt die Rennen — mit vier Kameras auf eine LED-Wand. Dazu gibt‘s Erklärungen von Profis, Animationen sowie zig Infos über Windrichtung, Manöver, Geschwindigkeit und für die Segler abends noch ein Analyse- Paket extra. Wettfahrtleiter geben ihre Infos direkt in ein Live-Center. Ein neues TV-Zeitalter im Segeln.

2015 — Fünf Azubis kratzen den Pin-Code auf mehr als 700 Sim-Karten frei. Rubbeln für eine Premiere. Erstmals auf einer Großveranstaltung werden alle Boote live getrackt. Via Internet ist zu sehen, wo welches Boot aktuell liegt. Dahinter steckt eine Flut von Daten, die die Segler und auch Wettfahrtleiter nutzen können. „Das ist eine mittelgroße Revolution im Segelsport, den wir so weiter entblättern wollen“, erklärt Stefan Lacher, einer der führenden SAP-Köpfe.

Für Andreas Kling, einer der weltweit renommiertesten Segelsport-Journalisten, ist diese Entwicklung „nicht mehr aufzuhalten. Es interessiert keinen Menschen mehr, wie fernab von Internet und Augen gesegelt wird. Tracking ist heute fast ein Muss.“ Auch Schümann erkennt, „dass es schon seit längerem Bemühungen gibt, die Faszination des Segelns ans Land oder die Zuschauer aufs Wasser zu bringen“.

Das gelinge aber nur bedingt. Es komme vielmehr darauf an, „dass attraktive, fachmännisch kommentierte Bilder an Land zu sehen sind, über große Bildschirme, aber auch im Internet, damit jeder die Wettkämpfe verfolgen kann“.

Dank der Medialisierung werden die Bilder in die Welt hinausgetragen. Da TV-Zeiten knapp und teuer sind und Segeln ob des Mediums Wind unberechenbar bleibt, ist es vor allem eine Internetsportart.

Travemündes großer Vorteil ist dabei, dass man direkt vor den Augen der Zuschauer segeln kann“, erklärt Kling. „Mit den Medal Races vorm Strand und den Trave-Race war die TW schon immer Vorreiter.“

TW-Sportchef Jens Kath ist klar, „dass man auch ohne Medialisierung und Zuschauernähe segeln kann. Aber so machen wir unseren Sport sichtbar, auch interessanter für Sponsoren und somit für uns als Veranstalter bezahlbar.“ Dass die TW weiter Trendsetter bleibt, ist für Kath wichtig: „Wir müssen mit Großveranstaltungen zeigen, wo es hingeht.“ Damit meint er auch, neuen, innovativen Klassen und spektakulären Formaten eine Bühne zu geben. „Ein Medaillen-Rennen in der Trave ist unser Traum, doch dafür müssen sich die Klassen öffnen“, Tribünen am Strand und weitere LED-Wände an Land hält er für möglich, „aber das muss finanzierbar sein“.

Für Experte Kling steht fest, dass das Segeln der Zukunft immer näher ans Land rückt. Bedenken der Aktiven, dass aber die Windbedingungen in Innenförden, Städten oder der Travemündung irregulär seien, lässt er nicht gelten: „Die sind für alle gleich, das Publikum will Action sehen und einen Sport mit nachvollziehbaren Regeln.“ Die Travemünder Woche ist dafür die ideale Bühne.

Jens Kürbis