Schleswig-Holstein

Urlaub an der Ostsee: Ist der Camping-Boom vorbei?

Am Campingplatz in Pommerby stehen Bänke mit schönem Blick aufs Wasser.

Am Campingplatz in Pommerby stehen Bänke mit schönem Blick aufs Wasser.

Die Campingplätze in Deutschland sind während der letzten zwei Pandemiesommer regelrecht überrannt worden. Mehr Menschen als je zuvor sind mit dem Wohnmobil, dem Camper oder dem Van im eigenen Land unterwegs gewesen. Doch inzwischen reisen Urlauberinnen und Urlauber mit Fernweh wieder einfacher und mit weniger Corona-Bestimmungen ins Ausland. Viele haben das genutzt, davon zeugen Bilder überfüllter Flughafenterminals zu Ferienbeginn. Können die Campingplätze an der Ostsee im Sommer 2022 damit konkurrieren?

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Zumindest in Schleswig-Holstein seien die Ostseeplätze „hervorragend belegt“, sagt Gert Petzold, Vorsitzender des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Schleswig-Holstein, im Juli und August sogar nahezu ausgebucht. Wer aktuell einen freien Stellplatz an der Ostsee sucht, muss also ganz genau hinsehen. In Einzelfällen haben Urlauberinnen und Urlauber ihren Campingtrip zwar wieder storniert – „um entweder andere (frühere) Urlaubsziele anzusteuern oder wegen der ungewissen Situation, wie sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland verändern wird“, erklärt Petzold. Die stornierten Standplätze seien jedoch durch Spontanurlauberinnen und ‑urlauber, auch insbesondere wegen des anhaltenden Sommerwetters, unverzüglich wieder belegt worden.

„Gut bis sehr gut“ seien die Campingplätze auch in Mecklenburg-Vorpommern gebucht, sagt Christin Lemcke, Leiterin der Geschäftsstelle des dortigen BVCD. „Allerdings war der Start der Sommerferien für viele Plätze ein wenig verhalten, sodass die Auslastungen im Juni nicht so hoch waren wie in den Folgemonaten“, erklärt Lemcke. Die meisten Betreiberinnen und Betreiber seien zufrieden mit der laufenden Saison.

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Urlaub auf den Campingplätzen an der Ostsee weiter beliebt

Hält der Trend zum Campingurlaub also trotz Fernreiseangeboten an? Die Zahlen sprechen dafür. Im Jahr 2021 zählt der BVCD Schleswig-Holstein 5,4 Millionen touristische Übernachtungen (hinzu kommen 11 Millionen Übernachtungen durch Dauergäste), das sind 14,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Petzold geht davon aus, dass in diesem Jahr ähnlich viele Reisende ihre Wohnwagen zwischen Nord- und Ostsee abstellen werden. Der Grund dafür: Vielen der neu gewonnenen Campingurlauberinnen und ‑urlaubern gefiel die Auszeit im Heimatland so gut, dass sie wiedergekommen sind.

Der Campingplatz von Timmendorf auf der Insel Poel.

Der Campingplatz von Timmendorf auf der Insel Poel.

In Mecklenburg-Vorpommern sieht es nicht anders aus. Eine zahlenmäßige Wiederholung des Rekordjahres 2020 (circa 5.100.000 Übernachtungen) sei 2022 zwar unwahrscheinlich – gerade wegen wieder erstarkter Auslands- beziehungsweise Pauschalreisen. Dennoch: „Viele Camperinnen und Camper haben in den letzten zwei Jahren das Campingland Mecklenburg-Vorpommern für sich entdeckt und verbringen gern ihren Urlaub in unserem Bundesland“, sagt Lemcke. Sie ist sicher: „Der Campingtrend in Deutschland wird weiterhin anhalten.“

So schätzen die Expertin und der Experte den Campingtrend ein

Darauf deuten zum einen die anhaltend hohen Verkaufszahlen bei Wohnmobilen und Wohnwagen hin, zum anderen bleibe der Trend zum nachhaltigen Urlaub mitten in der Natur bestehen. So sieht es auch Petzold: Ein Vorteil vom Campingurlaub sei, dass er sich „sehr individuell und persönlich gestalten lasse, weil es viele Varianten an Übernachtungsmöglichkeiten gibt.“ Das passt zum aktuellen Trend zur Individualisierung. Neben Zelt, Wohnmobil und Wohnwagen probieren viele Reisende auch gern Schäferwagen, Mobilheime, Schlaffässer und weitere besondere Unterkünfte aus.

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Entsprechend hohe Erwartungen haben sowohl der BVCD in Schleswig-Holstein als auch in Mecklenburg-Vorpommern an die Herbstsaison. Zwar hänge sie von der Entwicklungen der Energiekrise und der Corona-Pandemie ab. Aber: „Eine überdurchschnittliche Belegung bis in den Oktober hinein erscheint möglich“, so Petzold. Auch Lemcke erwartet eine „gute Nachfrage“ für Mecklenburg-Vorpommern, diese sei neben den genannten Entwicklungen aber immer auch abhängig vom Wetter. Noch könnten Reisende für diesen Zeitraum zwischen einigen Plätzen wählen.

So finden Reisende auch jetzt noch einen Stellplatz

Wer jetzt spontan noch verreisen will, findet laut Lemcke trotz der aktuell guten Buchungslage ansprechende Möglichkeiten dazu. „Wer kurzfristig nach einem freien Platz sucht, sollte die Suche bei den vielen etwas abseits, aber idyllisch gelegenen Campingplätzen außerhalb der touristischen Hotspots starten“, sagt Lemcke. Dabei kann unter anderem die Website beziehungsweise App „Campfindo“, ein Projekt von BVCD MV und dem Rügener Campingplatz Dredwoldke, helfen. Sie zeigt Urlauberinnen und Urlaubern, wo es in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Brandenburg aktuell noch freie Stellplätze gibt.

So funktioniert es: Camperinnen und Camper erhalten alle relevanten Angaben, wie verfügbare Stellplatzarten oder Ausstattungsmerkmale, auf einen Blick. Bei Interesse werden sie automatisch auf die Website oder Buchungsplattform des jeweiligen Platzes weitergeleitet und können dort ihren Stellplatz reservieren oder buchen.

Weitere Campingportale, die freie Stellplätze anzeigen, sind camping.info, pincamp.de, caravaning.de und pitchup.com.

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