Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Kostenfrei bis 20:59 Uhr lesen

Kassenärzte-Chef will Maskenpflicht ganz kippen: Ist die Corona-Pandemie vorbei?

Werden die Masken bald nicht mehr gebraucht? Die Pflicht könne wegfallen, sagt jetzt der Chef der Kassenärzte, Andreas Gassen.

Werden die Masken bald nicht mehr gebraucht? Die Pflicht könne wegfallen, sagt jetzt der Chef der Kassenärzte, Andreas Gassen.

Kiel.Die Corona-Pandemie sei für die meisten Menschen vorbei, sagt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Jetzt sollte auch die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen fallen. Aus Schleswig-Holstein kommt Widerspruch.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Rund 25 Millionen Deutsche hätten die Infektion bereits offiziell hinter sich, argumentiert Gassen. Die Dunkelziffer sei hoch, „tatsächlich dürften es zwei- bis dreimal so viele sein“. Damit gebe es eine hohe Immunität in der Bevölkerung.

Gassen: Masketragen soll überall freiwillig werden

Bundesweit würden auch nur noch 1000 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen liegen, 400 von ihnen beatmet, sagt Gassen. Damit liege nur noch in jeder fünften Klinik ein beatmeter Corona-Patient. Daher solle man es den Menschen auch wieder selber überlasen, ob sie in Bussen, Bahnen und Flugzeugen noch Masken tragen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Andreas Gassen ist Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Andreas Gassen ist Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

„Ich halte das für im Moment noch deutlich übers Ziel hinausgeschossen“, sagt hingegen der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH), Patrick Reimund. Zwar sei es richtig, dass sich die Situation in den Kliniken in den letzten Wochen deutlich entspannt habe. Auch würden immer weniger Mitarbeiter wegen einer Coronainfektion fehlen. „Trotzdem ist Corona in den Krankenhäusern noch immer ein großes Thema.“

30 Covid-19-Beatmungs-Patienten in Schleswig-Holstein

Im Norden würden derzeit noch 300 Patienten mit einer Coronainfektion im Krankenhaus liegen, sagt Reimund. Viele von ihnen seien gar nicht ursächlich wegen des Virus dort. Rund 30 Patienten aber würden tatsächlich noch beatmet werden müssen.

Auch mit der Eigenverantwortung sei es so eine Sache. „Es gibt immer noch eine große Gruppe von Menschen mit hohem Risiko, die sich eben nicht selber schützen können“, sagt der KGSH-Geschäftsführer. In Bussen und Bahnen sei die Maskenpflicht daher noch sinnvoll. Das „Wording“, das Gassen hier benutze, sei angesichts der Lage „unangemessen“.

Fickenscher: Noch viele Corona-Infektionen

Auch der Kieler Virologe und Leiter der Landesmeldestelle für Infektionskrankheiten, Professor Helmut Fickenscher, steht Gassens Einschätzung kritisch gegenüber. Auf jeden Fall laufe Corona „noch erheblich“ durchs Land. Die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken, sei sehr hoch, auch wenn die Erkrankung selber für die meisten ansonsten gesunden Menschen nur lästig sei, aber nicht tödlich. Fickenscher spricht allerdings inzwischen von einer „Endemie“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Der Kieler Infektionsmediziner Helmut Fickenscher leitet die Landesmeldestelle für Infektionskrankheiten.

Der Kieler Infektionsmediziner Helmut Fickenscher leitet die Landesmeldestelle für Infektionskrankheiten.

In vielen Betrieben würden daher trotzdem noch regelmäßig Arbeitskräfte ausfallen, sagt Fickenscher. Tatsächlich liegt die Corona-Inzidenz in Schleswig-Holstein derzeit noch bei 700. In Lübeck etwa gibt es aktuell 731,5 Infizierte je hunderttausend Einwohner und binnen sieben Tagen. In Hamburg liegt die Inzidenz bei 468,3, deutschlandweit bei 485,7.

23 Prozent der Schleswig-Holsteiner waren schon infiziert

Insgesamt hätten sich nach seinen Zahlen mittlerweile schon 23 Prozent der Schleswig-Holsteiner mindestens einmal mit dem Coronavirus angesteckt. „Und die Zahl der Infektionen nimmt weiterhin täglich erheblich zu“, sagt Fickenscher. Daher sei auch die Maskenpflicht noch überall dort sinnvoll, wo sich besonders gefährdete Menschen aufhalten, in Bus und Bahn und Pflegeeinrichtungen.

Kassenärzte-Chef fordert Impf-Konzept für den Herbst

Kassenärzte-Chef Andreas Gassen fordert derweil von SPD-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ein Corona-Konzept für den Herbst ein. Vor allem müsse weiter geimpft werden. Das heiße, dass der Staat den Praxen ausreichend Impfstoff zur Verfügung stellen müsse, wenn es im Herbst einen an Omikron angepassten gibt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wird Corona bald ein einfacher Schnupfenvirus?

Auch Fickenscher wünscht sich nach wie vor eine noch höhere Impfquote. „Wir müssen nach dem Sommer dafür werben“, sagt der Mediziner. Tauche dann keine neue gefährliche Virusvariante mehr auf, dürfte der Herbst entspannter werden als der im letzten Jahr. „Dann wird Corona mittelfristig zu einem ganz normalen Schnupfenvirus.“

„Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben“

„Infektionsschutzmaßnahmen wie die Beachtung von Hygieneregeln, freiwillig Maske im Alltag tragen oder regelmäßiges Lüften sind weiterhin wichtig, um den Weg aus der Pandemie fortzusetzen“, sagt auch der Sprecher des Kieler Gesundheitsministeriums, Christian Kohl. Außerdem sei die Impfung weiterhin von hoher Bedeutung für milde Krankheitsverläufe – und damit auch für einen Rückgang der Belastung des Gesundheitssystems.

Das Land habe entsprechende Vorsorge getroffen, um mit Hilfe der Impfstellen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte weiterhin bei der Impfkampagne zu unterstützen, sagt Kohl. Und das gelte auch über den Sommer hinaus. Außerdem gelte weiterhin: „Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben.“

Mehr aus Der Norden

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.