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Travemünder Woche „Wir sind auch Weltmeister“
Thema T Travemünder Woche „Wir sind auch Weltmeister“
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01:10 27.07.2014

Tobias Schadewaldt sitzt mit Stift in der Hand vor einer riesigen Grafik-Tafel, links und rechts neben sich hat er noch weitere vier Bildschirme. Nicht irgendwo. In Travemünde, vier Meter über dem Strand. Ein TV-Studio aus zwei Containern mit LED- Wand auf der Vorderseite. Software-Riese SAP hat den Würfel (Sail Cube) in den Sand gesetzt, zeigt dabei während der Travemünder Woche alle Rennen von der Medienbahn und in der Trave — auch per Livestream im Internet. Aus bis zu sechs Kameraperspektiven, sogar einem Ballon. ZDF-Frontmann Alexander Ruda kommentiert mit einem Experten live. Zwischengeschaltete Animationen zeigen, wer führt. Das ist Schadewaldts Job. Der Laser-Segler, der für die WM in Santander trainiert, zieht aus einem Tool, SAP-Sailing-Analytics, unzählige Daten wie Bootspeed, Abstand zum Ziel oder gesegelter Weg, erklärt den Zuschauern in 3D das Wie und Warum. „Ich klinke mich dann ins Livebild ein, kann anhand von Wiederholungen oder in 3D-Animationen erklären, warum einer die Wende verhauen hat oder warum der Start so schlecht war“, sagt er. Schadewaldt macht das Segeln für Laien so sichtbar. Und SAP hat es Land geholt — mit spektakulären Bildern.

Auch Stefan Lacher, bei SAP Head of Sponsorship Technology, ist begeistert: „Wir haben in allem noch mal zugelegt, nicht nur grafisch.“ Mit dem dritten Mann im Studio (Schadewaldt), neuer Technik, Tool-Verfeinerungen, auch Live-Interviews auf dem Wasser. „So bringen wir die Emotion rüber.“ Dazu zählt auch die abendliche Auswertung vorm Cube, die Fehleranalyse mit den Seglern. „Travemünde ist unser Vorzeigeprojekt“, sagt Lacher, „doch wir können davon keine 50 machen. Wir wollen jetzt unsere Innovationen in die Breite tragen.“

SAP hat nicht nur den Segelsport revolutioniert. Der Weltkonzern engagiert sich in der Formel 1, im Tennis, Golf, speist den American Football und die NBA-Basketballer mit Datenbänken. „Und natürlich sind wir auch Fußball-Weltmeister, wir waren der zwölfte Mann“, erklärt Lacher schmunzelnd. Seit 2013 Partner des DFB haben die Walldorfer Löw & Co. eine „Match Insights“-Software an die Seite gegeben. 30 im Stadion aufgestellte Kameras plus das TV-Weltbild zeigen von jedem Spieler jede einzelne Bewegung, jeden Pass, jeden Schuss, jede Deckung. Wie er beschleunigt und wie er abbremst, wie viel Sekunden er den Ball hält. Einfach alles. Zeiten, in denen Jens Lehmann vor dem Elfmeterschießen einen Spickzettel brauchte, sind vorbei.

Echtzeitanalyse der eigenen Leistung als auch der der Konkurrenz. „Im Fußball war die Videovorbereitung zuvor mit Play und Stop am Player“, erzählt Lacher schmunzelnd und erinnert sich an die Begeisterung von Löw & Co., „als wir ihnen im Februar unsere Software vorgestellt haben“. In Campo Bahia, dem DFB-Quartier, hat SAP dafür in einer Bar sein komplettes Setup aufgebaut.

In der Bundesliga geht die TSG Hoffenheim sogar noch einen Schritt weiter. Spieler tragen Chips zum Aufzeichnen von Daten am Körper. Mit Big Data zum vorhersehbaren Erfolg? „Technologie schießt keine Tore. Aber sie kann dabei helfen, mehr Tore zu schießen“, wusste schon der „Kaiser“, Franz Beckenbauer.

Auch beim CHIO, Deutschlands großem Reitsportfestival in Aachen, hat SAP den großen „Chip“ gefunden. „Bei der Dressur sitzen da die absoluten Profis im Publikum. Und die können über eine App via Smartphone oder Tablet am Ende mitbewerten. Das kommt super an.“ Auch bei der Vielseitigkeit sitzt der Software-Riese mit im Sattel. Eine Helmkamera der Reiter fängt das Livebild auf, links und rechts laufen Parameter wie Weg zum Hindernis, Geschwindigkeit oder Puls des Reiters.

Und wo soll es im Segeln noch hingehen? Lacher: „Im Eventbereich sind wir happy, da gibt es jetzt nur noch Feinschliff, eine App ist noch in Planung, mit der sich Zuschauer live auf ihr Lieblingsboot einklinken können. Sonst sind wir im Vollgas-Modus für Rio, analysieren gerade das Olympia-Revier mit seinen Gezeiten sowie den schwierigen Wind- und Strömungsverhältnissen.“

Jens Kürbis