Newsletter „Die Newsletterin“

Der tiefe Fall der Patricia Schlesinger

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Je nach Schätzungen geben Frauen bis zu 7000 Euro im Laufe ihres Lebens für Menstruationsprodukte aus: Tampons, Binden, Schmerztabletten gegen die Bauchkrämpfe. In Deutschland werden Hygieneartikel zudem mit 19 Prozent Mehrwertsteuer versehen. Das ist nicht einmal der ermäßigte Steuersatz, der etwa auf Lebensmittel erhoben wird.

Schottland dagegen hat sich in dieser Woche auf den Weg gemacht, Frauen das Leben ein bisschen einfacher zu machen: Hier werden jetzt Periodenprodukte in allen öffentlichen Einrichtungen umsonst zur Verfügung gestellt. In den sozialen Medien wurde diese Entscheidung sehr begrüßt - mehr dazu unten in der Twitter-Diskussion der Woche. Und wer sich jetzt fragt, warum es dann nicht auch kostenlose Rasierer für Männer gibt, dem sei gesagt: Wir haben uns die Sache mit der Menstruation nicht ausgesucht, und sie ist wahrlich nicht vergnügungssteuerpflichtig.

Dann müssen wir noch nach Berlin schauen, genauer: In die Gebäude des RBB. Dort waren (mindestens) die vergangenen zwei Wochen ein Paradebeispiel dafür, dass sich auch Frauen in Führungspositionen gehörige Fehltritte leisten und sich zutiefst unmoralisch verhalten können: Patricia Schlesinger ist als ARD-Vorsitzende und RBB-Intendantin zurückgetreten. Ihr wird vorgeworfen, private Abendessen beim Sender abgerechnet zu haben, ihren teuren Dienstwagen auch privat gefahren zu haben und unverhältnismäßig viel Geld für die Renovierung der Chefetage ausgegeben zu haben. Außerdem soll es geschäftliche Beziehungen zwischen Schlesingers Ehemann und dem - inzwischen auch ehemaligen - Verwaltungsratschefs des RBB gegeben haben. Oben drauf kommt eine kräftige Gehaltserhöhung für die Intendantin, die vor Kurzem beschlossen wurde - All das, während das Programm zusammengekürzt und an der Bezahlung für die - oftmals freiberuflichen - Mitarbeitenden und den journalistischen Nachwuchs gespart wurde. Mich machen solche Nachrichten sprachlos, weil ich nur erahnen kann, wie sehr es die journalistischen Ehre derjenigen, die das Programm des RBB machen, erschüttern muss, wenn der eigene Sender derart in Misskredit gerät. Dadurch verliert mindestens der RBB, wenn nicht gleich der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk, massiv an Glaubwürdigkeit. Dabei können diejenigen, die das Radioprogramm, die Regionalsendungen im TV, die Nachrichten machen, am allerwenigsten dafür, was ihre Geschäftsführung verzapft.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende

Ihre

Sophie Schade

Redakteurin

 

Interview der Woche

Gudrun Nöthen ist die neue Ratzeburger Schützenkönigin: Genau 60 Jahre nachdem ihr Vater Königswürde erlangt hatte. Die Majestät im Interview.

Wie sind Sie zum Schießsport und zur Ratzeburger Schützengilde gekommen?

Ich bin vor 36 Jahren zu den Ratzeburger Schützinnen und Schützen gekommen. Mein Vater war schon 1962 Schützenkönig, damals zur 900-Jahr-Feier der Stadt. Damals hatten wir knapp 400 Gäste in unserem Hotel „Fürst Bismarck“. Danach hat es noch einige Jahre gedauert, bis auch Frauen Mitglied bei der Schützengilde werden durften – die erste war Helga Schlicht in 1974. Bis vor Kurzem habe ich auch noch die Damenkompanie geleitet, diese Aufgabe habe ich jetzt aber an Anja Lucassen weitergegeben.

Was begeistert Sie an dem Sport?

Man muss natürlich eine große Treffsicherheit haben und eine gute Kondition. Wichtig ist aber auch die mentale Seite: Wir müssen Ruhe bewahren und gut abschalten können. Das Herzklopfen, bevor es losgeht, aushalten – und dann hinterher die Erfolge feiern. Ansonsten begeistert mich, dass man so viele Menschen kennenlernt, auch über die Grenzen der Bundesländer hinweg.

Wie hat sich der Schießsport in Sachen Gleichberechtigung verändert? Gibt es noch Klischees, die Ihnen begegnen?

Die Schützenvereine sind nicht mehr so männerdominiert, wie sie es einmal waren. Ich rate wirklich jeder, sich das einmal anzugucken! Es kommt zwar, gerade wenn man neu ist, hin und wieder vor, dass es „nette“ Sprüche von den Kollegen gibt. Aber insgesamt sind wir Frauen in den Vereinen inzwischen anerkannt.

Was sind Ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft?

Ich möchte auf jeden Fall, solange es möglich ist, aktiv im Sport dabeibleiben! Ansonsten möchte ich sehr viel reisen – überall dorthin, wo ich noch nicht war. Süditalien steht als erstes auf der Liste.

 

Nachrichten aus der Region

Harte Zeiten für Schutz suchende Mütter aus der Ukraine. Zwei Frauen mit Babys suchen seit Wochen eine Wohnung in Lübeck. Die eine hat ein schwer krankes Baby, bei der anderen läuft der Untermietvertrag aus.

Nach verschiedenen Stationen im Norden kam Marit Genz in die Heimat zurück. Welche Schwerpunkte sie als neue Tourismusmanagerin bei der Segeberger Wirtschaftsförderung setzen will, um Besucher ins Binnenland zu locken.

 

Patricia Schlesinger stürzt den RBB in die Krise

Eigentlich wollte Patricia Schlesinger den RBB auf die Erfolgsspur führen. Stattdessen stehen nun Vorwürfe der Vetternwirtschaft, Compliance-Verstöße und Gebührenverschwendung im Raum. Die Bilanz ihrer Amtszeit: durchwachsen.

Der RBB zieht weitere Konsequenzen aus der Schlesinger-Affäre. Die Intendantin ist mit sofortiger Wirkung abberufen. Die Vorwürfe gegen die 61-Jährige wiegen schwer.

Nach dem Rücktritt folgen Ermittlungen: Die Berliner Staatsanwaltschaft führt ein Ermittlungsverfahren gegen Schlesinger, ihren Ehemann Gerhard Spörl sowie den RBB-Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf. Der Verdacht lautet auf Untreue und Vorteilsannahme.

Die Causa Schlesinger ist mit der fristlosen Entlassung der Intendantin noch lange nicht abgeschlossen. Ein neuer Bericht zeigt nun, dass die Angaben der ARD zum Gehalt Schlesingers unvollständig sind. Der RBB arbeitet demnach mit einem ausgeklügelten Bonussystem.

 

Nachrichten rund um Gesundheit

Wer ungewollt schwanger ist, wünscht sich möglichst schnell ärztliche Hilfe. Doch mancherorts trennen Betroffene lange Fahrzeiten von der nächsten Praxis, die Abtreibungen anbietet. Kann Telemedizin eine gute Lösung für dieses Dilemma sein?

 

Unser Blick in die Kultur

Im Oktober übernimmt Noura Dirani die Leitung der Lübecker Kunsthalle St. Annen. Ein Gespräch mit der 39-Jährigen über ihre Beziehungen zum Norden, Pläne für das Museum und ihr spezielles Interesse für transkulturelle Themen.

Die Lübeckerin Marina Ivanova ist Lehrerin und macht Stadtführungen. Als sie überlegte, wie sie ukrainischen Kriegsflüchtlingen helfen kann, kam ihr eine Idee.

Die österreichische Jazzsängerin Lia Pale nimmt sich die Freiheit die Lieder klassischer Komponisten neu und zeitgemäß zu interpretieren. In Lübeck präsentiert sie jetzt beim SHMF „The Brahms Songbook“.

 

... und nun zum Sport!

Sie sorgten für das bisherige Highlight der European Champion­ships aus deutscher Sicht: Gina Lückenkemper und Niklas Kaul gewannen am Dienstag­abend überraschend Gold in ihren Disziplinen – ein Abend, über den Leichtathletik­fans noch in Jahren sprechen werden.

Im Laufe der EM der Frauen kam es erneut zu einer Debatte über das Thema Bezahlung im Profifußball. Bundeskanzler Olaf Scholz sprach sich für eine gleiche Bezahlung von Frauen und Männern aus, DFB-Direktor Oliver Bierhoff wollte daraufhin mit Scholz sprechen. Nun haben sich die beiden Männer offenbar zu einem Gipfel verabredet.

 

Buch-Tipp

Das Paradies ist weiblich. 20 Einladungen in eine Welt, in der Frauen das Sagen haben.

Ständig reden wir vom Patriarchat. Was es verantwortet, zerstört und verhindert. Doch was genau würde sich verändern, wenn tatsächlich Frauen unser Leben regeln? Wäre die Welt eine gerechtere, liebevollere, bessere? In 20 Originalbeiträgen gehen deutschsprachige Autor:innen diesen Fragen auf den Grund und beleuchten mal literarisch, mal essayistisch zahlreiche Lebensbereiche: die Familie, den Beruf, die Erziehung, den Journalismus, aber auch die Namensgebung oder die Superheld:innen in Comics. Die Texte zeigen in ihrer Bandbreite vor allem eines: Die Gesellschaft befindet sich gerade im Umbruch. Mit Beiträgen von Shida Bazyar, Mareike Fallwickl, Linus Giese, Kübra Gümüşay, Simone Hirth, Gertraud Klemm, Julia Korbik, Miku Sophie Kühmel, Kristof Magnusson, Nicolas Mahler, Barbara Rieger, Emilia Roig, Jaroslav Rudiš, Mithu Sanyal, Tonio Schachinger, Margit Schreiner, Anke Stelling, Sophia Süßmilch, Philipp Winkler und Feridun Zaimoglu.

Erschienen bei Kein & Aber, 256 Seiten, 24 Euro.

 

Twitter-Reaktionen

Große Freude auf Twitter: In Schottland sind Periodenprodukte in öffentlichen Einrichtungen jetzt kostenlos zu bekommen.

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