Ernten statt kaufen

Selbstversorger werden: Lohnt es sich, Obst und Gemüse im eigenen Garten anzubauen?

Gemüse im eigenen Garten anzubauen, liegt im Trend. Doch der Anbau braucht viel Vorbereitung, Arbeit und Geduld.

Gemüse im eigenen Garten anzubauen, liegt im Trend. Doch der Anbau braucht viel Vorbereitung, Arbeit und Geduld.

Es klingt idyllisch und verlockend: Besinnlich durch die üppigen Beete streifen, hier einen Salatkopf ernten, dort ein paar Beeren vom Strauch sammeln, dann noch schnell einige Eier aus dem Hühnerstall geholt. Ob Acker hinterm Haus, Radieschen im Hochbeet oder Urban Gardening mit der Nachbarschaft – Nahrungsmittel selbst zu erzeugen liegt seit Jahren im Trend. Blogs und Ratgeber zum Thema boomen ebenso wie der Verkauf von Zubehör.

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Lieber pflanzen statt teuer kaufen?

Dank Inflation und Preisexplosion bei Lebensmitteln wirkt die Idee von der Selbstversorgung noch attraktiver. Immer mehr Gartenbesitzer und ‑besitzerinnen spielen deshalb mit dem Gedanken, statt Blumen, Büschen und Rasen künftig Sellerie, Kartoffeln und Kürbis zu pflanzen. Doch wie groß sind die realistischen Aussichten, auf Anhieb eine reiche Ernte einzufahren? Und lohnt sich die Selbstversorgung aus dem eigenen Garten finanziell wirklich?

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„Zuerst mal muss man unterscheiden zwischen Selbstversorgung und Gemüseanbau“, sagt Ralf Roesberger. Er betreibt auf Youtube einen der größten Kanäle zum Thema Selbstversorgung in Deutschland mit über 250.000 Abonnentinnen und Abonnenten und baut im Rheinland auf 1500 Quadratmetern einen großen Teil der Nahrungsmittel für seine Familie an. Die meisten Kalorien auf unserem Speiseplan stammen aus Getreide, Pflanzenölen und tierischen Produkten, erklärt Roesberger. Diese vollständig selbst herzustellen, wäre mit einem enormen Aufwand verbunden. Realistischer ist es deshalb, die Erwartungen nicht gleich zu Beginn allzu hoch zu hängen und damit zu rechnen, auch bei erfolgreicher Ernte einen Teil der eigenen Nahrung weiterhin im Supermarkt einzukaufen.

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Gartenumbau sinnvoll planen

Wer sich entscheidet, Geranien gegen Gurken zu tauschen und einen Ziergarten in Gemüsebeete umzubauen, sollte sich vorab ausreichend Zeit für eine gut durchdachte Planung nehmen, empfiehlt Verena Jedamczik, Expertin für Feldumbau beim Naturschutzbund Nabu. Herbst und Winter seien dafür der beste Zeitpunkt, um dann im Frühjahr mit dem Anbau zu beginnen.

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Ein wichtiger Aspekt in der Vorbereitung ist die Suche nach einem geeigneten, möglichst hellen Standort. Außerdem sollte man sich über die Größe des geplanten Anbaufeldes Gedanken machen. Um einen guten Anteil des Gemüsebedarfs zu decken, müsse man mit ungefähr 80 bis 100 Quadratmetern pro Person rechnen, so Jedamczik. Trotzdem gilt: „Besser klein anfangen und sich dann steigern“, rät Roesberger. Denn für eine erfolgreiche Ernte braucht es Zeit und viel Arbeit. Mit einer Fläche von 100 Quadratmetern habe man erst mal mehr als genug zu tun, sagt der Selbstversorger.

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Bodenbeschaffenheit prüfen

Auch der Beetumbau will durchdacht sein. Wer ein neues Beet auf einer Rasenfläche anlegen will, kann mit dem Entfernen auch schon im Herbst beginnen, so Roesberger. Um Bodentiere und ‑organismen zu schonen, rät Nabu-Expertin Jedamczik, den Boden nicht tief umzugraben sondern lediglich aufzulockern. Auch in Sachen Bodenqualität kann Vorbereitung nicht schaden: „Ist der vorhandene Boden sandig, sollte man ihn mit Kompost aufwerten, wohingegen ein sehr lehmiger Boden mit einigen Schaufeln Sand aufgelockert werden kann“, rät Jedamczik.

Baut man ein Blumenbeet zum Gemüseparadies um, muss nicht immer alles entfernt werden. Einige Arten, wie etwa die Tagetes, können im Gemüsebeet einen positiven Einfluss haben, indem sie Schädlinge fern halten oder weil sie von Schnecken gegenüber den jungen Gemüsesetzlingen bevorzugt werden, erklärt die Nabu-Expertin.

Am Anfang besser pflegeleichte Sorten anbauen

Auch Obst lässt sich gut im heimischen Garten anbauen. Gerade bei Bäumen kommt es aber je nach zur Verfügung stehendem Platz auf die Auswahl der richtigen Sorten an. Roesberger empfiehlt, sich beim Kauf in einer ortsansässigen Baumschule beraten zu lassen. Besonders wichtig beim Obstanbau ist jedoch Geduld, denn je nach Sorte können bis zur ersten Ernte zwei bis sieben Jahre vergehen, bei Walnüssen sogar zehn Jahre. Beerensträucher bilden bei guten Bedingungen und richtigem Standort schon früher Früchte aus.

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Ist das Beet vorbereitet, geht es an die Auswahl der Gemüsesorten. Dabei können unterschiedliche Kriterien eine Rolle spielen. „Besonders nahrhaft sind kohlenhydrathaltige Pflanzen wie Kartoffeln und Wurzelgemüse“, sagt Jedamczik. Wer noch wenig Erfahrung im Gemüseanbau hat, sollte aber auch darauf achten, möglichst unkomplizierte Sorten auszuwählen. Dazu zählen etwa Mangold, Rote Bete, Zucchini und Kürbisse, die allerdings viel Platz brauchen, erklärt Roesberger. Eine erfolgreiche Ernte von Karotten und allen Arten von Kohlköpfen sei dagegen weitaus schwieriger. Dafür brauche es viel Erfahrung und bestimmte Bodenbedingungen. „Davon würde ich als Anfänger die Finger lassen.“

Für längere Erntezeit: Gemüse gestaffelt anbauen

Noch wichtiger als solche Ratschläge ist für Roesberger jedoch: Ausprobieren, was im eigenen Garten funktioniert. Es gehe darum, die eigenen Wünsche dem Garten anzupassen und nicht andersherum, betont der Experte. „Wenn ich es mit einer Kultur fünf Jahre lang vergeblich versucht habe, dann lasse ich es.“

Um im Sommer nicht mit einem Schlag von der kompletten reifen Ernte überflutet zu werde, empfiehlt die Landwirtschafts­bloggerin Marie Diederich in ihrem Buch „Selbstversorgung“ einen sogenannten gestaffelten Anbau. Dabei pflanzt man Setzlinge im Abstand von einigen Monaten, also beispielsweise ein erstes Mal im März und dann noch einmal im Mai, um das Gemüse zu unterschiedlichen Zeitpunkten ernten zu können.

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Doch auch mit dieser Methode kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem es darum geht, das geerntete Obst und Gemüse haltbar zu machen. Auch das Einkochen braucht Grundkenntnisse und vor allem Zeit, darüber sollten sich angehende Selbst­versorgerinnen und Selbstversorger bewusst sein. Wer fleißig ist, wird dafür aber im Winter mit Pflaumenkompott, Kürbissuppe oder Tomatensoße belohnt.

Freude am Gärtnern sollte im Vordergrund stehen

Ob sich der Gemüseanbau im eigenen Garten letztlich finanziell lohnt, sei nur schwer zu beantworten, sagt Frank Waskow, Lebensmittel­experte bei der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen. Viel Geld sparen lasse sich in den meisten Fällen wahrscheinlich aber nicht. Denn auch wenn es für kleine Flächen keine großen Maschinen oder Werkzeuge braucht, entstehen beim Gärtnern Kosten, etwa für Saatgut und Dünger. Zudem müsse man die eigene Arbeitszeit mit einkalkulieren und auch Misserfolge hinnehmen, betont Waskow. „Dazu kommt, dass gerade saisonales Gemüse oft relativ günstig im Handel erhältlich ist.“

Waskows Tipp für Einsteigerinnen und Einsteiger: Bei Initiativen wie Ackerhelden oder Meine Ernte kann man sich ein Gemüsebeet in der Nähe mieten und erhält eine professionelle Anbauberatung. Meist seien die Beete bereits mit Gemüse­sorten bepflanzt, die am Standort gedeihen können. „So hat man doch relativ gute Chancen, eine ordentliche Ernte zu erzielen“, sagt der Lebensmittel­experte.

Allein, um Geld zu sparen, ist die Selbst­versorgung also kein so guter Ansatz. Wer sich für den Anbau im eigenen Garten entscheidet, sollte vor allem Freude am Gärtnern haben, sagt Waskow. „Ansonsten würde ich es eher dabei belassen, ein paar Kräuter auf der Fensterbank anzubauen.“

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