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Kiel/Eckernförde

Heide Simonis und die Quilts

Die ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis und ihre handgefertigten Werke.

Die ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis und ihre handgefertigten Werke.

Kiel/Eckernförde.Sie hat Schleswig-Holstein regiert, Bücher geschrieben und in der RTL-TV-Show „Let's dance“ mitgetanzt - nun darf sich Heide Simonis ganz offiziell eine Künstlerin nennen. Die Galerie 66 in Eckernförde zeigt von diesem Wochenende an einen Monat lang Quilts, die Simonis in fast 20 Jahren genäht hat. Die aus meist drei Lagen bestehenden Steppdecken nach dem Vorbild amerikanischer Siedlerfrauen sind oft ziemlich bunt und mit geometrischen Mustern versehen.

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Mit einer Ausnahme hat die heute 73-Jährige in ihrem Kieler Wohnzimmer alle Quilts mit der Hand gefertigt. Sie sind immerhin bis zu drei Quadratmeter groß. Ob sie sich als Künstlerin fühle? „Frauen, die quilten, fühlen sich als Künstlerinnen“, sagt Simonis, die von 1993 bis 2005 SPD-Ministerpräsidentin in Kiel war. Rund 30 meist großformatige Quilts sind im Laufe der Jahre zusammengekommen, für manche brauchte Simonis länger als ein Jahr. Das Experimentieren mit Stoffen, Farben und Mustern braucht Zeit. In der Galerie in Eckernförde ist bis zum 28. Mai ein Dutzend Exemplare zu sehen.

Zur Eröffnung am frühen Freitagabend kamen rund 100 Gäste, darunter viele Freunde, Bekannte und ehemalige Mitarbeiter. Unter anderen waren Ex-Innenminister Klaus Buß (SPD) und Simonis' früherer Staatskanzleichef Klaus Gärtner da. Die Gäste spendeten viel Beifall, als die im Rollstuhl sitzende Simonis von Ehemann Udo in den Ausstellungssaal begleitet wurde. Sie leidet seit Jahren an Parkinson.

Ihre Liebe zu den Quilts hatte Simonis Ende der Siebzigerjahre in New Orleans entdeckt. Nach dem Besuch einer Ausstellung kam der Wunsch auf, selbst zu quilten; das wurde dann eine Leidenschaft. Bevor sie anfing, wälzte Simonis viele Bücher zu dem Thema. Am meisten hatten sie die Quilts von Amish-Frauen begeistert. Was die Faszination ausmacht? „Die Farben.“ Eine besonders farbstarke Decke mit lauter knallroten Mohnblumen liegt über der Rückenlehne von Simonis' Wohnzimmercouch.

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Ab Ende der Achtzigerjahre machte Simonis ihren eigenen Quilt-Traum wahr. In der Zeit als Ministerpräsidentin hat sie beim Nähen und einem Glas Rot- oder Weißwein Stress abgebaut. Je zwei Decken schenkte sie ihren beiden Schwestern, alle anderen liegen zu Hause. „Verkaufen würde ich sie nie, erzählt sie. „Denn dann würde ich bei all dem Aufwand nur einen Stundenlohn von drei Cent bekommen.“

Von Wolfgang Schmidt, dpa

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